Überraschend schöne Nachrichten für die Aktionäre von Novartis: Der Konzern hat sich im ersten Vierteljahr 2003 deutlich besser als erwartet geschlagen. Er hat Umsatz und Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) merklich gesteigert, und dabei ist das Ergebnis im Vergleich zum Umsatz stärker gestiegen.
Zudem hat der Vorstand seinen zuletzt vagen Ausblick konkretisiert und äußert sich optimistisch. Der Aktie tun diese Nachrichten gut. Sie klettert an der Frankfurter Börse um 0,84 Prozent auf 35,90 Euro.
Vier von fünf Sparten mit höherem Ergebnis
Die Zahlen im einzelnen: Der Umsatz des Schweizer Pharmakonzerns kletterte auf 5,72 nach 4,74 Milliarden Dollar. Dies bedeutet ein sattes Plus von 20,6 Prozent. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern verbesserte sich von 1,09 auf 1,35 Milliarden Dollar - ein Aufschlag von 23,8 Prozent. Das Nettoergebnis gab dagegen ganz leicht von 1,064 auf 1,063 Milliarden Dollar nach. Allerdings wäre es ohne den Anteil von Novartis am Roche-Verlust um 27 Prozent geklettert; Novartis hält 6,2 Prozent der Aktien von Roche.
In vier der fünf Sparten des Unternehmens ist der Vorsteuergewinn meist deutlich gestiegen: bei Pharma von 861 Millionen auf 1,1 Milliarden Dollar (plus 27,7 Prozent), bei den Generika von 55 auf 12 Millionen Dollar (plus 103 Prozent), bei den freiverkäuflichen Arzneimiteln von 22 auf 52 Millionen Dollar (plus 136 Prozent) und bei der medizinischen Ernährung von 6,0 auf 22 Millionen Dollar (plus 366 Prozent); lediglich in der Sparte Kind & Baby ging die Kennziffer von 59 auf 45 Millionen Dollar zurück.
Analysten mit Zahlen sehr zufrieden
Analysten zeigen sich hocherfreut über diese Zahlen. Birgit Kuhlhiff von Sal.Oppenheim meint, Novartis habe beim Nettoergebnis die Erwartungen übertroffen. Vor allem die Margen im Pharmageschäft seien besser als prognoszitiert. Die Ebit-Marge, also das Verhältnis von Ebit zum Umsatz, sei von 22,9 auf 23,6 Prozent geklettert.
Claudio Werder vom Bankhaus Sarasin zeigte sich besonders über das Wachstum bei den Generika überrascht. Novartis habe in dieser Sparte um 36 Prozent zugelegt - und zwar ohne Berücksichtigung des Beitrags des im vergangenen Jahr zugekauften kroatischen Unternehmens Lek. Das prognostozierte Umsatzwachstum von zehn Prozent in der jeweiligen Landeswährung sei „eine sehr gute Rate“.
Wachstum bei Blutdruckmittel „Wahnsinn“
Diese Meinung teilt Analystin Denise Gugerli von der Bank Vontobel. Die vorgelegten Zahlen lägen über ihren Schätzungen, sagte sie. Vor allem habe sie - wie andere Analysten - den Umsatzbeitrag von Lek, der mehr als 700 Millionen Euro betragen habe, deutlich zu niedrig angesetzt. Das Umsatzwachstum von 58 Prozent beim Bluthochdruckmittel Diovan nannte sie „Wahnsinn“. Dass das Finanzergebnis angesichts der Verfassung der Aktienmärkte schwächer ausfallen würde als 2002, sei absehbar gewesen. Die erreichten 180 Millionen Dollar seien vor diesem Hintergrund sehr gut.
Wie gut das Wachstum bei Umsatz und Gewinn auf Konzernebene sei, mache der Vergleich mit dem ersten Quartal vergangenen Jahres deutlich, das das stärkste Vierteljahr 2002 gewesen sie. „Das sie das schlagen konnten, das ist stark“, äußerte sich die Analystin beeindruckt.
Aktie im Aufwärtstrend
Doch bei Novartis sind nicht nur Zahlen und Ausblick positiv. Auch charttechnisch sieht es gut aus. Die Aktie hat ihren Abwärtstrend überwunden und orientiert sich nach oben. Wenn sie eine Widerstandszone bei 37/38 Euro überwinden kann, sind weitere Kursgewinne wahrscheinlich. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 17,7 ist sie sicher kein Schnäppchen gemessen am Gesamtmarkt. Der Titel liegt im Branchenvergleich aber eher im Mittelfeld. Er ist höher bewertet als andere Pharmawerte wie Aventis (13,5) oder Altana (17), wohingegen Bayer (17,9) und AstraZeneca (22,4) teurer sind als Novartis.
Dabei sind die über 2003 weisenden Perspektiven viel versprechend: 2004 will Novartis neue Medikamente gegen Asthma und Schmerzen auf den Markt bringen, die Umsatz und Gewinn weiter treiben dürften. Vor diesem Hintergrund macht sich das Papier interessant.