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Pariser Aktienmarkt Kraftlos wie die Politik

Am Pariser Aktienmarkt lastet die trübe Stimmung in Frankreich auf den Dividendenpapieren der Konzerne. Etliche Analysten bleiben dennoch verhalten optimistisch.

© AFP Vergrößern Trüb: Sommer 2013 in Paris

Die Geschichte war zu schön, um wahr zu sein: ein steigender Aktienmarkt trotz Rezession. Dieses Szenario hatte sich Mitte April am französischen Aktienmarkt zunehmend gezeigt. Bis Ende Mai gewann der Aktienkorb der vierzig größten Unternehmen Frankreichs mehr als 10 Prozent und überschritt dabei die Grenze von 4.000 Punkten. Das war ihm zuletzt vor zwei Jahren gelungen.

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Doch die Freude sollte nicht lange dauern: Als ob dem Cac 40 aufgrund des fulminanten Gewinns die Puste ausging, hat der Index sein Niveau seither ungefähr genauso schnell verloren, wie er es zuvor gewonnen hatte. Zu Wochenbeginn fiel er unter die Marke von 3.600 Punkten - der Index lag damit so tief wie vor zwei Monaten und niedriger als zum Jahresstart 2013. Am Dienstag erholte sich das Börsenbarometer zwar wieder etwas, weil die Zentralbanken von China, den Vereinigten Staaten und Großbritannien beruhigende Signale versandten. Doch von einer durchgreifenden Erholung kann keine Rede sein.

Börsen gelten eigentlich als Wegweiser für die Zukunft, weil sie vorwegnehmen, was erst das nächste Jahr bringt. Doch allein schon in Frankreich ist nach Ansicht der meisten Ökonomen auch im Jahr 2014 noch keine wirtschaftliche Erholung zu erwarten, die das Herz richtig höher schlagen lassen würde.

Frankreich hinkt hinterher

So rechnet die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) für Frankreich nach einer Rezession um 0,3 Prozent im laufenden Jahr mit plus 0,8 Prozent für das Jahr 2014. Für alle 34 OECD-Mitgliedsländer, die man lange Zeit gerne als „Industrieländer“ bezeichnete, sieht die Organisation dagegen in diesem Jahr ein Wachstum von 1,2 Prozent und im kommenden Jahr kräftige 2,3 Prozent. Damit wird klar: Frankreich hinkt hinterher.

Die meisten Unternehmen des Cac 40 haben sich aufgrund ihrer globalen Ausrichtung zwar von ihrem Heimatmarkt weitgehend unabhängig gemacht, doch zumindest der Euroraum bleibt ein großer Brocken auf ihrer Landkarte. Aber auch da wachsen die Bäume nicht in den Himmel: In diesem Jahr werde das gemeinsame Bruttoinlandsprodukt der Euroländer um 0,6 Prozent schrumpfen, vermutet die OECD, um im kommenden Jahr dann um 1,1 Prozent zuzulegen.

Infografik / Cac-40-Index

In Frankreich ist die Stimmung so trüb wie der Sommer, der ins Wasser zu fallen scheint. Doch nicht die meteorologischen Einflüsse sind dafür ausschlaggebend, sondern das Gefühl, dass sich die um Haushaltsanierung bemühten Euroländer gegenseitig nach unten ziehen. In Frankreich verschlimmert die kraftlose Politik von Präsident François Hollande die Lage.

Nachdem er seine Wahlversprechen an die Linkswähler vom vergangenen Jahr weitgehend abgearbeitet hat, ist seine anschließende Wende zu einem stärker unternehmerfreundlichen Kurs auf halbem Wege steckengeblieben. Weil er es scheinbar immer allen recht machen will, nimmt er sich viel Zeit für Konsultationen, die Frankreich aber nicht hat. Hollandes Popularität ist zuletzt wieder so gesunken wie die Aktienkurse - doch anders als die Börse hat er ein Zwischenhoch nie erlebt.

Auch die Staatsanleihen bieten jetzt weniger Trost. Weil die amerikanische Zentralbank ihren Ausstieg aus der Staatsfinanzierung der Vereinigten Staaten angekündigt hat, sind in ganz Europa die Kurse gefallen. Die zehnjährige Anleihe Frankreichs stieg daher seit Anfang Mai von 1,7 auf mehr als 2,4 Prozent. Das entspricht einer Normalisierung, ist aber auch eine Mahnung, dass niemand dauerhaft von sehr niedrigen Finanzierungskosten ausgehen darf.

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Etliche Analysten bleiben für den Aktienmarkt dennoch verhalten optimistisch. Nach einer Umfrage von Reuters unter rund fünfzig Marktauguren dürfte der Cac 40 bis zum Jahresende auf 4.025 Punkte klettern. Die Umfrage erfolgte zwar, bevor Fed-Präsident Ben Bernanke den Ausstieg aus den Anleihekäufen bekanntgab; allerdings war diese Kehrtwende auch erwartet worden.

Die Anleger an den Terminmärkten bleiben dagegen vorsichtiger, nicht zuletzt wegen der Unsicherheit auf dem chinesischen Bankenmarkt: Aus den Kursen für Terminkontrakte ist für den Cac 40 ein Niveau von 3.863 Punkten für das Jahresende abzulesen. Für das Jahresende 2014 sehen die befragten Analysten einen Stand von 4.200 Punkten.

„In den nächsten sechs bis zwölf Monate werden die Märkte von zwei Kräften beeinflusst: die Erwartungen zur Politik der Zentralbanken sowie die Verbesserung der ökonomischen und unternehmerischen Fundamentaldaten“, sagt Patrick Moonen, Stratege bei ING IM. Bleibt die Frage, welche Kräfte stärker sind. Moonen tippt auf die wirtschaftliche Erholung.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 25.06.2013, 19:39 Uhr


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