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Osteuropa Hoffen auf den Wachstumsmotor

Die Region Osteuropa wird mittlerweile wieder positiver eingeschätzt und bleibt weiterhin ein Zielgebiet für viele Marktexperten.

© dpa Vergrößern Die Region Osteuropa wird mittlerweile wieder positiver eingeschätzt.

Osteuropa ist für Investoren noch immer ein Zielgebiet. Zwar ist die Goldgräberstimmung in den ehemaligen kommunistischen Ländern vorüber. Doch ist die Region auch fast ein Vierteljahrhundert nach dem Zusammenbruch der Diktaturen nach wie vor vom Wohlstandsniveau Westeuropas weit entfernt. Der Nachholbedarf fördert das Wirtschaftswachstum, wenngleich seit 2008 der einstige Glanz getrübt ist. Zunächst haben sogar namhafte Ökonomen pauschal von einem unbeherrschbaren Risiko gesprochen, das auch das stark mit diesen Ländern vernetzte Österreich in die Zahlungsunfähigkeit mitreißen würde.

Positiver eingeschätzt

Michaela Seiser Folgen:  

Inzwischen beurteilen offenbar auch Kritiker die Märkte etwas anders. „Osteuropa wird von außen zunehmend differenzierter und positiver eingeschätzt“, sagt Friedrich Mostböck, Chefanalyst der Erste Group, die in der Region ein wichtiger Mitspieler ist. Mittlerweile sei klargeworden, dass Osteuropa zwar in geographischer Hinsicht ein Verbund ist, dass es sich dabei jedoch in wirtschaftlicher Hinsicht um denkbar unterschiedliche Märkte handelt. In der Region sind auf der einen Seite Länder wie Polen zu finden, das nach 2008 in keine Rezession geschlittert ist, und auf der anderen Seite beispielsweise Ungarn, das infolge politischer Umstände vom Vorreiter zum Nachzügler zurückgefallen ist.

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Insgesamt spüren die Volkswirtschaften die globalen Verwerfungen seit dem Zusammenbruch des Investmenthauses Lehman. Dadurch sind Wachstumsraten von 7 bis 10 Prozent vorläufig nicht mehr erreichbar. Jetzt gebe es ein moderates Wachstum von 1,5 bis 2 Prozent. „Damit schlägt Osteuropa aber noch immer den Euroraum deutlich.“ Die Krise bewirkte daher für Mostböck auch einen heilsamen Schock: „Wenn es mit dem rasanten Wachstum vor 2008 so weitergegangen wäre, hätten wir mit Sicherheit eine ungesunde Blasenbildung erlebt.“

Geringere Staatsverschuldung

Positiv in Osteuropa sei jedenfalls die im Vergleich zu Westeuropa geringere Staatsverschuldung. Mit Ausnahme Kroatiens und Ungarns lägen die osteuropäischen Märkte unter der Maastricht-Grenze von 60 Prozent. Selbst Ungarn, wo der Schuldenberg beinahe vier Fünftel des Bruttoinlandsprodukts ausmacht, schneidet aber diesbezüglich besser als die Euromitglieder ab. Bemerkenswert ist auch, dass die Staatsschuldenpapiere vor allem von den betreffenden Ländern selbst gehalten werden. Das macht sie weniger verwundbar.

Nach wie vor besteht ein großer Aufholbedarf gegenüber den gesättigten Märkten Westeuropas. Das äußert sich im Einkommensgefälle. Am weitesten haben sich Slowenien und die Tschechische Republik entwickelt. Dort beträgt das reale Bruttoinlandsprodukt je Kopf mehr als vier Fünftel des EU-Durchschnitts. Andere etablierte Märkte wie Polen und Ungarn erreichen zwei Drittel. In Albanien und der Ukraine hingegen ist es gerade ein Viertel.

Großer Nachholbedarf bei Konsumenten

Die Bürger haben weiterhin einen großen Nachholbedarf bei Gütern und Dienstleistungen. Das zeigt beispielsweise die Verbreitung von Versicherungen, ausgedrückt als Anteil der Prämien am Bruttoinlandsprodukt (BIP): Während in Österreich 5,5 Prozent des BIP für Versicherungen ausgegeben werden, sind es in der Tschechischen Republik und Polen weniger als 4 Prozent, in Ungarn weniger als 3 und in Rumänien und Serbien weniger als 2 Prozent.

Wenngleich viele osteuropäische Länder bei ihrem Beitritt zur EU erklärt haben, Euromitglieder werden zu wollen, wird das noch dauern. Derzeit ist dies nur bei Slowenien und der Slowakei der Fall. „Eine eigene Währungspolitik betreiben zu können, erweist sich gegenwärtig als Segen“, sagt Mostböck. Auf diese Weise können Staaten wirtschaftlich unabhängiger agieren. Ein Beispiel dafür sei Polen, das mit eigener Währung und flexiblen Wechselkursen während der Krise in Bezug auf Exporte und Wettbewerb profitierte.

Zwar sei die Region ein Lehrbeispiel für wirtschaftliche Konvergenz, sagt Mostböck. Doch müsse die Region nach dem klassischen, auf Imitation beruhenden Aufholprozess nun den Schritt zu einem wissensbasierten System mit Innovation, weiter höherer Wertschöpfung und stärkerer Exportdiversifizierung vollziehen, weil die externen Kapitalquellen seit 2009 nicht mehr so sprudelten. „Selbst langfristig wird das Potentialwachstum vor allem durch Produktivitätszuwächse getrieben, da nur wenige Länder wie die Türkei mit einer positiven demographischen Dynamik rechnen können. „Kostenvorteile allein reichen nicht aus, wenn Länder sich der technischen Grenze nähern.“ Die osteuropäischen Länder müssten durch eigene Anstrengungen die Produktivität von Kapital und Arbeit erhöhen. Dafür seien aber Investitionen in Bildung und Forschung und Entwicklung wesentlich. Führend seien diesbezüglich die Tschechische Republik, die Slowakei und Polen, während Ungarn gegenüber dieser Ländergruppe zurückbleibe.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 01.03.2013, 16:27 Uhr

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