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Pharmazie Roche nach Genentech-Gebot im Minus

21.07.2008 ·  Roche überrascht den Markt mit einem Übernahmeangebot für Genentech. Der Unterschied zu anderen Transaktionen liegt darin, dass Roche bereits einen starken Anteil hat und eine geringe Prämie bietet. Die Genüsse von Roche sind vernünftig bewertet.

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Der Schweizer Pharmariese Roche überrascht den Markt, indem er ein Übernahmeangebot für die 44,1 Prozent der Aktien am amerikanischen Biotechnologieunternehmen Genentech abgibt, die er noch nicht besitzt.

Mit dem gebotenen Preis von 89 Dollar je Aktie oder insgesamt rund 43,7 Milliarden Dollar stellt das Gebot einen Aufschlag von 8,8 Prozent zu jenem Kurs dar, mit dem das Genentech-Papier am Freitag aus dem Handel gegangenen ist. Das dürfte die Aktionäre kaum begeistern, denn normalerweise sind die Aufschläge bei Übernahmeangeboten höher.

Genentech-Papiere ambitionierter bewertet als jene von Roche

Auf der anderen Seite sind die Papiere das amerikanischen Unternehmens damit auf Basis der Gewinnschätzungen mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 26 und 23 für das laufende und kommende Geschäftsjahr im Vergleich zu den Genussscheinen von Roche vergleichsweise teuer. Immerhin liegen die Gewinnwachstumserwartungen deutlich unter dem, was Genentech noch in den vergangenen Jahren hatte liefern können.

Bei Roche selbst sieht es nicht viel anders aus. Das in Basel ansässige Pharmaunternehmen hat im ersten Halbjahr einen Rückgang von Umsatz und Reingewinn verzeichnet. In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres erzielte das Unternehmen Erlöse von 22 Milliarden Schweizer Franken, nach 22,83 Milliarden Franken im Vorjahreszeitraum, wie Roche am Montag überraschend in Basel mitteilte. Diesem Rückgang von vier Prozent in Franken habe ein Anstieg von vier Prozent in Landeswährungen entsprochen, hieß es. Der Reingewinn sank um zwei Prozent von 5,862 auf 5,732 Milliarden Franken.

Tamiflu läuft schwach

Der Betriebsgewinn vor Sonderposten gab von 7,48 auf 7,04 Milliarden Franken nach, die Marge verschlechterte sich leicht von 32,8 auf 32 Prozent. Die Erwartungen der Analysten konnte Roche beim Umsatz nicht erfüllen, beim Betriebsgewinn hingegen leicht übertreffen. Die Experten hatten einen Konzernumsatz von 22,09 Milliarden Franken und einen Betriebsgewinn von 7,03 Milliarden Franken geschätzt.

In der umsatzstärksten Division Pharma, die im vergangenen Geschäftsjahr knapp 80 Prozent des Gesamtumsatzes erwirtschaftete, erhöhten sich die Verkäufe in Lokalwährungen um drei Prozent, in Franken gerechnet gaben die Erlöse der Sparte um sechs Prozent auf 17,257 Milliarden Franken nach. Roche musste Umsatzeinbußen bei Tamiflu hinnehmen. Ohne die Entwicklung des Grippemittels sei Pharma aber doppelt so schnell wie der Weltmarkt gewachsen, teilte das Unternehmen mit. Bei Medikamenten etwa gegen Krebs-, Stoffwechsel- und Knochenerkrankungen habe es eine starke Nachfrage gegeben. Die Division Diagnostics legte in Landeswährungen um 11 Prozent zu und gewann auch in Franken gerechnet um vier Prozent auf 4,75 Milliarden Franken.

Schwacher Dollar macht Übernahmen in den Vereinigten Staaten interessant

Der schwache Dollar macht sich in der Roche-Bilanz über Umrechungseffekte negativ bemerkbar. Gleichzeitig werden amerikanische Übernahmeziele jedoch entsprechend günstig. Aus diesem Grund und auch mit Blick auf Synergieeffekte ergibt das Übernahmeangebot einen strategischen Sinn.

Die beiden Unternehmen könnten mit diesem Schritt ihre operative Effizienz durch eine verringerte Komplexität, wegfallende Doppelspurigkeiten und durch die deutlich stärkere Position auf dem amerikanischen Markt verbessern, erklärt Roche. Die Synergien sollen zwischen 750 bis 850 Millionen Dollar vor Steuern pro Jahr sowie einen positiven Beitrag zum Gewinn pro Titel im ersten Jahr nach Abschluss erbringen, heißt es weiter.

Mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 15,3 und 13,5 und einer Dividendenrendite von 2,45 Prozent sind die Roche-Genüsse auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr nach dem Kursminus von 27 Prozent in den vergangenen sechs Monaten vernünftig bewertet und sollten unter normalen Umständen bald einen Boden finden.

Angesichts der wirtschaftlichen Unsicherheiten und der wahrscheinlich länger andauernden Unsicherheiten in den Märkten können weitere Kursrückschläge jedoch trotzdem nicht ausgeschlossen werden. Im frühen Handel liegen die Roche-Genüsse am Montag mit einem Minus von 2,9 Prozent bei 174,4 Schweizer Franken.

Der Autor leitet das europäische Index-Research von Commerzbank Corporates & Markets.

Quelle: @cri
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