26.04.2005 · Weil der Arzneimittel- und Spezialchemiehersteller Merck mit seinen Zahlen zum ersten Quartal und seinem Ausblick enttäuscht hat, wird seine Aktie verprügelt. Analysten senken reihenweise den Daumen.
Erst zu Wochenbeginn hat sich die Aktie des Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzerns Merck an seinem neuen Rekordhoch versucht. Er stieg im Tagesverlauf bis auf 63 Euro, um bei 62,50 Euro und mithin 15 Cent unter seinem im April markierten Rekordwert zu schließen. Die Notiz setzte ihren Höhenflug fort, der zu einem Dreimonatsplus von mehr als 22 Prozent geführt hat. Doch am Dienstag hat die Merck-Aktie einen erheblichen Dämpfer erhalten: Mit einem Minus von 7,5 Prozent auf 57,814 Euro ist sie der schlechteste Wert im MDax, dem sie zuletzt deutlich vorausgelaufen war.
Der Grund: Merck hat im Auftaktquartal dank starker Geschäfte mit Flüssigkristallen und seinem neuen Krebsmedikament Erbitux den operativen Gewinn zwar kräftig gesteigert. Der Zuwachs lag allerdings etwas unter den durchschnittlichen Schätzungen der Analysten. Und besonders die schmaler werdende Gewinnspanne im Flüssigkristall-Geschäft hat die Marktteilnehmer enttäuscht. Vor diesem Hintergrund haben Analysten reihenweise den Daumen gesenkt, jene von Independent Research waren die Ausnahme.
Da der Gewinn nicht so stark wie erwartet gewachsen ist, könnte die ambitionierte Bewertung der Aktie wieder mehr ins Auge fallen und neben der nachlassenden Dynamik bei Flüssigkristallen belasten. Aus charttechnischer Sicht besteht indes kein Grund zur Sorge: Der Aufwärtstrend ist ungefährdet
Periodenergebnis einen Tick unter den Prognosen
Der operative Gewinn nahm binnen Jahresfrist um 17 Prozent auf 198,1 Millionen Euro zu. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt allerdings 207 Millionen Euro erwartet. Der Konzernumsatz erhöhte sich im ersten Quartal um 7,6 Prozent auf 1,381 Milliarden Euro. Merck erwirtschaftete im Auftaktquartal einen Gewinn nach Fremdanteilen von 119,6 Millionen Euro, ein Plus von 20,9 Prozent. Analysten hatten im Schnitt mit 120 Millionen Euro gerechnet.
In der Chemiesparte erzielten die Darmstädter in ihrem florierenden Flüssigkristall-Geschäft einen Umsatz von 146 Millionen Euro, was einer Steigerung von 7,5 Prozent entspricht. Merck ist Weltmarktführer bei Flüssigkristallen, die unter anderem in Flachbildschirmen und Handy-Displays zum Einsatz kommen. Im vergangenen Jahr erzielte Merck eine Umsatzrendite von mehr als 51 Prozent in diesem Geschäft.
In der Pharmasparte ist Erbitux, das zur Behandlung von fortgeschrittenem Darmkrebs auf dem Markt ist, derzeit der größte Hoffnungsträger des Konzerns. Mit dem Medikament erwirtschaftete Merck Erlöse von 42 Millionen Euro im Quartal, ein Zuwachs von 17 Prozent zum Schlußquartal 2004. Der Konzern teilte außerdem mit, daß im zweiten Quartal dieses Jahres die Ergebnisse voraussichtlich stark von den Erlösen aus dem Verkauf der Sparte Electronic Chemicals profitieren würden. Merck erwartet für das Gesamtjahr 2005 im Konzern ein Umsatzwachstum im einstelligen Prozentbereich. „Dies gilt unter dem Vorbehalt, daß ungünstige Währungseffekte sich nicht vergrößern,“ ergänzte Scheuble.
Zuwächse bei Krebsmittel und Flüssigkristallen „ein wenig schwach“
Der Umsatz und der Gewinn je Aktie von Merck im ersten Quartal hat die Erwartungen von Jeffries International erfüllt. Der operative Gewinn sei aber leicht hinter den Prognosen zurückgeblieben, hieß es bei dem Analysehaus. Die Entwicklungen bei „Erbitux“ und in der Sparte Flüssigkristalle seien „ein wenig“ schwach. Das Geschäft mit „Erbitux“ dürfte sich weiter leicht abkühlen, wie die Analysten zu Dow Jones-vwd sagten. Jeffries bestätigte daher die Einstufung „underperform“.
Die Analysten von BNP Paribas erwarten kurzfristig keine wichtigen neuen klinischen Ergebnisse und warten stattdessen auf die Umsetzung einiger Akquisitionsziele von Merck und bestätigen die Einstufung „underperform“. Helaba Trust votiert mit „verkaufen“. Die Chemiesparte habe wegen der abflauenden Nachfrage die Gewinnspanne nicht halten können, die im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresquartal von 55,5 auf 46,8 Prozent gesunken sei.
Die Stimmung um die Merck-Aktie war bisher zu optimistisch, wie M.M. Warburg folgerte. Der Zahlen bestätigten die Einschätzung der Bank, daß der Titel bei einem hohen Aufschlag zum restlichen Pharmasektor inzwischen überbewertet sei. Dies sei nicht gerechtfertigt vor dem Hintergrund der großen Abhängigkeit vom Flüssigkristallgeschäft. M.M.Warburg hat Merck auf „Sell“ gestuft und ein Kursziel von 51 Euro gesteckt.
Aktie nicht nur im Branchenvergleich hoch bewertet
Vor diesem Hintergrund sind trotz des schon starken Tagesverlustes weitere Gewinnmitnahmen bei der Merck-Aktie nicht auszuschließen. Gemessen an der Bewertung ist die Aktie nicht sonderlich anziehend. Mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 21 für dieses Jahr und 17,1 für 2006 ist sie höher bewertet als etwa Altana (16,2/14,8). Und der MDax (14,4)/12,5) ist deutlich günstiger. Zudem dürfte die bei 1,6 Prozent liegende Dividendenrendite den Kurs kaum stützen.
Aus charttechnischer Sicht ist der Titel bei etwa 54 Euro gut unterstützt; an dieser Marke drehte er zuletzt nach oben. Ein schlechtes Signal wäre ein Fall unter die Linie des seit März 2003 aufgebauten Aufwärtstrends, die aktuell bei etwa 52,50 Euro verläuft. Solch ein Ereignis dürften technisch orientierte Anleger als Verkaufssignal interpretieren.
Längerfristig orientierte mögen sich daran erinnern, daß die Merck-Aktie schon im vergangenen Jahr unter der Sorge vor sinkenden Margen im Flüssigkristall-Geschäft gelitten hat. Die kursbelastenden Folgen waren aber nicht wirklich nachhaltig. Die Aktie brauchte zwar mehr als ein halbes Jahr, um den Spitzenwert vom Juni zu übertreffen, doch als sie im Februar schaffte, startete sie durch. Ob sich diese Geschichte wiederholen wird, steht auf einem anderen Blatt. Wer darauf nicht wetten will, nimmt besser Gewinne mit.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |