27.07.2004 · Merck hat dank hoher Verkaufsgewinne den Gewinn klar gesteigert und daraufhin seine Prognose für 2004 angehoben. Die Aktie läßt aber neuerdings Dynamik vermissen und muß um den seit Juli 2003 geltenden Aufwärtstrend ringen.
Vorbörslich steht die Aktie des Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzerns Merck bei Lang & Schwarz so gut da wie kein anderer Titel im MDax. Um 1,14 Prozent höher als beim Schlußkurs am Montag wird das Papier gehandelt. Das entspricht einer Notiz von 45,70 Euro. Der Grund: Merck hat im zweiten Quartal dank hoher Veräußerungsgewinne aus dem Verkauf seiner Laborsparte VWR seinen Gewinn deutlich gesteigert und daraufhin seine Geschäftsprognose für 2004 dangehoben. Obwohl der Konzern Sonderbelastungen im vierten Quartal für möglich hält.
Nicht ganz so glänzend steht die Aktie da. Zwar hatte diese Anfang Juni ein Rekordhoch erreicht und seine Rolle als einer der am besten laufenden MDax-Titel bestätigt. Doch die Herrlichkeit dauerte nicht lange. Seit dem 21. Juni geht es mit dem Titel abwärts. Gut 13 Prozent hat er binnen Monatsfrist verloren, während der Mittelwerte-Index lediglich drei Prozent abgegeben hat. Infolge dessen muß die Aktie mit dem seit einem Jahr geltenden Aufwärtstrend ringen, wobei der langfristige positive Trend ungefährdet ist.
Ebit und Umsatz besser als erwartet
Nach Steuern sprang der Gewinn auf 364,4 Millionen Euro von zuvor 83,7 Millionen Euro ein Jahr zuvor nach oben, das Ergebnis je Aktie von 47 Cent auf 1,91 Euro; prognostiziert worden waren 1,88 Euro je Anteilsschein. Damit lag Merck beim Halbjahresgewinn praktisch auf Höhe der Analystenerwartungen von 365 Millionen Euro. Der Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) war mit 513,3 Millionen Euro besser als erwartet (499 Millionen Euro. Gleiches galt für den Umsatz. Merck erlöst 1,364 Milliarden Euro, Analysten hatte 1,32 Milliarden Euro erwartet.
Das operative Ergebnis ohne VWR legte vor allem dank eines florierenden Geschäfts mit Flüssigkristallen um 2,1 Prozent auf 176,6 Millionen Euro zu. Merck erwarte nun für 2004 ein Gewinnplus nach Steuern von mindestens 150 Prozent, statt wie bislang von 50 bis 100 Prozent. Das operative Ergebnis solle prozentual einstellig wachsen. Für die zweite Jahreshälfte geht Merck von einem einstelligen Umsatzplus im Konzern aus.
Bei Flüssigkristallen im Aufwind - Druck auf Pharmasparte
Merck verbuchte im zweiten Quartal Veräußerungsgewinne von 293 Millionen Euro aus dem Verkauf von VWR und von 47 Millionen Euro aus dem Verkauf der Beteiligung am Gemeinschaftsunternehmen Biomer. Merck hatte im Februar angekündigt, seine Laborversorgersparte VWR International für umgerechnet gut 1,3 Milliarden Euro an die Investmentgesellschaft Clayton, Dubilier & Rice (CD&R) zu verkaufen, wie Reuters anmerkt.
Mit der Veräußerung hatte sich Merck von rund einem Drittel seines Konzernumsatzes getrennt und konzentriert sich nun stärker auf seine Kerngeschäfte Pharma und Spezialchemie. Im Pharmageschäft sank das operative Ergebnis im zweiten Jahresviertel um 41 Prozent auf 64 Millionen Euro. In seiner Pharmasparte kämpft Deutschlands ältester Pharmakonzern unter anderem mit Nachahmer-Konkurrenz für seinen ehemaligen Hauptumsatzträger, das Diabetes-Mittel Glucophage. In der Chemiesparte nahm dagegen der operative Gewinn vor allem dank der weiterhin starken Nachfrage nach Flüssigkristallen um 60 Prozent auf 124 Millionen Euro zu. Merck ist Weltmarktführer bei Flüssigkristallen, die etwa in TV-Flachbildschirmen oder etwa in Handy-Displays zum Einsatz kommen.
Kritische Blicke auf zwei Hoffnungsträger von Merck
Dieser Hoffnungsträger ist jedoch in jüngster Zeit ein Anlaß gewesen, sich kritisch mit den Aussichten der Merck-Aktie auseinanderzusetzen. Denn Branchenriesen wie Samsung und Analysten erwarten eher fallende Preise für Flachbildschirme. Und dies dürfte, wenn es so kommt, auch am Flüssigkristall-Produzenten Merck und dessen Margen nicht spurlos vorübergehen. Zudem sind in jüngster Zeit einige Zweifel am Nutze eines zweiten Merck-Hoffnungsträgers, dem Krebsmittel Erbitux, geäußert worden; auch sie haben die Aktie belastet. Beides mag, gemeinsam mit der schwachen Verfassung des Umfelds, erklären, warum der Titel in jüngster Zeit so deutlich hinter den MDax zurückgefallen ist, dem er zuvor so klar enteilt war.
Im Zuge dessen hat sich das charttechnische Bild des Titels verschlechtert. Zwar bewegt er sich weit oberhalb der 200-Tage-Linie, die bei etwa 39 Euro verläuft. Doch hat die mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 18,6 knap neutral bewertete Aktie einen kurzfristigen Abwärtstrend ausgebildet und muß nun darum kämpfen, den seit einem Jahr geltenden Aufwärtstrend zu bewahren. Dafür muß sie sich oberhalb von etwa 45,60 Euro etablieren und wieder steigen. Technische Kaufsignale würde sie indes erst bei einem Sprung über das Jahreshoch bei 52,19 Euro senden. Kurzfristig dürfte die neue Prognose der Aktie helfen, doch um mittelfristig die Anleger zu erfreuen, wird Merck die Bedenken zu der Preisentwicklung bei Flüssigkristallen und zu Erbitux zerstreuen müssen - und weiter gute Ergebnisse liefern.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |