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Photographie : Schwacher Ausblick läßt Cewe Color-Aktie abstürzen

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Digitale Photographie macht Cewe Color das Leben schwer Bild: Cewe Color

Gute Ergebnisse für das Jahr 2005 vermeldete am Mittwoch Europas größter Fotoentwickler Cewe Color. Indes war das Vorjahr schwach und die Prognose bereits reduziert. Und das kommende Jahr soll deutlich schwächer werden. Die Aktie stürzt ab.

          Manchmal ist es einfach so, daß die technische Entwicklung Branchen obsolet macht, obwohl sie 180 Jahre lang dazu beitrugen, das Bild von der Welt zu bestimmen, in der wir leben. Nachdem 1826 Joseph Nicéphore Niépce die erste Photographie hergestellt hatte und diese von Louis Jacques Mandé Daguerre verbessert worden war, war Photographie eine Sache vor allem der Chemie.

          Das erforderte spezialisiertes Know-how, das in der Photographiebranche gebündelt wurde. Doch mit der Miniaturisierung und der Speicher wurden auch die ehemals 1975 von Steven Sasson für Kodak entwickelte Digitalkamera gebrauchsfähig und begann in den neunziger Jahren ihren Siegeszug.

          Starker Gewinn, schwacher Umsatz

          Für Digitalphotographie ist kein chemisches Know-how notwendig, sondern vor allem Wissen über Computertechnik. Und damit sind weite Teile der Film- und Photobranche obsolet geworden. Diesem Trend konnte sich bislang keine der darin tätigen Firmen entziehen. Der Filmhersteller Agfa ging in Insolvenz, Eastman Kodak muß 30.000 Beschäftigte entlassen, Fuji Photo plant die Streichung von 5.000 Arbeitsplätzen und die Verlagerung eines Teils der Produktion von Japan nach China und Konica-Minolta gibt das Geschäft mit Filmen ganz auf.

          Die erste Digitalkamera der Welt und ihr Erfinder Steven Sasson. Rechts ein Kodakmodell aus dem Jahr 2005.
          Die erste Digitalkamera der Welt und ihr Erfinder Steven Sasson. Rechts ein Kodakmodell aus dem Jahr 2005. : Bild: Associated Press, AP

          Nur Europas größter Fotoentwickler Cewe Color galt einigen Anlegern wie immun gegen den Trend. Dank der anhaltenden Nachfrage nach Digitalfotos habe man im vergangenen Geschäftsjahr sogar Umsatz und Gewinn gesteigert, wenngleich ersteren in bescheidenem Umfang.

          Der Umsatz wuchs um 0,6 Prozent auf 431,1 Millionen Euro, der Gewinn vor Steuern (EBT) betrug 25,5 Millionen Euro, das ist ein Plus von 79,9 Prozent. Nach Steuern stieg der Gewinn um 883,9 Prozent auf 11,5 Millionen Euro. Damit übertraf das Unternehmen seine eigenen Prognosen beim Vorsteuergewinn, bleibe jedoch beim Umsatz und Nettogewinn leicht unter den Zielmarken. Infolge der Bildung notwendiger Rückstellungen in Höhe von fünf Millionen Euro für Werksschließungen hatte Cewe Color indes die Gewinnprognose für 2005 bereits gesenkt.

          Mehr digital, weniger analog

          Das Unternehmen verzeichnete eine hohe Nachfrage nach der Erstellung von Farbfotos von Digitalkameras, die um 63,2 Prozent auf 829,8 Millionen Stück zulegte. Zugute kam Cewe Color dabei allerdings die Tatsache, daß in Mittelosteuropa sowie Deutschland und Österreich große Wettbewerber aufgaben. Wachstumstreiber sind dabei das Online-Geschäft und in Photogeschäften installierte Orderterminals (Digi-Foto-Maker).

          Dagegen führte der Marktrückgang von rund 30 Prozent bei Filmen zu einem Rückgang der Photos von Filmen um 13,9 Prozent auf 2,604 Milliarden Stück. Insgesamt hat Cewe Color 2005 aber mit 3,434 Milliarden Farbbilder bereits 2,8 Prozent weniger Photos hergestellt als noch 2004.

          Der problematische Prozeß des Übergangs von Analog- zu Digitalphotographie soll spätestens 2008 abgeschlossen sein. Dann will Cewe Color mit überwiegend digitalen Produkten „wieder in Wachstumsmärkten tätig sein“. Indes wird nach Dafürhalten des Unternehmens der Weg besonders im laufenden Jahr steiniger. Für 2006 erwartet das Oldenburger Unternehmen deutliche Einbußen.

          Rückgang im kommenden Jahr nicht zu kompensieren

          Die Nachfrage nach digitalen Fotos werde den starken Rückgang bei klassischen Bildern vom Film nicht kompensieren, sagte eine Unternehmenssprecherin am Dienstag abend. Cewe Color rechnet mit einem Absatzplus von 40 Prozent auf 1,15 Milliarden Stück bei digitalen Photographien. Dagegen dürfte die Zahl der erstellten Photographien von analogen Kameras um 25 Prozent auf 1,9 Milliarden Stück sinken, so daß in den Cewe-Labors 2006 unter dem Strich ein Achtel weniger Photos hergestellt werden dürften.

          Entsprechend rechnet das Unternehmen mit einem um 10,7 Prozent geringeren Umsatz, einem um 15 Prozent niedrigeren Cashflow von 45 Millionen Euro und einem Sinken des EBT und des Reingewinns im entsprechenden Umfang. Dabei wirkten sich die Kosten für den Umbau des Anfang November übernommenen britischen Konkurrenten Standard Photographics in Höhe von zwei Millionen Euro aus, sagte eine Sprecherin des Unternehmens. Auch der Aufbau in Osteuropa schlage zu Buche.

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