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Pharma Übernahmegerüchte geben Stada-Aktie Pfeffer

24.06.2005 ·  Stada stellt sich selbst zum Verkauf - behauptet die „Süddeutsche Zeitung“ am Freitag. Die Spekulationen bringen neuen Pfeffer in die ohnehin scharfe Aktie.

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Vorbörslich für Unruhe sorgte ein Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ), nach der der Bad Vilbeler Pharmaproduzent Stada einen Käufer suche. Stada-Chef Hartmut Retzlaff habe die Deutsche Bank mit der Suche nach einem Interessenten beauftragt, der bereit sei den Generikahersteller für zwei Milliarden Euro zu übernehmen.

Mittlerweile hat Stada dementiert, daß der Konzern eine Bank mit der Suche nach einem Käufer beauftragt habe. „Diese Berichte sind falsch und entbehren jeder Grundlage“, teilt Stada mit. Was Stada jedoch nicht explizit dementiert hat, ist die Behauptung, daß der israelische Pharmakonzern Teva bis zu 36 Euro je Stada-Aktie geboten haben soll. Dies entspräche einem Unternehmenswert von rund zwei Milliarden Euro. Am Donnerstag beendeten Stada-Aktien den Börsenhandel bei 26,28 Euro.

Weder Stada noch Teva hätten eine mögliche Übernahme kommentieren wollen, schreibt die SZ. Auf das fehlende Dementi eines Angebots aus Israel sagte ien Stada-Sprecher zu FAZ.NET: „Nun fangen Sie nicht an, im Kaffeesatz zu lesen.“ Bei Teva Pharmaceuticals war bislang niemand zu erreichen.

Attraktives Übernahmeziel

Neben Teva seien auch der französische Pharmakonzern Sanofi-Aventis und der amerikanische Konsumgüterkonzern Johnson & Johnson interessiert. Stada gilt seit der Übernahme seines Konkurrenten Hexal durch den Schweizer Pharmariesen Novartis im Februar als attraktivstes Übernahmeziel im deutschen Generikamarkt.

Grundsätzlich handelt es sich bei der Nachricht um ein Gerücht, das durch die Reaktion von Stada an Plausibilität verloren hat. Auch hat sich Vorstandschef Hartmut Retzlaff auf der Hauptversammlung deutlich zu diesem Thema geäußert: „Wir haben es wirklich nicht notwendig, übernommen zu werden. (...) Unsere strategische Positionierung wird uns für die nächsten Jahre signifikante Wachstumspotenziale bescheren und wir haben alle operativen Voraussetzungen, diese Potenziale selbst, aus eigener Kraft, zu heben und in ein robustes Wachstum umzusetzen.“, sagte Retzlaff in seiner Rede. Außerdem wird der Vorstandschef wird eine Reaktion zitiert: „Die Antwort ist ein klares „Nein“ von unserer Seite. Wir wollen unsere zukünftigen Möglichkeiten selbst ausnutzen.“

Andereseits sagte Retzlaff auch: „Selbstverständlich würden wir uns bei einem solchen Angebot auch professionell und vorurteilsfrei damit auseinander setzen und sorgfältig abwägen, welche Stellung wir dazu im Interesse von Aktionären und Mitarbeitern einnehmen sollten.“ Läge also ein konkretes und attraktives Angebot vor, besteht also durchaus die Möglichkeit, daß Stada darauf eingeht.

Nach Einschätzung des Branchenverbandes Pro Generika ist ein baldiger Abschluß möglich. „Es kann über Nacht schnell etwas passieren“, beschreibt laut SZ Verbandsmitglied Udo Klomann die Stimmung in der Branche.

Kaufkandidaten nicht unplausibel

Die potentiellen Käufer sind durchaus plausibel. Teva hatte Ende des vergangenen Jahres rund 650 Millionen Dollar liquider Mittel und ein Umlaufvermögen von 3,5 Millionen Euro gegenüber kurzfristigen Verbindlichkeiten von 1,8 Milliarden Euro in der Bilanz stehen.

Teva ist in der Vergangenheit immer wieder als Aufkäufer in Nordmamerika und Europa in Erscheinung getreten. 2004 kaufte man die kalifornische Sicor für rund 3,46 Milliarden (2,9 Milliarden Euro) Dollar in bar und Aktien, bis zu diesem Zeitpunkt der größte Zukauf der Israelis. Teva setzte im vergangenen Jahr rund vier Milliarden Euro um, Stada rund 814 Millionen. Die Größenverhältnisse stimmen, und auch der Übernahmewille von Teva macht das Gerücht plausibel.

Auch ohne Gerüchte attraktiv

Mit 36 Euro liegt der mutmaßlich Preis für die Stada-Aktien um rund 36 Prozent über dem Schlußkurs vom Donnerstag. Das macht natürlich einen Aktienkauf interessant. Doch genau hier steckt auch ein Haken.

Denn mit auf Ergebnisschätzungen von Analysten beruhenden Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 21 für dieses und 18 für das kommende Jahr ist das Papier recht ambitioniert bewertet und teurer als andere Pharmatitel. Mit einem Kurs von 36 Euro wird die Aktie mit KGVs von 29 und 25 bewertet. Das ist enorm viel. Sicherlich ist Stada angesichts von neuen Rekordjahren in Folge und einem zehnten in Aussicht ein attraktives Unternehmen - aber auch für diesen Preis?

Jedenfalls ist es nicht ratsam, die Stada-Aktie allein auf der Basis von Gerüchten zu kaufen und dabei gar mit einem potentiellen Verkaufskurs von 36 Euro zu rechnen. Denkbar ist auch, daß eine Übernahme stattfindet - aber aufgrund der hohen Bewertung doch zu einem niedrigeren Kurs.

Dagegen ist Stada auch ohne Übernahmespekulationen eine durchaus nicht unattraktive Aktie, die zwar hoch bewertet ist, aber starke Fundamentaldaten und eine intakte Unternehmensstory bietet.

Mut zum Risiko

Das sieht auch die Börse so. Seit über einem Jahr läuft der Kurs jetzt nach oben und hat sich seit dem Jahrestief von 13,38 Euro anähernd verdoppelt. Vorbörslich war die Aktie bereits gefragt und zog zeitweise auf 33 Euro an. „Ob das allerdings halten wird, bleibt abzuwarten“, warnen Händler zurecht. Im Verlauf bröckelte der Kurs etwas ab.

Den regulären Handel eröffnete die Stada-Aktie mit 31,28 Euro, fiel dann aber nach dem Dementi, das gegen 9:10 Uhr erfolgte, bis um 9:30 Uhr auf 29,83 Euro.

Die Gerüchte sollten nach dem raschen und deutlichen Dementi mit Vorsicht behandelt werden. Die Stada-Aktie ist durchaus interessant und selbst, wenn an den Übernahmegerüchten derzeit nichts dran ist - die Möglichkeit bleibt gegeben. Es wird mit Sicherheit dann weitere Gerüchte geben, die auch den Kurs treiben werden. Beim heutigen Aufschlag von derzeit 13,5 Prozent hängt es jedoch von der persönlichen Einschätzung und Risikoneigung ab, ob man jetzt noch zugreifen will.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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