Home
http://www.faz.net/-gv7-reax
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Pharmahandel Celesio-Aktie ungebrochen im Aufwärtstrend

14.05.2007 ·  Die Celesio-Aktie startet am Montag im Plus, dreht dann aber ins Minus. Die Quartalszahlen bergen keine Überraschungen. Langfristig entwickelt sich der Pharmahändler freilich sehr gut. Die Aktie ist nicht mehr billig, hat langfristig aber noch Potential.

Artikel Bilder (5) Lesermeinungen (0)

Da können Anleger nicht meckern: Seit zwei Jahrzehnten steigert der Pharmahändler Celesio jedes Jahr Umsatz und Gewinn. Die am Montag vorgelegten Quartalszahlen fielen zwar nicht überraschend positiv aus, der Aktienkurs legte im frühen Handel aber trotzdem zu.

Später drehte der Kurs freilich ins Minus und verlor am späten Vormittag 0,3 Prozent auf 51,65 Euro. Damit ist sie zwar ein ganzes Stück von ihrem Rekordhoch bei gut 55 Euro Ende April entfernt. Doch auf lange Sicht dürfen sich die Aktionäre nicht beklagen: Vor vier Jahren kostete die Aktie zeitweise nur gut 16 Euro, der Kurs hat sich in den vergangenen Jahren also mehr als verdreifacht (Isin DE000CLS1001).

Akquisitionen zahlen sich aus

Trotz der Einsparungen im europäischen Gesundheitssystem erhöhte Celesio im ersten Quartal Umsatz und operatives Ergebnis und konnte die Erwartungen des Marktes in etwa erfüllen. Der Erlös stieg auf 5,6 (Vorjahr: 5,3) Milliarden Euro und das operative Ergebnis auf 176 (164) Millionen Euro, wie der Stuttgarter Pharmagroßhändler am Montag mitteilte. Unter dem Strich blieb ein Nettogewinn von 102 (98) Millionen Euro.

Positiv hätten sich die gute Entwicklung im Apothekenbereich und die Einbeziehung der im Vorjahr zugekauften dänischen Unternehmen ausgewirkt, heißt es im Quartalsbericht. Dämpfend für den Bereich Großhandel seien dagegen die staatlichen Maßnahmen gewesen, vor allem in Frankreich, Deutschland und Großbritannien. Bereinigt um Wechselkurseffekte und Akquisitionen wäre der Umsatz um 1,8 Prozent gewachsen.

Apotheken wachsen stärker als der Markt

Der Großhandel als größter Geschäftsbereich hat sich nach Einschätzung von Celesio im ersten Quartal im Rahmen des vergleichbaren Marktes entwickelt. Der Umsatz erhöhte sich hier insgesamt um 4,2 Prozent. In Deutschland sei es gelungen, deutlich über dem Markt zu wachsen und den Marktanteil im Vergleich zum Dezember 2006 auszubauen, teilte Celesio weiter mit. Die operative Marge blieb in etwa auf Vorjahresniveau.

In den meisten Ländern deutlich stärker als der Markt wuchsen dagegen die Apotheken. Besonders positiv habe sich Lloydspharmacy in Großbritannien entwickelt. Dazu trug unter anderem bei, dass die nationale Gesundheitsbehörde Beratungsgespräche von Apothekern vergütet hatte. Insgesamt stieg in diesem Segment das operative Ergebnis stärker als der Umsatz. Der Apothekenbereich soll seine Akquisitionsstrategie vor allem in Irland, den Niederlanden und Belgien, aber auch in Großbritannien fortsetzen.

Celesio war im vergangenen Jahr mit 2100 Apotheken in sieben Ländern vertreten. Vorstandschef Fritz Oesterle blickte bei Vorlage der Jahresergebnisse Mitte März hoffnungsfroh auf die Liberalisierungsbemühungen in Schweden, Portugal, Spanien, Italien und Österreich. Dort könnte Celesio Apothekenketten betreiben.

Management bestätigt die Prognose

Das Unternehmen bestätigte die Prognose für das laufende Jahr: So soll der Großhandel mit dem Markt wachsen, während sich die Apotheken besser als der Markt entwickeln dürften. Insgesamt soll das Umsatzwachstum über dem Marktwachstum liegen und das Ergebnis vor Steuern stärker steigen als in den vergangenen Jahren.

Operativ will Celesio den Gewinn stärker ausweiten als das Vorsteuerergebnis. In den vergangenen zwei Jahrzehnten ungebrochenen Wachstums lag der Ergebniszuwachs im Durchschnitt bei 33 Prozent, bei einem durchschnittlichen Umsatzplus von 17 Prozent.

Auswirkungen der Gesundheitsreform noch unklar

Für die beiden kommenden Quartale ist das Management nach wie vor skeptisch: So dürfte das Gewinnwachstum im zweiten und dritten Quartal deutlich schwächer ausfallen als im Gesamtjahr 2007, weil die ersten Quartale von den staatlichen Maßnahmen zur Kostendämpfung im Gesundheitswesen einzelner europäischer Länder geprägt werden.

Wie sich die seit dem 1. April geltende Gesundheitsreform in Deutschland auswirken werde, sei im Einzelnen noch unklar. Am mittelfristigen Ziel eines zweistelligen Wachstums beim Ergebnis vor Steuern im mehrjährigen Durchschnitt hält Celesio jedoch fest.

„Ausgezeichnete Startposition“

Analyst Ulrich Huwald von M.M. Warburg äußerte sich in einer ersten Einschätzung zu den Zahlen etwas enttäuscht. Die Kennziffern lägen leicht unter seinen Erwartungen, sagte er. Entscheidend für den Aktienkurs sei aber die Strategie nach der Übernahmen der Versandapotheke DocMorris.

„Wir werden mit Celesio in den kommenden Jahren noch einige schöne Sachen erleben“, ließ sich Karl-Heinz Scheunemann, Analyst beim Bankhaus Metzler, jüngst in der F.A.Z. zitieren. „Mit der Übernahme von Doc Morris hat sich das Unternehmen in eine ausgezeichnete Startposition gebracht.“

Drogeriemärkte als Wettbewerber

Doc Morris hat Celesio geschätzte 200 Millionen Euro gekostet. Bei dem Geschäft geht es um mehr als die Übernahme eines Unternehmens. Beobachter erwarten, dass die Liberalisierung des europäischen Apothekenmarktes voranschreiten wird und eines Tages auch die deutsche Apothekenlandschaft umgekrempelt wird. Celesio bringt sich hierfür schon Mal in Stellung.

Die Frage ist nur, wann die Liberalisierung kommt. Hier könnte die Geduld der Celesio-Aktionäre gefragt sein. Dazu kommt, dass Drogeriemärkte und -ketten aggressive Wettbewerber sind und Celesio den Markt nicht kampflos überlassen werden.

Langfristig bleibt die Aktie interessant

Die Celesio-Aktie sieht mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 18,7 für dieses und 16,6 für das kommende Jahr nicht unbedingt preiswert aus. Derzeit ist das Dreifache des Buchwertes für die Aktie zu zahlen. Auch das Kurs-Cashflow-Verhältnis von knapp 16 zeigt die eher ambitionierte Bewertung. Die erwartete Dividendenrendite beträgt 1,6 Prozent, auch das taugt nicht als Argument.

Größeres Potential für die Aktie ergibt sich kurzfristig höchstens mit Blick auf das geringe Kurs-Umsatz-Umsatzverhältnis von 0,4. Langfristig aber stehen die Chancen auf weiter steigende Kurse gut, wenn es dem Unternehmen gelingt, auf dem Apothekenmarkt weitere Marktanteile für sich zu gewinnen. Das Management hat mehr als einmal bewiesen, dass die Wachstumsstrategie sehr erfolgreich ist. Auch die Charttechnik spricht für die Notiz, der langfristige Aufwärtstrend ist ungebrochen. Doch nach den stattlichen Kursgewinnen der vergangenen Monate und Jahre und müssen Anleger wohl einige Geduld mitbringen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @bemi mit Dow Jones
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel
25.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.339,94 +0,38%
 OK
25.05.2012
Name Kurs Prozent
DAX 6.339,94 +0,38%
FAZ-INDEX 1.377,69 −0,11%
TecDAX 752,47 +0,08%
MDAX 10.196,40 −0,34%
SDAX 4.817,28 +0,29%
REX 434,70 −0,15%
Eurostoxx 50 2.161,87 +0,25%
F.A.Z. EURO 69,61 +0,13%
Dow Jones 12.454,80 −0,60%
Nasdaq 100 2.527,05 −0,17%
S&P500 1.317,82 −0,22%
Nikkei225 8.580,39 +0,20%
EUR/USD 1,2515 −0,14%
Rohöl Brent Crude 106,90 $ +0,14%
Gold 1.569,50 $ +0,06%
Bund Future 144,35 € +0,25%