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Pensionsrückstellungen Dax-Konzerne in der Rentenfalle

 ·  Die Pensionszusagen werden für deutsche Firmen zum Problem: Sie belasten die Bilanz. Darunter leiden auch die Aktionäre.

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Börsianer mögen es gerne spektakulär: heftige Abstürze und plötzliche Kurszuwächse, Rekordgewinne und Riesenverluste - es sind die großen Dramen, die den Puls der Aktionäre in die Höhe treiben. Schnöden Bilanzkennziffern dagegen ist das normalerweise nicht zuzutrauen: Haben die endlosen Zahlenkolonnen in den Geschäftsberichten auf den ersten Blick doch gerade nichts Spektakuläres, sondern wirken vor allem dröge.

Aber gerade dort, in den Bilanzen der Dax-Konzerne, hat Vermögensverwalter Bert Flossbach eine Kennziffer entdeckt, die in Zukunft die Pulsfrequenz so manches Aktionärs in die Höhe treiben dürfte. Weil sie die Kriterien deutlich verändert, nach denen Börsianer ihre Aktien auswählen sollten.

Anleger müssen bei Aktienwahl Pensionsverpflichtungen einbeziehen

Bislang lief dies in aller Regel so ab: Auf der Suche nach vielversprechenden Papieren nehmen Anleger Umsatz und Gewinn einer Firma in den Blick, wägen die Chancen des Geschäftsmodells ab und machen sich ein Bild vom Preis der Aktie - dies allein aber reicht nach Auffassung Flossbachs längst nicht mehr. „Bei der Auswahl müssen Anleger die Pensionsverpflichtungen eines Unternehmens viel stärker berücksichtigen.“

Der Grund für diese Neuorientierung: Die Kosten für die Betriebsrenten ihrer Mitarbeiter werden für so manchen Dax-Konzern zur richtig schweren Last. Nach Schätzungen der Unternehmensberatung Mercer sind die Verpflichtungen im vergangenen Jahr auf 310 Milliarden Euro angewachsen - im Vergleich zu 2011 ein drastischer Anstieg um rund 22 Prozent. Dabei mussten sich die Firmen jahrzehntelang keine großen Gedanken um das Thema machen: Um die Zusagen einzuhalten, reichte es nämlich, die Gelder vor allem in Staatspapieren wie beispielsweise in Bundesanleihen anzulegen - denn die galten nicht nur als absolut ausfallsicher, sondern warfen auch auskömmliche Renditen ab.

Finanzierungslücke wird größer

Das funktioniert heute nicht mehr. Schließlich halten die Notenbanken in aller Welt die Leitzinsen derzeit auf äußerst niedrigem Niveau - ein Zustand, an dem sich aus Sicht der meisten Experten auf längere Zeit nichts ändern wird. Sichere Anleihen bringen darum kaum noch Ertrag ein, bei Bundesanleihen dürfte dieser weiter klar unter einem Wert von 2 Prozent verharren. Die Folge: Auf Dauer haben die Firmen Probleme, ihre Pensionsverpflichtungen zu erfüllen - besonders die Unternehmen, die ihren Mitarbeitern in früheren Jahren üppige Zinszusagen von 5 Prozent und mehr gemacht haben.

Zwar ist dies ein schleichender Prozess: Aber die Aktionäre kommt er schon jetzt teuer zu stehen. Denn jährlich müssen die Firmen anhand des aktuellen Zinsniveaus feststellen, was sie ihre Pensionszusagen in Zukunft kosten werden. Das Verfahren ist etwas für Bilanzexperten, die Folgen aber sind klar: Je niedriger das Zinsniveau, umso größer wird die Finanzierungslücke - und umso größer werden die Verpflichtungen, die auf die Unternehmen zukommen. Zwar bilden sie Rückstellungen, um die Lücke auszugleichen. Dann aber müssen die Firmen die Gelder direkt aus ihrem Gewinn an die Ruheständler zahlen. Und das hat sofortige Auswirkungen auf den Geschäftserfolg: Denn so sind die Mittel gebunden und lassen sich weder für neue Investitionen einsetzen noch in Dividendenzahlungen ummünzen. Schlecht für die Aktionäre.

Pensionsproblem trifft traditionelle Industriekonzerne mit älteren Mitarbeitern

Beispiel Thyssen-Krupp: Gemessen am Börsenwert, beträgt die Finanzierungslücke des Stahlkonzerns gewaltige 73 Prozent. Darum finden sich Rückstellungen in Höhe von 7,7 Milliarden Euro in der Bilanz - in Verbindung mit dem aktuellen Vorstandschaos ein Desaster für Aktionäre. Ähnlich verheerend sieht es bei der Fluglinie Lufthansa aus: Zwar hat sich die Aktie in den vergangenen Monaten wieder erholt. Aber auch hier stellen die Pensionskosten eine enorme Belastung für die Bilanz dar: Die ungedeckten Verpflichtungen machen rund 70 Prozent des Börsenwertes aus - ein Kauf ist die Aktie darum nicht.

Natürlich trifft das Pensionsproblem vor allem eine Art von Firmen: Traditionelle Industriekonzerne mit vielen älteren Mitarbeitern und Rentnern. Die Softwarefirma SAP beispielsweise ist darum außen vor. Aber längst nicht jeder Traditionskonzern geht mit den Lasten so schlecht um wie Thyssen-Krupp: Bei der Pharmafirma Bayer macht die Finanzierungslücke nur rund zwölf Prozent des Börsenwertes aus - in Kombination mit ihrem stabilen Geschäftsmodell ein Segen für Aktionäre.

Beim nach Börsenwert größten Dax-Konzern sieht das anders aus: Volkswagen steht zwar mit Blick auf die meisten Kennziffern glänzend dar. Die Pensionslücke liegt aber bei mehr als 20 Prozent - und ist mit einem Betrag von 16,6 Milliarden Euro so hoch wie bei kaum einem anderen Dax-Konzern.

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