15.07.2005 · Schwarz Pharma ist eine der Aktien, die eine starke Fan-Gemeinde hat. Anders läßt sich nicht erklären, daß die Aktie auf ihrem Weg nach oben jeder Bewertung spottet.
Manche Aktien sind phänomenal. Die Aktie von Schwarz Pharma etwa läuft seit Oktober 2004 unbeirrt nach oben und hat den Kurs seitdem bereits verdoppelt. Jetzt steuert sie allmählich ihr Allzeithoch bei 40,70 Euro an.
Am Freitag sorgte das Unternehmen erst einmal für Schlagzeilen durch die Meldung, daß es die vollständigen Rechte am Wirkstoff „Rotigotin“ der amerikanischen Aderis Pharmaceuticals und damit dessen wichtigsten Vermögensgegenstand sowie „bestimmte finanzielle Rechte“ in Bezug auf Aderis' andere Vermögensgegenstände erwirbt.
Kampf gegen Parkinson hat Zukunft
Rotigotin ist ein sogenannter Dopamin-Agonist, der die Symptome der Parkinsonschen Krankheit signifikant reduzieren kann. Dopamin ist ein Neurotransmitter des vegetativen Nervensystemes, der für eine Vielzahl lebensnotwendiger Steuerungs- und Regelungsvorgänge benötigt wird. Der Mangel an Dopamin gilt als eine der Hauptursachen der Parkinsonschen Erkrankung. Rotigotin wird einmal täglich als Pflaster auf die Haut aufgebracht und konstant über 24 Stunden freigesetzt.
In Europa und den Vereinigten Staaten hat Schwarz Pharma bereits im September 2004 Zulassungsanträge für Rotigotin zur Behandlung von Parkinson-Patienten im frühen Stadium eingereicht. Die Partnerschaft zwischen Aderis und Schwarz Pharma besteht schon längere Zeit. Bereits 1998 hatte das Monheimer Unternehmen die weltweiten Entwicklungs- und Marketingrechte für Rigotin von Aderis übernommen. Schwarz Pharma ist der drittgrößte Aktionär der nicht-börsennotierten Aderis Pharmaceuticals.
Schwache Entwicklung setzt sich fort
Durch die Transaktion fällt bei Schwarz Pharma eine Einmalaufwendung von 58 Millionen Euro an, die aus den liquiden Mitteln bestritten wird, die im ersten Quartal 182,8 Millionen Euro betrugen. Infolge dessen wird das Jahresergebnis, das eigentlich ausgeglichen hätte sein sollen um genau denselben Betrag ins Minus rutschen.
Das Unternehmen kämpft schon länger mit sinkenden Umsätzen und einer schwachen Gewinnentwicklung. Bereits im vergangenen Geschäftsjahr erlebten die Zahlen bei Schwarz Pharma einen deutlichen Einbruch, als der Umsatz um über ein Drittel auf 946,6 Millionen Euro und das Nettoergebnis um 98,7 Prozent auf 1,8 Millionen Euro fiel.
Schwarz Pharma hatte den wesentlichen Teil seiner Umsätze nämlich mit einem generischen Magenmittel in den Vereinigten Staaten erzielt und damit 2003 ein besonderen Einmal-Erfolg gehabt. Doch auch 2002 war der Umsatz noch immerhin 1,75 Prozent höher gewesen und es war ein Nettoergebnis von immerhin 48,4 Millionen Euro erzielt worden.
Schwarz Pharma ist der Ausgleich für die verschlechterte Konkurrenzsituation bislang immer noch nicht gelungen. Daran änderte auch der Sieg auf der ganzen Linie gegen den Generika-Hersteller Teva Pharmaceuticals nicht, der mit einem Konkurrenzprodukt in unlauterer Weise das Schwarz-Geschäft mit dem Bluthochdruckmittel Univasc unter Druck gebracht hatte und dieses wieder vom Markt nehmen mußte.
Lücken nicht gefüllt
Die Hoffnung gilt insofern den neuen Produkten, deren Entwicklung und Vermarktung - wie auch Rigotin zeigt - aber zunächst ergebnisbelastend wirkt. Eine Hoffnung richtet sich auf Lacosamide, eine andere ist Rigotin. Doch deren Erfolgspotential fällt immer noch in den Bereich des Spekulativen. Die Analysten von Goldman Sachs warnen daher deutlich: 56 Prozent des fairen Wertes der Aktie würden der Produkt-Pipeline zugemessen. So könne das Versagen nur eines Produktes einen erheblichen negativen Effekt auf den Aktienkurs haben.
Spekuliert wird auch auf Schadenersatzansprüche aus dem Rechtsstreit mit Teva Pharmaceuticals, deren Wert mit 150 Millionen Euro veranschlagt. Analysten sind wesentlich zurückhaltender und gehen allenfalls von niedrigen zweistelligen Millionenbeträgen aus.
Die Tatsache, daß Schwarz Pharma die Lücken bisher einfach nicht füllen kann, zeigt die Jahresprognose, wonach das Unternehmen im laufenden Geschäftsjahr mit einem weiteren Umsatzrückgang um zehn Prozent und schon vor dem Rigotin-Kauf mit einem nur noch ausgeglichenen Jahresergebnis und damit einem weiteren Rückgang rechnete.
Das bedeutet auch daß sich die erfreulichen Ergebnisse aus dem ersten Quartal offenbar nicht weiter fortsetzen werden. In diesem Zeitraum hatte Schwarz Pharma einen um fünf Prozent höheren Umsatz von 238,2 Millionen Euro und ein Quartalsergebnis von immerhin 1,1 Millionen Euro erzielt. Da nun das erste Quartal traditionell bei Schwarz eher schwächer verläuft und unterproportional zum Jahresumsatz beiträgt, gibt die Umsatzprognose zu denken. Entweder stapelt Schwarz Pharma tief oder es stehen negative Überraschungen ins Haus.
Kursentwicklung und Bewertung passen nicht zusammen
Auch die Erträge aus Rigotin werden sich auch nicht so bald in den Bilanzen niederschlagen. Die Profitabilität soll sich erst nach der Markteinführung erhöhen. Diese wird aber nicht vor dem ersten Halbjahr 2006 sein.
Die Bewertung der Aktie stimmt weiter nachdenklich. Auf Basis der aktuellen Analystenschätzungen, die immer noch von mehr als einem nur ausgeglichenen (bzw. seit Freitag ja negativen) Jahresergebnis ausgehen, wäre die Aktie schon mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 236 für das laufende und 100 für das nächste Jahr bewertet gewesen.
Nach der manchmal kruden Logik der Börse müßte man ja davon ausgehen, daß alle schlechten Nachrichten im Kurs enthalten sind, da sie ja längst bekannt sind. Das würde auch der Aktie eine Unterstützung bei etwa 34 Euro zubilligen, so daß bei einem Kurs von aktuell 38,88 Euro das Rückschlagsrisiko eher gering wäre. Allein: Die Bewertung zeigt das gerade nicht an, daß die schlechten Nachrichten im Kurs enthalten sind. Selbst das Kurs-Umsatz-Verhältnis von etwa zwei ist nicht gerade günstig.
Diese Bewertung könnte sich durch anfallende Schadensersatzzahlungen etwas verbessern, jedoch nicht so, daß die Aktie plötzlich preiswert würde. Alles in allem zeigt die Widersprüchlichkeit der Datenlage, daß die Aktie von Schwarz Pharma derzeit ein stark spekulativ getriebenes Papier ist. Das macht die Aktie riskant und in gewisser Weise unberechenbar. Denn wenn sich die Stimmung plötzlich aus irgendeinem Grund dreht und die Bewertung bei den Anlegern in den Vordergrund rückt, könnte es einen sehr deutlichen Rücksetzer geben.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |