Vorbörslich verbucht die Aktie von Merck recht deutliche Gewinne. Sie notiert dort mit 43,13 Euro und damit in etwa auf dem Niveau des Schlußkurses vom Montag. Am Dienstag war sie indes mit einem Abschlag von 1,65 Prozent bei 42,40 Euro aus dem Handel gegangen. Falls Anleger auf schwache Zahlen zum dritten Quartal gewettet haben sollten und einen ebensolchen Ausblick, haben sie schief gelegen.
Denn der Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzernhat im dritten Quartal unter anderem dank seines florierenden Flüssigkristall-Geschäfts operativ deutlich mehr verdient als vor Jahresfrist. Mit seinen Zahlen übertraf Merck die Schätzungen der Analysten.
Dies war auch schon mit Blick auf das zweite Quartal der Fall gewesen, ohne daß diese gute Nachricht der Aktie geholfen hätte. Vielmehr leidet das Papier unter nachgebenden Preisen für Flachbildschirme, für die Flüssigkristalle unabdingbar sind, sowie nachteiligen Analystenkommentaren. Und in dieser Woche meldete sich Merrill Lynch mit der Einschätzung zu Wort, die Merck-Aktie sei im Vergleich zum Pharma-Sektor hoch bewertet. Deshalb rät die Bank zum Verkauf. Angesichts dessen erscheint fraglich, ob die sehr guten Daten dem Titel helfen können, sich gegen den seit Juni aufgebauten kurzfristigen Abwärtstrend zu stemmen.
Periodenergebnis erheblich über den Analystenschätzungen
Der operative Gewinn ist binnen Jahresfrist um 42,2 Prozent auf 214 Millionen Euro gestiegen,wie Merck mitteilte. Analysten hatten nach einer Umfrage von Reuters im Schnitt mit einem operativen Ergebnis von 175,3 Millionen Euro gerechnet. Das Ergebnis je Aktie belief sich unter dem Strich auf 61 Cent, während der Markt lediglich 51 Cent erwartet hatte. Der Konzernumsatz erhöhte sich im Zeitraum Juli bis September auf 1,35 Milliarden Euro, ein Plus von 7,2 Prozent. Die Konsensprognose lag bei 1,34 Milliarden Euro.
Merck rechnet im laufenden Jahr mit einem höheren Umsatz für das Mittel „Erbitux“ als prognostiziert. Nachdem in den ersten drei Quartalen bereits ein kumulierter Umsatz von 41 Millionen Euro erzielt worden sei, werde die für 2004 gegebene Prognose von 40 Millionen bis 50 Millionen Euro Umsatz übererfüllt, teilte der Pharmakonzern am Mittwoch bei Vorlage der Quartalszahlen mit. Im dritten Quartal erlöste Merck mit dem Krebsmittel 25 Millionen Euro. Ergebnisbeiträge erhält der Konzern auch von der Vergabe einer Lizenz an Eli Lilly.
Ausblickend hieß es, Merck erwarte für das Gesamtjahr 2004 ein Umsatzwachstum „im soldiden einstelligen Bereich“. Das operative Ergebnis solle im hohen prozentual einstelligen Bereich zulegen. Nach Steuern soll der Gewinn um mehr als 150 Prozent ansteigen.
Analyst: Gewinnschätzungen müssen angehoben werden
Ein von Dow Jones-vwd befragter Analysten hat die Geschäftszahlen von Merck gelobt. Ein Einmaleffekt aus der Auslizensierung des Mittels gegen Schlaflosigkeit werde im kommenden Quartal das Ergebnis positiv beeinflussen, so der Analyst in einer ersten Einschätzung. Dies werde dazu führen, daß die Gewinnschätzungen angehoben werden müßten, meint der Analyst, dessen Namen nicht genannt wird.
Dessen ungeachtet sind Zweifel erlaubt, ob die Aktie die Wende schaffen kann. Derzeit notiert sie gut 17 Prozent entfernt vom Jahreshoch und bewegt sich abwärts am unteren Ende ihrer seit April geltenden Handelsspanne. Auf dem weiteren Weg nach unten könnte die von einer Unterstützungsmarke gestoppt werden, die bei gut 42 Euro steht und von einem Zwischentief aus dem August herrührt. Der nächste mögliche Haltepunkt wäre aus charttechnischer Sicht erst bei 40 Euro, einem Zwischnetief aus dem April.
Die Bewertung dürfte dem Titel wenig helfen, um wieder auf die Füße zu kommen. Mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 17,6 und 15,9 für dieses und das nächste Jahr ist die Aktie bestensfals neutral bewertet - und dabei teurer als etwa das Papier der ebenfalls Pharma und Spezialchemie abdeckenden Altana (jeweils 15,8). Angesichts dessen drängt sich die Merck-Aktie nicht auf, zumal sie schlechter läuft als der MDax, in dem sie notiert.