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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Pharmazie Aktie von Sanofi-Aventis wegen schwacher Pipeline unter Druck

 ·  Mit weiter guten Ergebnissen für das erste Halbjahr wartete der Pharmagigant Sanofi-Aventis am Mittwoch auf. Doch die Zukunftsaussichten der Produkt-Pipeline enttäuschten fürs erste.

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Auf den ersten Blick sorgte der Pharmagigant Sanofi-Aventis bei Vorlage der Zahlen für das zweite Quartal erst einmal für einen Schrecken. Um 55 Prozent fiel der Reingewinn gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 556 Millionen Euro. Indes ist dieser scharfe Rückgang vor allem durch Abschreibungen bedingt, die im Zusammenhang mit der Fusion mit Aventis entstanden sind.

Bereinigt um diese Kosten, zum größten Teil latente Steuern, stieg der Reingewinn im zweiten Quartal um 26 Prozent auf 1,553 Milliarden Euro. Damit übertraf der Konzern die Erwartungen der Analysten. Diese waren von einem Nettoergebnis von 1,48 Milliarden Euro ausgegangen. Der Pharmakonzern profitierte nach eigenen Angaben von früher als erwartet realisierten Einsparungen infolge des Zusammenschlusses mit Aventis sowie von robusten Umsätzen.

Optimistische Prognosen

Den Quartalsumsatz hatte Sanofi- Aventis bereits am 19. Juli gemeldet. Dieser war um 6,5 Prozent auf 6,69 Milliarden Euro gestiegen, vor allem dank der guten Verkäufe der Top-Produkte des Unternehmens, Lovenox und Plavix.

Im ersten Halbjahr stiegen die Umsätze auf vergleichbarer Basis um 11 Prozent auf 13,104 Milliarden Euro. Der bereinigte Konzerngewinn kletterte um 26,1 Prozent auf 2,968 Milliarden Euro oder 2,22 Euro je Aktie.

Für das laufende Jahr gibt sich der Konzern sehr optimistisch. Der bereinigte Nettogewinn je Aktie soll nunmehr mindestens um 20 Prozent steigen. Zuvor waren 18 Prozent prognostiziert worden. Dies hatten einige Analysten bereits vorhergesagt. Die Prognose berücksichtige wesentliche Investitionen zur Vorbereitung der Markteinführung neuer Mittel sowie einen Anstieg bei den Ausgaben für klinische Studien, schreibt Sanofi-Aventis.

Synergien aus Fusion größer als erwartet

Aus dem Zusammenschluß mit Aventis sollen nun Einsparungen aus Synergien von mindestens 1,2 Milliarden Euro erzielt werden. Bisher sei mit 960 Millionen Euro kalkuliert worden. Insgesamt will Sanofi-Aventis bis Ende des kommenden Jahres 1,6 Milliarden Euro einsparen. Dieses Ziel werde bereits Mitte des kommenden Jahres erreicht werden, sagte Vorstandschef Jean-Francois Dehecq der Nachrichtenagentur Bloomberg. Mehr sei schwer herauszuholen - man habe mit großen Mengen umzugehen, so daß man sogar einstellen müsse, vorzugsweise in der Produktion und im Marketing. Dagegen sollen in der Verwaltung weitere Stellen gestrichen werden.

Wie bei allen Pharmafirmen ist auch bei Sanofi-Aventis weniger die Vergangenheit und die unmittelbare Zukunft interessant als das, was das Unternehmen in den kommenden Jahren zu bieten haben wird. Denn die Umsatzstärke der Medikamente steht unter Dauerbeschuß aus den Reihen der Generika-Hersteller. Im Fall von Sanofi-Aventis laufen bereits Klagen gegen die Patente dreier großer Medikamente, zudem läuft das amerikanische Patent auf auf das Schlafmittel Ambien aus.

Entscheidend ist die Pipeline...

Wie alle Pharmafirmen versucht auch Sanofi-Aventis für die etablierten Medikamente neue Anwendungsgebiete zu erschließen und genehmigt zu erhalten. Inwieweit das gelingt, ist noch nicht absehbar. Analyst Paul Diggle von Code Securities zeigt sich jedenfalls skeptisch, ob es gelingen wird, weiter genügend Umsatz aus den Altstars des Unternehmens zu ziehen.

Soweit es neue Medikamente betrifft, so vermeldete das Unternehmen am Mittwoch positive Ergebnisse für sechs Produkte im fortgeschrittenen Entwicklungsstadium. Dabei handele es sich um zwei Ergebnisse in Phase III und um vier Ergebnisse in Phase IIb. Für ein Medikament seien die Ergebnisse negativ gewesen. Die größten Hoffnungen gelten dem Schlankmacher Acomplia, dessen Zulassung im April in Europa und den Vereinigten Staaten beantragt wurde.

In den Vereinigten Staaten hat Sanofi-Aventis jetzt einen weiteren Zulassungsantrag, diesmal für den Impfstoff “Pentacel“, eingereicht. Der Kombinationsimpfstoff für Kinder soll zur Abwehr von Diphterie, Tetanus, Kinderlähmung, Keuchhusten und Hib-Meningitis eingesetzt werden.

Der Pharmakonzern will außerdem vier Medikamentenkandidaten im kommenden Jahr in die Phase III der klinischen Überprüfung bringen. Darunter ist eine Substanz zur Entwöhnung des Rauchens, die unter dem Namen SSR 591813 bekannt ist, sowie die Substanz Eplivanserin gegen Schlaflosigkeit. Allerdings stellte Sanofi auch die Entwicklung zweier Arzneimittelkandidaten ein, die zuletzt Programme der Phase IIb durchliefen. Darunter war auch das Schizophrenie-Mittel Osanetant.

... und die ist derzeit „negativ“

Für Phantasie könnten die Ergebnisse erster Tests eines experimentellen Medikaments gegen die Vogelgrippe sorgen, die bereits Anfang des Monats veröffentlicht wurden. Derzeit wird der Infektionskrankheit das größte pandemische Potential weltweit zugesprochen. Würde es Sanofi-Aventis gelingen ein wirksames Medikament zu entwickeln, könnte dies ein Kassen- und Imageschlager für den Konzern werden.

Sanofi-Aventis zeigt sich weiter auf gutem Wege. Doch in der Zukunft werden die Einsparungserfolge und die erfolgreiche Fusion mit Aventis noch stärker an Wert verlieren, wie sie es offenkundig bereits seit Mitte des Jahres getan haben, als der Aktienkurs nach einer steilen Aufwärtsbewegung sein letztes Drei-Jahres-Hoch bei 73,70 Euro erreichte. Seitdem ist das Papier tendenziell seitwärts gegangen. Am Mittwoch morgen notierte das Papier zunächst eher richtungslos. Erst nach der Pressekonferenz, als Details der Forschungsergebnisse bekannt gegeben wurden, begann das Papier gegen den Markt zu fallen. Derzeit notiert es gegen den Trend des rund anderthalb Prozent im Minus bei 68,90 Euro und ist damit Schlußlicht im französischen CAC40-Index.

Aktie moderat bewertet

„Die Zahlen für das zweite Quartal lagen über meinen Schätzungen“, sagte Rudolphe Besserve, Analyst bei Kepler Securities der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Das Wichtigste ist aber für mich die Pipeline und die war enttäuschend. SR 58611 funktioniert nicht, und Idraparinux hat keine statistische Signifikanz erreicht. Das ist negativ.“ SR 58611 sollte ein Anti-Depressivum werden und scheiterte somit in der Phase III. Die Versuche zum Thrombosemedikament Idraparinux sollen wiederholt werden, allerdings nicht vor dem kommenden Jahr.

Die Bewertung der Sanofi-Aktie ist zwar durchaus in Ordnung. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 16 auf Basis des laufenden Jahres und 14 auf Basis des kommenden Jahres liegt die Bewertung der Aktie im Branchentrend. Doch offenbar hat Sanofi-Aventis ähnliche Probleme wie Schering oder Schwarz Pharma, rechtzeitig mit erfolgreichen neuen Produkten zur Stelle zu sein. Was die Aktie für einen neuen Impuls braucht, sind eindeutig gute Nachrichten aus der Forschung, die am Mittwoch ausgeblieben sind.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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