28.11.2006 · Bei immer mehr Unternehmen der Solarbranche zeigen sich operative Schwierigkeiten. Auch für Aleo Solar war das dritte Quartal alles andere als erfolgreich. Die Lagerbestände wuchsen weiter, die Umsätze gingen zurück, der Gewinn sowieso.
Alternative Energien und darunter vor allem Solarwerte gehörten im vergangenen Jahr zu den großen Stars an der Börse. Es war schon wie zu Hochzeiten des Neuen Marktes. Kaum klebte das Etikett „Photovoltaik“ auf einer Aktie, war die Erfolgsgeschichte geschrieben.
Das konnte durchaus eine Zeitlang mit Berechtigung gelten. Doch mittlerweile hat sich das Geschäft in der Branche normalisiert. Der politische Rückenwind in Deutschland läßt spürbar nach, selbst größere Unternehmen der Branche verzeichnen Umsatzrückgänge und müssen zunehmend ihr Heil im Ausland suchen (siehe Ausgebliebene Gewinnwarnung treibt Conergy-Aktie). Bei so manchem kleineren Unternehmen zeichnen sich dagegen ernste Probleme ab, häufig genug durch eigene Fehler (siehe Aktie von Reinecke + Pohl fällt durch).
Drastischer Gewinneinbruch
Auch über Aleo Solar bezieht sich der Himmel immer mehr. Schon im August war FAZ.NET skeptisch, als das Unternehmen zwar wachsende Umsätze, aber schrumpfende Gewinne im ersten Halbjahr vermeldete, die Gesamtleistung aufgrund eines hohen Lagerbestandswachstums deutlicher anzog und die kurzfristigen Finanzschulden und der Nettomittelabfluß sich vervielfacht hatten (Aktie von Aleo Solar bleibt vorerst im Sinkflug). Damals hatte FAZ.NET bei einem Kurs von rund elf Euro einen weiteren Sinkflug prophezeit. Am Montag schloß die Notierung bei 6,04 Euro.
Die am Dienstag vorgelegten endgültigen Zahlen für die ersten neuen Monate bestätigen nun den ungünstigen Eindruck. Der Solarmodulhersteller hat in den ersten neun Monaten wegen schlechterer Geschäfte im deutschen Markt einen Gewinneinbruch verzeichnet. Der Vorsteuer-Gewinn (Ebit) fiel im Dreivierteljahr auf 6,8 Millionen Euro nach 11,8 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.
Das war zwar immerhin noch besser als die vorläufig gemeldeten 5,7 Millionen Euro, aber nicht gerade traumhaft. Aleo Solar hat im dritten Quartal vor Steuern und Zinsen gerade noch 700.000 Euro verdient.
Wachstumsraten auf niedrigem Niveau
Das Konzernergebnis ging im Berichtszeitraum auf 3,9 Millionen Euro zurück nach 7,1 Millionen Euro in den ersten neun Monaten 2005. Selbst die Umsatzsteigerung fiel nicht berauschend aus. Den endgültigen Zahlen des Börsenneulings aus dem brandenburgischen Prenzlau zufolge legte dieser gegenüber der Vorjahresperiode gerade einmal um 1,3 Prozent auf 77,6 Millionen Euro zu - für den Lebensmitteleinzelhandel wäre das eine gute Wachstumsrate gewesen, nicht aber nach den bisherigen Maßstäben für die Photovoltaik. Nach vorläufigen Zahlen hatte Aleo Solar noch mit 78,9 Millionen Euro kalkuliert.
Verheerend nimmt sich das dritte Quartal aus. Die Umsätze brachen gegenüber dem Vorjahresquartal um knapp 25 Prozent auf 21,95 Millionen Euro ein. Dafür wurden die Lagerbestände um weitere 10,35 Millionen Euro erhöht - 31 Mal mehr als im Vorjahresquartal. Der Materialaufwand stieg um 23 Prozent auf 28,23 Millionen Euro, so daß das Ebitda um fast 75 Prozent auf 1,12 Millionen Euro und der Reingewinn um knapp 85 Prozent auf 343.000 Euro einbrach.
Dabei muß man berücksichtigen, daß sich diese Ertragskennziffern auf die Gesamtleistung einschließlich der Lagerbestandserhöhung beziehen. Läßt man diese außer Acht, so wäre bereits das Bruttoergebnis deutlich negativ. Die höheren Lagerbestände wollen aber erst einmal abverkauft werden.
Starke Belastung des Cashflows
Und je mehr diese wachsen, desto größer wird die Schere und die Belastung der Konzernliquidität. Der Nettomittelabfluß aus der laufenden Geschäftstätigkeit betrug in den ersten neuen Monaten immerhin 34,9 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum waren dem Unternehmen noch 6,8 Millionen zugeflossen. Das dritte Quartal allein hat Aleo Solar auf der operativen Ebene rund 20 Millionen Euro entzogen.
Wesentlicher Grund hierfür war die Verwendung liquider Mittel für den Aufbau der Vorräte in Höhe von 36,6 Millionen Euro gegenüber 5,6 Millionen im Vorjahreszeitraum. Lediglich eine höhere Nettofinanzverschuldung, vor allem aber die Erlöse aus dem Börsengang konnten dies ausgleichen. Diese betrugen rund 38,5 Millionen Euro, so daß sie fast aufgebraucht bzw. in Lagerbestände umgewandelt wurden.
Das seit Juli börsennotierte Unternehmen hat sich bereits Anfang November von seinen Zielen für das laufende Geschäftsjahr verabschiedet. Für 2006 erwartete Aleo Solar nur noch ein Umsatzwachstum von 8,5 Prozent auf 116 Millionen Euro. Zuvor hatte die Firma einen „branchengemäßen“ Zuwachs von mehr als 25 Prozent in Aussicht gestellt.
Hoffen auf 2007
Am Dienstag bekräftigte Aleo Solar die gesenkte Prognose: Es habe im deutschen Vertrieb zum Ende des dritten Quartals wieder eine deutliche Belebung des Geschäfts gegeben. Zudem kompensierten Großaufträge mit Kunden aus Südeuropa teilweise den Ausfall im deutschen Markt, erklärte Aleo-Solar-Vorstand Heiner Willers. Auch die hohen Lagerbestände will man im vierten Quartal abbauen.
Und es zeigt sich, daß der Inlandsmarkt für die deutschen Unternehmen tatsächlich immer weniger hergibt. Im dritten Quartal erwirtschaftete Aleo Solar bereits 9,2 Prozent des Umsatzes im Ausland, nur 0,3 Prozent waren es in der Vergleichsperiode.
„Für 2007 sehen wir eine Entspannung auf der Beschaffungsseite: zum einen sinken die Beschaffungskosten für Solarzellen und zum anderen sorgen neue Solarzellproduzenten, vorwiegend aus dem asiatischen Raum, für steigenden Wettbewerb auf der Lieferantenseite“, meint Vorstand Jakobus Smit. „Die Einkaufspreise werden sich schon in 2007 verbessern und ab 2008 gehen wir von einer noch deutlicheren Entspannung auf dem Silizium-Markt aus.“ Für 2007 rechnet Aleo Solar mit einem organischen Umsatzwachstum auf mehr als 140 Millionen Euro sowie einer weiterhin soliden Ebit-Marge.
Kaum Aussichten auf Erholung
Nach den aktuellen Prognosen ist die Aktie mit geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnissen für das laufende Jahr von 17,1 und für das kommende Jahr von 12,5 bewertet, wobei die Umsatzprognose des Unternehmens etwas unter den von Analysten geschätzten 148 Millionen für 2007 liegt. Das KGV ist zwar längst nicht mehr so hoch, wie einst Solaraktien zugebilligt wurde, indes sind zum ersten die Prognosen noch stärker gefallen als der Kurs. Vor drei Monaten lagen die Schätzungen noch bei knapp 14 bzw. 10,3.
Zum zweiten ist das Papier nicht wesentlich günstiger als größere Branchenunternehmen, deren Lage ähnlich ungünstig erscheint. Solon kommt auf KGVs von 16,5 und 12,7, Phönix Sonnenstrom auf 19,3 und 12,3. Und zum dritten macht es einfach keinen guten Eindruck, wenn ein Börsenneuling bereits seine erste Jahresprognose drastisch zurücknehmen muß.
Charttechnisch ist ohnehin nicht viel zu holen. Zwar hat sich das Papier nach dem neuen Rekordtief zu Monatsbeginn bei 5,44 Euro etwas gefangen gehabt, doch sollte man dies nicht überbewerten. Aleo Solar ist nach Daten von Thomson Financial in diesem Jahr der schlechteste Börsengang im Prime Standard (siehe Infografik). Damit sich daran etwas ändert, müssen erst einmal Zahlen her, die zeigen, daß das Unternehmen den Weg der Besserung eingeschlagen hat.
zum Sinkflug der Aleo-Solar-Aktie
Frank Bornschein (BORNFPR)
- 01.12.2006, 09:34 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |