04.07.2007 · Explosionsartig entwickelt sich derzeit der Kurs des Photovoltaik-Unternehmens Roth + Rau aufgrund der guten Geschäfte des Unternehmens. Doch die Bewertung steigt zusehends und damit die Gefahr von Rückschlägen.
In den neunziger Jahren galten Analysten als Götter. Hoben sie den Daumen, was häufiger vorkam als gut war, folgten Aktienkurse derselben Richtung, senkten sie ihn, was seltener vorkam als notwendig gewesen wäre, fielen die Kurse. Als sich offenbarte, dass mehr Analysen als angenommen das Papier nicht wert gewesen waren, auf dem sie gedruckt wurden, litt der Ruf der Branche stark.
Insofern mag einen Beobachter derzeit schon ein unangenehmes Gefühl beschleichen, wenn er die Auswirkungen sieht, die auch heute wieder von Analystenstudien ausgehen, allzumal wie einst Kaufempfehlungen überwiegen und Kursziele bisweilen in atemberaubender Geschwindigkeit wachsen.
Kurszielanhebung löst neuen Kurssprung aus
Am Dienstag erlebte die Aktiennotierung des Anbieters von Siliziumnitrid-Antireflexbeschichtungsanlagen für kristalline Siliziumsolarzellen Roth + Rau einen Kurssprung von über 15 Prozent auf 166,50 Euro und erreichte damit einen neuen Höhenrekord in ihrem rund einjährigen Börsenleben, dass sie einst bei 42,50 Euro begonnen hatte.
Anlass war, dass die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs das Kursziel von 123 auf 200 Euro angehoben hatte und die Anlageempfehlung „buy“ bekräftigte. Analyst Jason Channell verweist in seiner Studie auf die zunehmende Nachfrage aus dem boomenden Solarzellen-Markt nach den Anlagen von Roth & Rau. Daneben hätten auch Übernahmen im Subsektor der Solartechnik-Zulieferer die zuletzt starke Kursentwicklung begünstigt, hieß es. Roth & Rau dürfte alle zur Verfügung stehenden Kapazitäten nutzen, um der hohen Nachfrage gerecht zu werden.
Das ist sicherlich nicht falsch. Immerhin vermochte das Unternehmen im vergangene Jahr den Umsatz um 28,3 Prozent auf 42,85 Millionen Euro zu steigern und fuhr dabei einen operativen Gewinn von 5,54 Millionen Euro ein. Allerdings lag dieser um 1,35 Prozent unter dem des Vorjahres, so dass die operative Marge von 16,8 auf 12,9 Prozent deutlich fiel. Ursächlich
waren gestiegene Aufwendungen aufgrund des deutlich höheren Geschäftsvolumens und höhere Personalaufwendungen im Zuge der Kapazitätserweiterung.
Sonderbelastungen aus der Plasma- und Ionenstrahltechnik
Aufgrund geringerer Abschreibungen stieg indes das Betriebsergebnis (Ebit) um 4,7 Prozent auf 4,51 Millionen Euro. Dennoch schrumpfte auch die Ebit-Marge von 12,9 auf 10,5 Prozent. Der Jahresüberschuss legte um 14,8 Prozent auf 2,9 Millionen Euro zu. Dafür verantwortlich war unter anderem ein positives Finanzergebnis aufgrund einer verbesserten Liquiditätsposition nach dem Börsengang.
In das neue Jahr startete das Unternehmen glanzvoller. Im ersten Quartal 2007 erzielten Roth + Rau einen Umsatz von 24,57 Millionen Euro, der damit um 250 Prozent über dem Wert der entsprechenden Vorjahresperiode lag. „Mit dieser erfreulichen Entwicklung im ersten Quartal reichen wir schon jetzt an den Umsatz der ersten neun Monate des letzten Geschäftsjahres heran“, erläutert Dr. Dietmar Roth, Vorstandschef der Roth & Rau AG.
Das Betriebsergebnis wuchs um 175 Prozent auf 2,5 Millionen Euro. Allerdings schrumpfte die Ebit-Marge damit wiederum leicht auf nur noch 10,2 Prozent. Druck kam aus dem Nebensegment Plasma- und Ionenstrahltechnologie, in dem weniger als zehn Prozent der Umsätze anfallen. Aufgrund einmaliger Sondereffekte habe man hier einen Betriebsverlust von 794.000 Euro verzeichnet. Für das Gesamtjahr rechnet die Gesellschaft jedoch mit einer wieder positiveren Entwicklung.
Glänzender Auftragseingang
Das Periodenergebnis legte um 228 Prozent auf 1,79 Millionen Euro deutlich zu, vor allem aber vervielfachte sich der Auftragseingang von 7,33 Millionen Euro in der Vorjahresperiode auf 32,23 Millionen. Diese gute Entwicklung setzte sich in den Folgemonaten offenbar fort. Seit dem Ende des Quartals seine neue Aufträge in Höhe von 42,1 Millionen Euro ein, so dass sich der Auftragseingang nach fünf Monaten auf 74,3 Millionen Euro summiere nach 15,9 Millionen Euro in der Vorjahresperiode. Besonders hervorzuheben sei die Bestellung von sechs Anlagen des Typs SiNA L in Höhe von insgesamt 7,15 Millionen Euro durch die chinesische Trina Solar.
Analysten erwarten für das laufende Geschäftsjahr einen Umsatz von 109,4 Millionen Euro und damit das Zweieinhalbfache wie 2006. Dabei zeigen sich Roth + Rau auf gutem Weg, dieses Ziel zu erreichen. Das Betriebsergebnis soll den Prognosen nach um 115 Prozent auf 11,93 Millionen Euro stiegen und der Gewinn je Aktie um 69 Prozent auf 2,44 Euro. Sollte das Unternehmen im Rest des Jahres an die starke Entwicklung der ersten Monate anknüpfen können, so könnte vielleicht etwas mehr drin sein.
Enorm hohe Erwartungen
Nichtsdestoweniger ist die Aktie auf Basis der aktuellen Gewinnschätzungen mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2007 von 68,2 und für 2008 von 46,8 bewertet. Selbst wenn man das auf 60 und 40 abrundet, so stecken darin enorm hohe Erwartungen. Ob sich diese erfüllen können, muss sich erst noch herausstellen.
Derzeit sind die Anleger davon überzeugt und jagen die Notierung von einem Hoch auf das nächste. Dabei macht die Geschwindigkeit Kummer, denn die letzte Unterstützung, die die Notiz aufbauen konnte, liegt bei 90 Euro und damit mithin um fast die Hälfte unter dem aktuellen Niveau. Jede Enttäuschung kann daher zu deutlichen Einbrüchen führen.
Selbst der „Geldanlage-Report“, der ansonsten nicht für eine konservative Strategie bekannt sind, riet schon bei einem Kursniveau von 90 Euro aufgrund der hohen Bewertung der Aktie auf Kursrücksetzer in den Bereich um 80 Euro zu warten.
Solange die Begeisterung für den Wert anhält und das Unternehmen mit Erfolgsmeldungen wie in der ersten Jahreshälfte aufwarten kann, solange könnte die steile Bergfahrt anhalten. Aber auch hier ist es wieder wie mit einem Ritt auf dem Tiger: Man sollte sich jetzt schon überlegen, wie man wieder absteigen kann.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |