03.06.2002 · Schnell reich mit Optionsscheinen? Klingt zu gut, um wahr zu sein. Anleger sollten sich erst einmal mit dem Markt beschäftigen.
Schnell reich mit Optionsscheinen - wer hat sie noch nicht gelesen, die vielversprechenden Slogans in Büchern und der Werbung von Banken. Oft trügt bei solchen Versprechungen der Schein. Vielleicht auch bei Optionsscheinen? Auf jeden Fall ist das Grund genug, sich einmal mit diesem Marktsegment zu befassen.
Was sind denn eigentlich Optionsscheine? Sie sind nichts anderes ein kleiner Ausschnitt aus der „Optionswelt“, nämlich verbriefte Optionen in Wertpapierform. Oft werden sie auch Warrants genannt. In der Regel von Banken herausgegeben, bieten sie dem Käufer eine Wahlmöglichkeit für eine bestimmte Zeit. Er hat das Recht, eine Sache oder ein Finanzinstrument - seien es Aktien, Devisen, Anleihen, Indizes, Waren, Rohstoffe oder andere - an einem Termin in der Zukunft zu einem vorab vereinbarten Preis zu erwerben oder zu verkaufen.
Wahlrecht gegen Zahlung einer Prämie
Das Recht - nicht die Pflicht, das ist das Angenehme. Aber natürlich gibt es dieses Recht nicht umsonst, sondern hat seinen Preis: die Optionsprämie. Die kann man sich vorstellen wie eine Versicherungsprämie für eine Versicherung gegen fallende Kurse oder gegen entgangene Gewinne bei steigenden Kursen.
Optionen gibt es in verschiedenen Formen. Im „Großkundengeschäft“, auch OTC-Markt genannt, werden die Details eines Kontraktes frei und individuell zwischen den beteiligten Parteien ausgehandelt. Jeder Kontrakt sieht anders aus. Dagegen sind sie an den verschiedenen Terminbörsen, beispielsweise der Eurex, katalogmäßig standardisiert. Der Anleger kann aus diesem Katalog gewissermaßen auswählen und sich für eines der Angebote entscheiden.
Optionsscheine sind „Unikate“
Dann gibt es die dritte Variante, das sind die Optionsscheine oder Warrants. Für sie legt der Emittent - in der Regel ist das eine Bank - die genaue Ausgestaltung bei der Emission fest. Also die Laufzeit, das Basisinstrument und die verschiedenen Modalitäten beim Umgang mit dem Instrument. Ein Optionsschein ist also gewissermaßen ein Unikat, das sich wie Aktien und Anleihen anhand einer zugeordneten Wertpapierkenn-Nummer (WKN) identifizieren lässt.
Die WKN 562.467 beispielsweise ist eine Kaufoption auf den Dax, mit einem Ausübungspreis von 4.800 Punkten, die am 23.06.2003 verfällt. Sie wurde von der Deutschen Bank herausgegeben und gibt dem Käufer ein Recht zur Auszahlung der Differenz zwischen dem Dax im Juni 2003 und den 4.800 Punkten. Liegt der Dax zu diesem Zeitpunkt darüber, wird er die Auszahlung verlangen. Liegt er darunter, wird der darauf verzichten. Denn sonst müsste er der Bank Geld überweisen - und das wird er nicht tun, da er nicht dazu verpflichtet ist.
Auf den Börsenhandel kann man sich nicht verlassen
Dieser Optionsschein ist an der Börse in Stuttgart und in Frankfurt zum Börsenhandel zugelassen. Interessierte Anleger können ihn also im Prinzip ordern wie alle anderen Wertpapiere auch. Aber eben nur im Prinzip. Denn wirft man einen Blick auf das Handelsvolumen, so gibt es an der Börse in diesem Papier an vielen Tagen überhaupt keinen Umsatz. Ein interessierter Käufer hat also kaum eine Chance, einen Verkäufer zu finden - und umgekehrt. Und das trifft für viele Optionsscheine zu. Denn der Optionsscheinmarkt ist unheimlich zersplittert und unübersichtlich. Viele Banken bringen jährlich hunderte von Optionsscheinen auf den Markt, die vieles sind, nur nicht vergleichbar. Der Markt ist folglich ziemlich intransparent.
Damit der Kunde trotzdem jederzeit handeln kann, „stellt“ die Deutsche Bank, wie viele andere Emmissionsbanken auch, als so genannter „Market-Maker“ für ihre Produkte ständig aktuelle Kurse, auf die der Kunde oder ein Makler eingehen kann. Er kann also dafür sorgen, dass sein Auftrag direkt an die Deutsche Bank geleitet und dort sofort ausgeführt wird. Das Problem dabei: Er handelt immer auf die Kurse der Deutschen Bank. Ein echter Markt findet also nicht statt, die Preisgestaltung hängt allein vom guten Willen der Deutschen Bank - oder anderer Market Maker - ab. Ratsam dürfte sein, Aufträge dieser Art nur an Häuser mit gutem Ruf zu geben. Beispielsweise an die Deutsche Bank.
Aktuelle Kurse sind das „A“ und „O“
Die Emissionshäuser bieten aktuelle Kurse für ihre Produkte in der Regel im Internet, Teletext oder auch per Telefon an. Kurslisten lassen sich zwar auch in Zeitungen und Zeitschriften verfolgen, aber erstens sind die in der Regel nicht vollständig, zweitens sind sie sicher veraltet. Denn kaum etwas bewegt sich an den Finanzmärkten schneller, als die Preise von Optionen. Wer heute auf Preise von gestern handeln will, hat keine Chance - oder er wird gnadenlos über den Tisch gezogen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |