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Pharma/Spezialchemie Merck-Aktie stürmt auf neues Rekordhoch

07.06.2004 ·  Nach einer sehr starken Woche legt die Merck-Aktie kräftig nach und steigt auf ein neues Rekordhoch. Vorteilhafte Nachrichten zu einem Darmkrebs-Mittel sind die Ursache.

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Aktionäre des Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzerns Merck können sich die Hände reiben. Seit Jahresbeginn hat sich der Titel um 53 Prozent verteuert. Allein in der vergangenen Woche stieg der Titel um fast sieben Prozent. Und zu Wochenbeginn legt die Aktie kräftig nach: Sie übersteigt ihr bisheriges Rekordhoch von 50 Euro deutlich. Gegen 10 Uhr notiert sie mit einem Aufschlag von 4,2 Prozent bei 51,30 Euro.

Der Grund: Neue klinische Daten zum Medikament Erbitux des Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzerns Merck stützen nach Unternehmensangaben einen möglicherweise früheren Einsatz des Mittels bei fortgeschrittenem Darmkrebs. Dazu spricht das starke Wachstum bei Flachbildschirmen, für die Merck Flüssigkristalle herstellt, für den Titel. Denn in diesem Segment ist das Unternehmen mit Abstand Weltmarktführer. Vor diesem Hintergrund ist die recht ambitionierte Bewertung zu verkraften.

Mediziner: Signifikante Befunde zu Erbitux

In einer klinischen Studie der Phase II an der Uniklinik in Barcelona sei die Wirksamkeit und Sicherheit von Erbitux in Kombination mit einer Standard-Chemotherapie zur Erstbehandlung bei metastasierendem Darmkrebs untersucht worden, teilte Merck am Sonntag mit. Dabei hätten von 42 Patienten zwei eine vollständige Rückbildung des Tumors gezeigt und 32 Patienten eine Teilrückbildung. Bei sieben Patienten habe sich der Krankheitszustand stabilisiert. „Bei unseren Studiendaten handelt es sich um signifikante Befunde", kommentierte Studienleiter Josep Tabernero. Diese zeigten die Möglichkeit eines früheren Einsatzes von Erbitux in Kombination mit Standardtherapie zur Erstbehandlung auf.

In einer zweiten Darmkrebs-Studie der Phase II sei das Mittel hinsichtlich Verträglichkeit und Wirksamkeit in Kombination mit einer anderen Standard-Chemotherapie zur Erstbehandlung in einem Krankenhaus im französischen Boulogne untersucht worden. Von 40 Patienten hätten hier allerdings nur 17 eine teilweise Rückbildung des Tumors gezeigt und 18 eine Stabilisierung der Krankheit, teilte Merck mit. Fünf Patienten mit zuvor nicht operablen Lebermetastasen hätten nach teilweiser Tumorrückbildung operiert werden können. Am Samstag hatte Merck erstmals Daten zu Überlebensraten bei Erbitux bei der Behandlung von fortgeschrittenem Kopf- und Halskrebs vorstellt. Danach erhöht sich die mittlere Überlebenszeit bei Patienten, die zusätzlich zu Bestrahlung noch Erbitux erhielten.

Enormes Wachstum bei Flüssigkristallen

Merck hält bei dem Krebsmittel in seinem Vermarktungsgebiet derzeit jährliche Spitzenumsätze am oberen Rand einer Spanne von 250 bis 500 Millionen Euro für möglich. Dieses Jahr rechnen die Darmstädter nach früheren Angaben mit Erbitux-Umsätzen von etwa 40 bis 50 Millionen Euro. Die Darmstädter hatten die Vermarktungsrechte für Erbitux außerhalb Amerikas und Kanadas 1998 in Lizenz vom amerikanischen Unternehmen ImClone gekauft. In Japan besitzen beide Unternehmen das Ko-Exklusivitätsrecht zur Vermarktung von Erbitux.

Beim Flüssigkristall-Markt rechnet Merck mit einem Wachstum von jeweils 50 Prozent bis 2008, wie das Unternehmen jüngst mitgeteilt hat. Im ersten Quartal hatte Merck mit diesem Produkt den Umsatz gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum um 61 Prozent auf 136 Millionen Euro gesteigert.

Aktie mit gesteigerter Dynamik

Die Aktie hatte von dieser am 29. April veröffentlichten Nachricht aber zuerst nicht profitieren können. Vielmehr bewegte sie sich bis 31. Mai seitswärts, um aber danach eine gesteigerte Dynamik zu zeigen. Am Montag hat sie ohne Schwierigkeiten das vom November 2000 datierende und im Februar 2001 getestete Rekordhoch überflügelt. Charttechnisch spricht also nichts gegen einen weiteren Anstieg. Angesichts der guten Nachrichten scheint das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 22,5 zwar recht ambitioniert. Merck ist damit aber nur etwas höher bewertet ist als andere deutsche Pharma- und Spezialchemiewerte wie Altana (19,3), Bayer (22,5) und Schering (20,7). Somit und vor dem Hintergrund der guten Nachrichten scheint die Bewertung verkraftbar. Zumal Merck schon in den vergangenen Monaten höher bewertet war als Konkurrenztitel und dies die Aktie nicht vom Aufstieg abgehalten hat. Absicherungsstrategien dürften trotzdem nicht schaden.

Der Chart zeigt den Kursverlauf der Aktie von Merck in den vergangenen Jahren.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @thwi
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