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Pharmazie Schering-Aktie fehlt die Kraft zum Ausbruch

20.02.2006 ·  Gute Zahlen und eine erwartete Ertragsverbesserung bei den wichtigsten Produkten - was will man mehr? Nun, Schering könnte Nachfolger-Medikamente präsentieren. Solange dürfte die Aktie auch nicht nach oben ausbrechen können.

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„Eure Zukunft ist eine große Vergangenheit“ pflegen Fußballfans zu höhnen, wenn der größere Lokalrivale des eigenen Vereins endlich mal weit unterhalb des eigenen Teams im Tabellenfeld rangiert. Pharmakonzernen kann immer ein ähnliches Schicksal drohen. Egal, wie gut sie verdienen oder verdient haben - entscheidend ist immer, was sie noch im Ärmel haben.

Das gilt auch für die Berliner Schering AG. Wie erwartet, hat das Unternehmen nach vorläufigen Ergebnissen das vergangene Jahr prachtvoll abgeschlossen. Währungsbereinigt stieg der Umsatz um sieben Prozent auf 5,31 Milliarden Euro und das Betriebsergebnis um 21 Prozent auf 928 Millionen Euro. Das entspricht einer operativen Marge von 17,5 Prozent. Der Konzerngewinn fiel mit 619 Millionen Euro um 23,8 Prozent höher aus als im Jahr davor.

Die Story heißt weiterhin Yasmin & Co.

Im vierten Quartal weitete Schering das Betriebsergebnis gegenüber dem Vorjahr um 30 Prozent auf 218 Millionen Euro aus, etwas stärker als von Experten erwartet. Der Umsatz stieg im Schlußquartal um elf Prozent auf 1,41 Milliarden Euro.

Branchenexperten hatten für das vergangene Jahr mit einer Umsatzsteigerung von rund sechs Prozent auf 5,2 Milliarden Euro gerechnet. Das Ergebnis je Aktie stieg um 23 Prozent auf 3,26 Euro.

Schering profitierte dabei weiter von einem guten Geschäft mit den etablierten Produkten wie der Anti-Baby-Pille Yasmin, deren Umsatz um 34 Prozent stieg und dem Multiple-Sklerose-Präparat Betaferon, mit dem das Unternehmen gegenüber dem Vorjahr zehn Prozent mehr umsetzte. Gut schlug sich auch das Intrauterin-System Mirena mit einem Plus von 21 Prozent.

Diese Produkte trugen auch maßgeblich zu den hohen Steigerungsraten in den Vereinigten Staaten (plus 13 Prozent), sonstiges Amerika (plus neun Prozent) sowie Asien/Pazifik (plus sieben Prozent) bei.

Margenverbesserung angestrebt

2006 soll der Umsatz um einen mittleren bis hohen einstelligen Prozentsatz wachsen. In den vergangenen drei Jahren hatte Schering mit seinem Spar- und Effizienzprogramm die Rendite um mehr als ein Prozent pro Jahr gesteigert. Im Zuge des Programms wurden 2000 Stellen gestrichen.

Bis 2008 soll die operative Umsatzrendite auf 20 Prozent steigen, teilte der Konzern am Montag in Berlin mit. Für das laufende Jahr rechnet Schering weiter mit 18 Prozent, 2005 sei Schering dem Wert schon sehr nahe gekommen, sagte Vorstandschef Hubertus Erlen. Dennoch liegt Schering in punkto Profitabilität damit immer noch hinter Konkurrenten wie Shire zurück, deren Marge schon 2004 24,5 Prozent betrug.

Wo bleiben gute Nachrichten zur Pipeline?

Die Erfolge der Vergangenheit sind alle schön und gut, doch Scherings wahre Probleme lösen sie nicht. Denn dem Unternehmen fehlen die Nachfolger für seine Erfolgsprodukte. Etwa vor einem Jahr mußte Schering bekannt geben, daß sich in gemeinsamer Entwicklung mit Novartis befindliche Nierenkrebs-Medikaments PTK/ZK um zwei Jahre verschieben würde, nachdem die Ziele in klinischen Studien nicht erreicht worden waren.

Auch der Zulassungsantrag für Leukine zur Behandlung des Morbus Crohn mußte verschoben werden, die klinischen Studien für Asoprisnil zur Behandlung gutartiger Gebärmuttertumore wurden erst einmal eingestellt und obendrein verlangten die Gesundheitsbehörden weitere Tests des Medikaments Bonefos, das das Übergreifen von Krebszellen auf die Knochen verhindern soll. Sogar die Einführung einer bestimmten Version von Yasmin verzögerte sich in den Vereinigten Staaten aufgrund von Verzögerungen im Zulassungsprozeß.

Wer sich daher am Montag gute Nachrichten zur längerfristigen Zukunft des Arzneimittelportfolios des Berliner Unternehmens erhofft hatte, sieht sich erst einmal enttäuscht.

Übernahme alle Betaferon-Rechte angestrebt

Im Juli hatte Schering-Chef Hubertus Erlen noch bekundet, man sei sehr an der Übernahme von Produkten und mittelgroßen Unternehmen interessiert. Man suche in Europa, den Vereinigten Staaten, aber auch weltweit. Das hörte sich zwar fast schon etwas verzweifelt an, doch machte es auch gleichzeitig Hoffnung, daß Schering dieses Problem verstärkt zu lösen bestrebt ist.

Doch das reichliche Geld in den Unternehmenskassen wird jetzt erst einmal für andere Zwecken verwandt. Schering will vom amerikanischen Partner Chiron alle Produktionsmittel zur Herstellung von Betaferon erwerben. Danach würde der Liefervertrag beendet.

Bislang mußte Schering nach eigenen Angaben 22,5 Prozent des Umsatzes an Chiron abtreten. Schering nutzt damit eine Option, die das Unternehmen im Zuge der Übernahme von Chiron durch Novartis erhielt.

Zwar könnte das Geld schlechter angelegt sein, denn ganz so einfach ist Betaferon durch Generika-Hersteller nicht zu kopieren, wenn die Patente 2007 und 2008 auslaufen. Analysten zufolge ist der biotechnische Herstellungsprozeß unter dem Einsatz natürlichen Interferons nicht zu duplizieren.

Dem Kurs fehlte die Kraft

Doch investiert Schering damit weiter in die Hebung der Erträge etablierter Produkte. Noch weniger zukunftsweisend ist das angekündigte Aktienrückkaufprogramm im Volumen von bis zu 500 Millionen Euro, das von März bis Ende September laufen soll.

Doch am Montag scheinen gute Zahlen, eine versprochene kurzfristige Ertragsbesserung und die Aussicht auf Kurspflegemaßnahmen längerfristige Überlegungen in den Hintergrund zu drängen. Vorbörslich notiert die Aktie jedenfalls rund ein Prozent im Plus und führt damit die Dax-Werte an.

Dabei ist Schering einigermaßen angemessen bewertet mit einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 16 für das laufende und 14,5 für das kommende Jahr.

Charttechnisch macht das Papier weniger Mut. Im vergangenen Frühjahr stürzte die Aktie nach den schlechten Nachrichten für PTK/ZK vom immer noch gültigen Jahreshoch bei 58,56 Euro auf 50 Euro ab und konnte sich erst im Winter wieder erholen. Allerdings scheiterten zwei Anläufe auf ein neues Jahreshoch im Januar und Februar und auch die vorbörslichen Kurse deuten nicht daraufhin, daß die Aktie ausbrechen kann. Scheitert sie indes abermals knapp über 57 Euro dürfet das eher als Signal für eine bevorstehende Trendwende gedeutet werden.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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