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Photographie Schwacher Ausblick läßt Cewe Color-Aktie abstürzen

22.02.2006 ·  Gute Ergebnisse für das Jahr 2005 vermeldete am Mittwoch Europas größter Fotoentwickler Cewe Color. Indes war das Vorjahr schwach und die Prognose bereits reduziert. Und das kommende Jahr soll deutlich schwächer werden. Die Aktie stürzt ab.

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Manchmal ist es einfach so, daß die technische Entwicklung Branchen obsolet macht, obwohl sie 180 Jahre lang dazu beitrugen, das Bild von der Welt zu bestimmen, in der wir leben. Nachdem 1826 Joseph Nicéphore Niépce die erste Photographie hergestellt hatte und diese von Louis Jacques Mandé Daguerre verbessert worden war, war Photographie eine Sache vor allem der Chemie.

Das erforderte spezialisiertes Know-how, das in der Photographiebranche gebündelt wurde. Doch mit der Miniaturisierung und der Speicher wurden auch die ehemals 1975 von Steven Sasson für Kodak entwickelte Digitalkamera gebrauchsfähig und begann in den neunziger Jahren ihren Siegeszug.

Starker Gewinn, schwacher Umsatz

Für Digitalphotographie ist kein chemisches Know-how notwendig, sondern vor allem Wissen über Computertechnik. Und damit sind weite Teile der Film- und Photobranche obsolet geworden. Diesem Trend konnte sich bislang keine der darin tätigen Firmen entziehen. Der Filmhersteller Agfa ging in Insolvenz, Eastman Kodak muß 30.000 Beschäftigte entlassen, Fuji Photo plant die Streichung von 5.000 Arbeitsplätzen und die Verlagerung eines Teils der Produktion von Japan nach China und Konica-Minolta gibt das Geschäft mit Filmen ganz auf.

Nur Europas größter Fotoentwickler Cewe Color galt einigen Anlegern wie immun gegen den Trend. Dank der anhaltenden Nachfrage nach Digitalfotos habe man im vergangenen Geschäftsjahr sogar Umsatz und Gewinn gesteigert, wenngleich ersteren in bescheidenem Umfang.

Der Umsatz wuchs um 0,6 Prozent auf 431,1 Millionen Euro, der Gewinn vor Steuern (EBT) betrug 25,5 Millionen Euro, das ist ein Plus von 79,9 Prozent. Nach Steuern stieg der Gewinn um 883,9 Prozent auf 11,5 Millionen Euro. Damit übertraf das Unternehmen seine eigenen Prognosen beim Vorsteuergewinn, bleibe jedoch beim Umsatz und Nettogewinn leicht unter den Zielmarken. Infolge der Bildung notwendiger Rückstellungen in Höhe von fünf Millionen Euro für Werksschließungen hatte Cewe Color indes die Gewinnprognose für 2005 bereits gesenkt.

Mehr digital, weniger analog

Das Unternehmen verzeichnete eine hohe Nachfrage nach der Erstellung von Farbfotos von Digitalkameras, die um 63,2 Prozent auf 829,8 Millionen Stück zulegte. Zugute kam Cewe Color dabei allerdings die Tatsache, daß in Mittelosteuropa sowie Deutschland und Österreich große Wettbewerber aufgaben. Wachstumstreiber sind dabei das Online-Geschäft und in Photogeschäften installierte Orderterminals (Digi-Foto-Maker).

Dagegen führte der Marktrückgang von rund 30 Prozent bei Filmen zu einem Rückgang der Photos von Filmen um 13,9 Prozent auf 2,604 Milliarden Stück. Insgesamt hat Cewe Color 2005 aber mit 3,434 Milliarden Farbbilder bereits 2,8 Prozent weniger Photos hergestellt als noch 2004.

Der problematische Prozeß des Übergangs von Analog- zu Digitalphotographie soll spätestens 2008 abgeschlossen sein. Dann will Cewe Color mit überwiegend digitalen Produkten „wieder in Wachstumsmärkten tätig sein“. Indes wird nach Dafürhalten des Unternehmens der Weg besonders im laufenden Jahr steiniger. Für 2006 erwartet das Oldenburger Unternehmen deutliche Einbußen.

Rückgang im kommenden Jahr nicht zu kompensieren

Die Nachfrage nach digitalen Fotos werde den starken Rückgang bei klassischen Bildern vom Film nicht kompensieren, sagte eine Unternehmenssprecherin am Dienstag abend. Cewe Color rechnet mit einem Absatzplus von 40 Prozent auf 1,15 Milliarden Stück bei digitalen Photographien. Dagegen dürfte die Zahl der erstellten Photographien von analogen Kameras um 25 Prozent auf 1,9 Milliarden Stück sinken, so daß in den Cewe-Labors 2006 unter dem Strich ein Achtel weniger Photos hergestellt werden dürften.

Entsprechend rechnet das Unternehmen mit einem um 10,7 Prozent geringeren Umsatz, einem um 15 Prozent niedrigeren Cashflow von 45 Millionen Euro und einem Sinken des EBT und des Reingewinns im entsprechenden Umfang. Dabei wirkten sich die Kosten für den Umbau des Anfang November übernommenen britischen Konkurrenten Standard Photographics in Höhe von zwei Millionen Euro aus, sagte eine Sprecherin des Unternehmens. Auch der Aufbau in Osteuropa schlage zu Buche.

Cewe Color habe bereits Kapazitätsanpassungen vorgenommen. So würden die Werke in Worms und im dänischen Aarhus wie im November angekündigt Ende des Monats geschlossen. Das Unternehmen kündigte für 2006 weitere Anpassungen von Kapazitäten und eine Kostensenkung in verschiedenen Bereichen an. Übrig bleiben zwanzig Betriebe in Europa.

Übergang soll bis 2008 bewältigt sein

Zwei Drittel des Transfers von der analogen in die digitale Bilderwelt seien seit 2002 gut bewältigt worden. In den vergangenen zehn Jahren hat das Unternehmen nach eigenen Angaben über 150 Millionen Euro in den Aufbau digitaler Technik und Produktionskapazitäten investiert. Im Geschäftsjahr 2005 wurden 36,2 Millionen Euro in die Expansion, den Ausbau der Infrastruktur zur Optimierung der Abläufe und Erhöhung der Produktivität investiert.

Diese Investitionen sollen im laufenden Jahr auf 28 Millionen Euro reduziert werden, da die erforderlichen Kapazitäten aufgebaut seien. Die Abschreibungen hätten sich bereits im Jahr 2005 um zehn Prozent reduziert.

Cewe Color hat als Labor gegenüber den Filmherstellern wie Konica, Fuji oder Kodak natürlich den Vorteil, daß das Unternehmen vergleichsweise einfacher auf digitale Technik umstellen kann, wohingegen das ehemalige Massengeschäft der drei anderen in der Nische verschwindet. Dies betrifft in geringerem Ausmaß auch die Kamera-Hersteller, die sich im Bereich der Digitalphotographie neuer Konkurrenz durch Hersteller von Unterhaltungselektronik ausgesetzt sehen.

Künftige technische Entwicklung setzt Fragezeichen

Aber auch wenn Cewe Color Vorteile hat und offenbar auf gutem Weg zu sein scheint, dem Übergang ins digitale Zeitalter zu folgen und dort mit einem zeitgemäßen Geschäftsmodell anzukommen, so wird es offensichtlich dabei noch stärker ruckeln. Ob es bei den in Aussicht eingestellten Einbußen bleibt, ist nicht sicher.

Auch ist nicht sicher, ob sich das Digitalphotogeschäft so stark entwickeln wird wie geplant. Denn viel hängt auch von der Software-Entwicklung, der Verbreitung und Handhabbarkeit von Photo-Druckern und Photopapier sowie nicht zuletzt auch von dessen Preis und dem für Toner und Tinte ab.

Das sind alles Faktoren, die Cewe Color nicht in der Hand hat. Die sprunghafte Entwicklung der Technik und der Märkte in den vergangenen 15 Jahren rät zur Vorsicht bei der Prognose, wie sich Photographieren künftig darstellen wird.

Daher ist die Wendegeschichte mit einer gewissen Unsicherheit behaftet, so daß die Aktie mit geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 14,3 für das laufende und 15,2 für das kommende Jahr erst einmal gut bezahlt erscheint.

Kurssturz zur Eröffnung

Die Unsicherheit und vor allem das schlechte Klima rund um die analoge Photographie haben dem Aktienkurs seit dem vergangenem Sommer deutlich zugesetzt. Notierte das Papier im August noch auf einem Allzeithoch bei 52,90 Euro, so sackte die Notierung nicht zuletzt im Zuge der Rücknahme der Prognosen bis Dezember auf 33,38 Euro durch und präsentierte sich seitdem nach einem Ausreißer nach oben richtungslos

Am Dienstag verlor das Papier 2,2 Prozent auf 36 Euro, bevor das Unternehmen die Jahresergebnisse ad-hoc gegen 20:45 Uhr mitteilte. Danach sackte die Aktie bei Lang & Schwarz um 5,4 Prozent auf 34,06 Euro durch. Auch am Mittwoch wurde sie dort vorbörslich als einziger SDax-Wert im Minus 0,75 Prozent tiefer bei 33,81 Euro notiert.

Der Kurssturz nach Eröffnung aber stellte alle negativen Erwartungen in den Schatten. Die Aktie fiel innerhalb von 17 Minuten um Prozent auf ein Acht-Monats-Tief von 29 Euro.

Da verblaßt auch die interessante Dividendenrendite als Kaufargument. Seinen Aktionären stellte Cewe Color eine deutliche Dividendenerhöhung in Aussicht und kündigte eine Entscheidung für Mitte März an. Gerechnet wird mit 1,10 Euro, was aktuell eine Rendite von 3,8 Prozent bedeutet.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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