So wünschen sich die Anleger die Entwicklung von Kennzahlen: Seit 19 Jahren steigert der größte europäische Pharmahändler Celesio sowohl Umsatz als auch Gewinn kontinuierlich. Während der Umsatz in dieser Zeitspanne durchschnittlich um 17 Prozent zunahm, stieg das Vorsteuerergebnis vor Steuern jährlich um 34 Prozent.
Seit gut drei Jahren spiegelt sich das auch im Aktienkurs wider: Es geht steil bergauf. Auch wenn die Aktie in den vergangenen Monaten hinter ihrem Index, dem MDax, zurückgeblieben ist: der langfristige Aufwärtstrend ist intakt. Erst Mitte Februar erreichte das Papier ein neues Rekordhoch bei 79,50 Euro. Am Mittwoch kosteten die Papiere im Vormittagshandel 76,40 Euro (Isin DE0005858005).
„Celesio ist ein Langstreckenläufer“
„Unsere Erfolge sind weder vereinzelt noch kurzfristig. Celesio ist ein Langstreckenläufer“, sagte Celesio-Vorstandschef Fritz Oesterle vergangene Woche auf der Bilanzpressekonferenz in Stuttgart.
Gemessen an der Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte wirkte Oesterles Prognose geradezu zurückhaltend. In den nächsten Jahren wolle man im Durchschnitt zweistellige Ergebniszuwächse realisieren. Und: „Wir sind optimistisch, daß wir 2006 den Gewinn noch einmal steigern werden.“ Das wäre die 20. Ergebnissteigerung in Folge.
Großhandel, Apotheken, Service
Umsatzstärkste Sparte von Celesio ist nach wie vor der Großhandel, der im vergangenen Jahr einen Umsatz von 16,9 Milliarden Euro erzielte. Allerdings trägt dieser Bereich nur noch 49 Prozent zum Rohertrag des Konzerns bei.
Beinahe ebenso viel, nämlich 45 Prozent, liefern die 2.045 Apotheken ab. Diese seien auch strategisch bedeutsam, weil der Großhändler Celesio durch sie die Ansprüche der Pharmaeinzelhändler kenne. Bereits sechs Prozent des Rohertrags liefert die noch junge Servicesparte von Celesio.
Dienstleistungsgeschäft volatiler als Pharmahandel
Die Logistikleistungen, die rund 1.400 Celesio-Mitarbeiter für die Pharmahersteller erbringen, werden neuerdings unter dem Namen „Movianto“ angeboten. Neben Movianto sollen weitere Dienstleistungssparten entstehen, kündigte Oesterle an.
Das Geschäftsmodell sehe dabei nur solche Leistungen vor, die international zu vermarkten seien (auch über Europa hinaus), und es werde dabei ausschließlich um Arzneimittel gehen. Der Vorteil dieser Sparte aus Sicht von Oesterle: „Dieser Bereich unterliegt nicht der staatlichen Regelungswut. Wir sind damit dem normalen Wettbewerb ausgesetzt.“ Allerdings sei das Geschäft deutlich volatiler als der Pharmahandel.
Wachstum durch Akquisitionen
Vom Wachstum des vergangenen Jahres entfielen gut vier Prozent auf die organische Entwicklung, der Rest auf Zukäufe. Für weitere Akquisitionen sei Celesio gerüstet, sagte Oesterle: „Alles, was wir uns in unseren kühnsten Träumen als Akquisition vorstellen, könnten wir auch finanzieren.“
Die Expansion werde nicht nur in den neuen Geschäftsbereichen, sondern auch im Großhandel vorangetrieben, wo es immer noch weiße Flecken auf der europäischen Landkarte gebe, etwa in Spanien, aber auch in den großen Märkten Polen und Rumänien. Generell würden feindliche Übernahmen im Großhandel nicht in Betracht gezogen, betonte Oesterle: „Man kauft ja nicht irgendwelche Läger, sondern Kundenbeziehungen. Da muß das Management motiviert sein, Teil des Celesio-Konzerns zu werden.“
Aktie noch nicht zu hoch bewertet...
Die Bewertung der Aktie scheint trotz der jüngsten Kurssteigerungen noch angemessen: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf Basis der durchschnittlichen Gewinnschätzung beläuft sich auf 15,1 für das laufende und 13,6 für das kommende Jahr. Wenn es dem Management gelingt, das Ergebnis auch in Zukunft so erfreulich zu steigern, ist das keinesfalls zuviel.
Die Aktionäre erwartet für das vergangene Jahr eine Dividende von 1,35 Euro (nach 1,20 Euro im Vorjahr) sowie eine Sonderausschüttung von 0,05 Euro je Aktie infolge einer Steuerrückerstattung. Das entspricht eine Dividendenrendite von etwa 1,8 Prozent.
... und mit Potential
Die Menschen werden älter, und ältere Menschen brauchen mehr Medikamente. Darum darf der Pharmahandel auch in Zukunft als Wachstumsmarkt gelten. Celesio will in diesem Markt weiter zulegen - das sind gute Aussichten für die Anleger.
In der Vergangenheit ist es der Celesio gut gelungen, aus Übernahmen Werte zu generieren. Wenn sich das nicht plötzlich ändern sollte, dürfte die Aktie also weiter zu den Gewinnern zählen.