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Pharmazie Altana-Aktie dürfte im Seitwärtstrend bleiben

03.08.2005 ·  Jede Menge Nachrichten bewegen am Mittwoch die Altana-Aktie. Das Bemühen um Zukunftsfähigkeit ist unverkennbar. Doch insgesamt bleiben zentrale Fragen weiter ungeklärt.

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Eine Reihe von Neuigkeiten bringt am Mittwoch neues Leben in die Aktie des Pharma- und Spezialchemiekonzern Altana. Aktuell liegt das Papier 4,6 Prozent im Plus, nachdem es kurz nach Handelsbeginn bereits über sechs Prozent zugelegt hatte.

Zunächst einmal brachte das Unternehmen Ergebnisse für das erste Halbjahr. Demnach stieg das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) gegenüber dem Vorjahr um zwölf Prozent auf 347 Millionen Euro. Analysten hatten im Durchschnitt ein Ebit auf Vorjahresniveau erwartet. Der Umsatz kletterte um fünf Prozent auf 1,552 Milliarden Euro.

Belastungen durch „Alvesco“ und „Daxas“

Indes beruhen 26 Millionen Euro des Gewinns im zweiten Quartal aus einem positiven Einmaleffekt der beendeten Kooperation mit Pfizer. Die beiden Firmen hatten ursprünglich gemeinsam das Lungenmedikament „Daxas“ entwickeln wollen. Anfang Juli war die Kooperation ohne nähere Angaben beendet worden. Die über die ursprüngliche Laufzeit der Kooperation abgegrenzten Upfront- und Meilensteinzahlungen von Pfizer seien nun erfolgswirksam auf einen Schlag verbucht worden, teilte Altana am Mittwoch mit. Das Vorsteuerergebnis war im zweiten Quartal auf 200 (165) Millionen Euro geklettert.

Rechnet man die 26 Millionen aus dem Vorsteuerergebnis heraus, so bleiben noch 174 Millionen für das zweite Quartal und 321 Millionen für das erste Halbjahr übrig. Unter diesen Umständen beträgt der Gewinnanstieg nur noch acht Prozent. Überdies handelt es sich ja eigentlich nicht um einen Einmaleffekt, sondern lediglich um eine zeitliche Verschiebung von Einnahmen. Dieser stehen andererseits, wie Altana am Mittwoch erstmals in dieser Form einräumte, erhöhte Aufwendungen für die Weiterentwicklung von „Daxas“ gegenüber.

Weitere zukünftige Belastungen erwachsen Altana aus stark gestiegene Marketing- und Vertriebskosten für das Asthma-Medikament „Alvesco“. Daß Altana dennoch seine Prognosen für das Gesamtjahr erhöht hat und nunmehr eine Steigerung des Vorsteuerergebnisses (Ebt) im mittleren einstelligen Prozent-Bereich erwart, überrascht positiv. Zuvor hatte sich der Vorstand noch zurückhaltender geäußert und eine Stagnation avisiert.

Aufspaltung als Börsentrend

Die zu erwartende Ergebnissteigerung sei allein operativ bedingt, hieß es. Konkret werde der Hauptumsatzträger, das Magen-Darm-Medikament “Pantoprazol“ im laufenden Jahr ein Marktwachstum von acht bis zehn Prozent erfahren. Auch der Eigenumsatz werde in der Pharma-Sparte in dieser Größenordnung zulegen.

Schwächer wird sich dagegen die Chemiesparte zeigen. Zwar soll sie im laufenden Jahr organisch im einstelligen Prozentbereich wachsen. Doch, so räumt Altana ein, könne sich im zweiten Halbjahr eine konjunkturelle Abschwächung zeigen. Das Ergebnis werde auf dem Vorjahresniveau oder leicht darunter liegen.

Indes werden diese Ergebnisse wohl bald nicht mehr im Gewand der alten Altana zu sehen sein. Denn der Konzern will sich vollkommen neu strukturieren und Chemie- und Pharmasparte als eigene Tochtergesellschaften an die Börse bringen.

Das Ausgliedern von Tochtergesellschaften und deren Börsengang hat in den vergangenen Jahren einen gewissen Mode-Charakter entfaltet. Den Anfang machte Siemens, die Epcos und Infineon an die Börse brachten. Beide Unternehmen haben den Anlegern seitdem nicht wirklich Spaß gemacht. Epcos' Umsatz stagniert tendenziell und in diesem Jahr präsentiert das Unternehmen wieder Verluste. Infineon hat den Sprung in die Gewinnzone noch nie wirklich geschafft.

Auch die Bayer-Tochter Lanxess und die von der Depfa-Bank abgespaltene Aareal-Bank mußten erst einmal geharnischte Verluste ausschwitzen und haben noch nicht bewiesen, daß sie nachhaltig profitabel wirtschaften können.

Eckart macht die Chemie schön

Vielleicht ist das ja der Grund, weswegen Altana die Chemie-Sparte, für die die Prognosen ja nicht unbedingt begeistern können, vor dem für das kommende Jahr avisierten Börsengang noch schön zu machen versucht.

Für 630 Millionen Euro wird das Fürther Spezialchemie-Unternehmen Eckart zugekauft. Nach Angaben von Altana ist Eckart einer der weltweit führenden Hersteller von Lacken und Farben mit Metall- und Perlglanzeffekten. Im vergangenen Jahr habe die Eckart-Gruppe einen Umsatz von 302 Millionen Euro bei einem operativen Ergebnis (Ebitda) von 65 Millionen Euro erwirtschaftet und zähle so zu den profitabelsten Firmen in der Spezialchemie. Die Akquisition werde im zweiten vollen Geschäftsjahr nach der Übernahme einen positiven Ergebnisbeitrag - gemessen am Ergebnis je Aktie - erbringen.

Gemessen am Umsatz des Jahres 2004 wird Eckart etwa ein Viertel des Umsatzes der zukünftigen Altana Chemie erbringen und deren Ebitda-Marge von 18,6 Prozent im vergangenen Jahr etwas nach oben ziehen. Immer vorausgesetzt, das Geschäft läuft weiter so gut wie bisher. Allerdings, so merkt WestLB-Analyst Oliver Kämmerer an, sie die Übernahme von Eckart nicht billig.

Pharma soll - und muß - besser werden

Auch der Unternehmensbereich Pharma soll in Zukunft als selbständiges börsennotiertes Unternehmen geführt und neben der Entwicklung neuer Produkte ebenfalls durch Akquisitionen, Kooperationen und Allianzen schön gemacht werden. Dafür stünden mehr als eine Milliarde Euro zur Verfügung, „auch durch die Mobilisierung nicht strategischer Geschäftssegmente“. Im Klartext heißt das, daß Altana sich auf das Kerngeschäft konzentrieren will.

Wie immer stellt sich bei all diesem Herumwirbeln in der Konzernstruktur die Frage nach dem Warum. Im Grunde geht es bei den Börsengängen nur um eines - Geld zu mobilisieren. Daß Altana zur Eckart-Übernahme keine Kapitalerhöhung benötigt, ist nicht weiter verwunderlich - die geplanten Verkäufe und Börsengänge werden sicherlich genug einbringen. Ob es sich lohnen wird, in Altana Chemie und Altana Pharma zu investieren, hängt vom späteren Preis ab. Heute scheinen sich Anleger schon einmal für die Börsengänge eindecken zu wollen, nachdem Altana-Chef Schweickart andeutete, daß Altanleger Aktien der beiden Spartentöchter erhalten werden.

Tatsächlich überdeckt all der Wirbel am Mittwoch einige Probleme bei Altana. Daß der Konzern gut verdient, verwundert nicht - „Pantoprazol“ sorgt dafür. Doch was hat Altana in Zukunft zu bieten? Hier zeigen sich doch einige dunkle Wolken am Horizont, besonders im Bereich der Atemwegsmedikamente.

Hat die deutsche Pharmabranche den Anschluß verloren?

Analysten waren im Vorfeld der heutigen Ergebnisse besonders scharf auf Zahlen zu „Alvesco“, das als einer der Eckpfeiler der Strategie von Altana gilt, sich breiter aufzustellen. Doch die Analysten wurden enttäuscht. Helaba-Analyst Thomas Brenning rechnete mit einem Halbjahresumsatz von rund zehn Millionen Euro. Doch genaue Zahlen blieb Altana schuldig und gab für das gesamte Jahr 2005 eine Prognose von acht bis zehn Millionen Euro - bei gleichzeitig höheren Marketingaufwendungen. Analysten zeigten sich davon enttäuscht, hoffen aber, daß die Prognose zu konservativ ist. Ein weiteres Manko ist die Tatsache, daß sich die Zulassung in Amerika verzögert, weil die amerikanischen Gesundheitsbehörden mit dem Umfang der eingereichten Zulassungsunterlagen nicht zufrieden waren.

Immer noch unklar sind die Aussichten des zweiten Eckpfeilers. Zwar bekräftigt Altana, daß die Aussichten weiter unverändert sind, aber immer noch sind die Hintergründe des Ausstiegs von Pfizer unklar und werfen einen Schatten auf das Potential des Medikaments. Unter diesem Gesichtspunkt liest sich die Mitteilung, die Pharmasparte durch Akquisitionen, Kooperationen und Allianzen stärken zu wollen, etwas anders.

Nicht unbedingt besser macht die Außenwirkung von Altana untern diesen Umständen, daß offenbar die gesamte deutsche Pharmabranche Schwierigkeiten hat, den Anschluß an die Welt zu halten. BASF hat seine Pharma-Sparte bereits im Jahr 2000 an Abbott verkauft, Hoechst existiert im Prinzip nicht mehr. Schering erlebte kürzlich weitere Rückschläge in der Forschung und sucht händeringend nach Nachfolgern für die Anti-Baby-Pille und Betaferon. Und Schwarz Pharma ist das beste Beispiel, was passiert, wenn ein Unternehmen stark von einem einzigen Medikament abhängig ist und nicht rechtzeitig einen Nachfolger präsentieren kann. Bis heute hat Schwarz Pharma diese Probleme nicht ausgestanden.

Seitwärtstrend dürfte bestehen bleiben

Die offenen Fragen mögen eine Rolle spielen, weshalb die Anleger die Nachrichten wohl zwar mehrheitlich aber doch nicht uneingeschränkt positiv auffassen. Die Altana-Aktie konnte am Mittwoch die ersten Kursgewinne von über sechs Prozent jedenfalls nicht halten und gab wieder ab. Danach kommen aber wieder Käufe in den Markt.

Bewertungsaussagen sind derzeit vor dem Hintergrund der neuen Konzernstruktur etwas schwierig zu treffen. Auch die Eckart-Übernahme schränkt die Brauchbarkeit der aktuellen Ergebnisprognosen als Maßstab ein. Derzeit ist die Altana-Aktie jedenfalls mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15,7 nicht billig, selbst wenn man unterstellt, die schwächeren Aussichten für Alvesco, die Unsicherheiten für die Zukunft und der Ergebnisbeitrag von Eckart höben sich künftig auf. Spekulieren läßt sich auf einen Gewinn durch günstige Bezugsmöglichkeiten bei den avisierten Börsengängen - aber das erscheint wenig tragfähig. Charttechnisch bleibt die Aktie dagegen in dem Abwärtstrend, den sie schon Mitte 2003 eingeschlagen hat. Dabei hat sie einen starken Boden bei 40 Euro. An diesem Trend dürften die heutigen Ankündigungen auf die Dauer auch nichts ändern.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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