Noch lässt dieser Sprung nach oben aber auf sich warten. Denn aktuell notiert der ATX erst bei 2.685 Punkten, während das Jahreshoch im April bei 2.795 Punkten markiert wurde. Viel fehlt bis dahin aber nicht mehr und im Vergleich mit anderen europäischen Börsen kann sich das bisher vom österreichischen Leitindex verbuchte Jahresplus von 7,6 Prozent durchaus sehen lassen.
Noch besser fällt die Bilanz gemessen an dem im Juli markierten Zwischentief von 2.224 Punkten aus. Verglichen damit steht inzwischen ein Plus von fast 21 Prozent zu Buche. Damit befindet sich der Markt laut Definition (Kursgewinne von mehr als 20 Prozent) wieder in einem Bullenmarkt.
Bewertung liegt unter dem historischen Durchschnitt
Charttechnisch gesehen sieht es somit relativ viel versprechend aus. Wobei sich die Lage bei einem erfolgreichen Sprung auf neue Jahreshoch aber natürlich noch vorteilhafter gestalten würde, weil damit dann ein prozyklisches Kaufsignale verbunden wäre.
Die markttechnischen Indikatoren gestalten sich laut Christoph Schultes, zuständig für die Charttechnik bei der Erste Bank, aber auch aktuell schon positiv. Der MACD steht demnach auf Kaufen, das Momentum gewinnt weiterhin an Fahrt, DMI sowie OBV bestätigen den positiven Trend und der RSI befindet sich zwar nach wie vor im überkauften Bereich, sollte diesen aber bei moderater Aufwärtsbewegung verlassen können.
Schultes rechnet deshalb mit weiterhin steigenden Kursen, wobei er diese auch fundamental gestützt sieht. Gemäß seinem Kollegen Günther Artner liegt das Markt-KGV für 2011 noch immer deutlich unter 10. „Das ist weit entfernt von früheren Höchstständen und auch vom historischen Schnitt von rund 12,5. Wir bleiben damit klar weiter optimistisch, kurzfristige Konsolidierungen vorbehalten.“
Auch die Analysten der Raiffeisenbank gehen von einer kräftigen Kurserholung an der Wiener Börse aus. Allerdings soll sich dieser Aufschwung nach ihrer Ansicht erst im ersten Halbjahr 2011 einstellen. Für das vierte Quartal 2010 sagen sie erst noch eine Schwächephase voraus. Die Zuversicht basiert auch hier primär auf den günstigen Gewinnaussichten. Den hausinternen Schätzungen zufolge werden den Unternehmen 2010 Ergebniszuwächse von 30 Prozent und 2011 von 25 Prozent zugetraut.
Konjunktur auf dem Weg der Besserung
Abgerundet wird das Bild von einer sich bessernden konjunkturellen Situation. „Die österreichische Wirtschaft kann nach unserer Einschätzung länger, als wir bisher angenommen haben, ein hohes Erholungstempo halten. Dafür sorgt eine vorerst kaum nachlassende Exportdynamik, die wir vor allem der europäischen Konjunkturlokomotive Deutschland zu verdanken haben“, ist Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl vorsichtig optimistisch gestimmt.
Angesichts der ungebrochenen Stärke der Auslandsnachfrage hat man hausintern die Wachstumserwartung für das Gesamtjahr 2010 auf 1,9 Prozent angehoben. 2011 soll es dann nach den bisherigen Prognosen ein Plus von 1,7 Prozent werden.
Vor diesem konjunkturellen Hintergrund rät Artner auf Branchenebene vor allem zu zyklischen Titeln und zu Finanzwerten. Defensive Werte seien dagegen aktuell nicht stark nachgefragt. Als Top Picks stellt die Erste Bank OMV und Raiffeisen Bank International heraus. Zusätzlich gefällt den Analysten dort RHI, Sparkassen Immo, Voestalpine, Immofinanz, AT&S, Austriamicrosystems und VIG. Auch die Unicredit findet Voestalpine interessant, ansonst setzt man dort aber auf Erste Bank, Immofinanz, Österreichische Post und Strabag SE.