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Ölindustrie Chinas Ölaktien heizen ein

29.06.2005 ·  Wer immer den Begriff „schwarzes Gold“ für Erdöl geprägt hat, wußte kaum wie recht er hat. Zu den aggressivsten Schürfern gehören chinesische Unternehmen.

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Öl, Öl und immer wieder Öl. Was Autos und Flugzeuge antreibt, gibt auch derzeit den Aktien Volldampf. Vermögensverwalter vertreten die Ansicht, daß Ölaktien im Portefeuille ein absolutes Muß in diesem Quartal sind - sonst wird man schlechter als der Markt abschneiden.

Ganz vorne dabei auf der verzweifelten Suche nach Öl sind chinesische Unternehmen. Denn das Reich der Mitte ist zu einem Ölfaß ohne Boden geworden, um das hohe Wachstum aufrecht zu erhalten, das die Führung benötigt, um neue Arbeitsplätze zu schaffen und den Kollaps der Immobilienpreise und Banken zu verhindern und ihre Macht zu sichern.

Ölversorgung sichern

Und der steigende Ölpreis verschlingt genauso maßlos Devisen, an denen in China ein latenter Mangel herrscht. Das benötigte Öl kann China aber nicht auf eigenem Territorium erschließen. Die eigenen Ölquellen liegen weit entfernt von den Industriezentren, was ihre Erschließung immer noch unwirtschaftlich macht. Außerdem ist Exploration ein zeitaufwendiges Geschäft. Bis aus Probebohrungen wirklich Öl fließt, können mitunter Jahre vergehen.

Also muß es schneller gehen. Zu diesem Zweck hat der chinesische Staat seine Ölindustrie zunächst einmal restrukturiert, um sie schlagkräftiger zu machen.

110 Raffinerien wurden geschlossen, Dutzende auf die beiden Staatskonzerne CNPC und Sinopec verschmolzen. Durch die Herauslösung der Tochter Petrochina aus der weiterhin staatlichen CNPC im Jahr 2000 wurden mit CNOOC schließlich vier Ölunternehmen daraus, die ihre Aktivitäten aufgeteilt haben.

Gigant PetroChina

PetroChinas Aktivitäten erstrecken sich über die ganze Pallette der Öl- und Gasförderung und -verarbeitung. Das Unternehmen ist mittlerweile größer als die Mutter CNPC.

Im vergangenen Jahr blieb die geförderte Ölmenge gegenüber dem Vorjahr bei 778,4 Millionen Barrel nahezu konstant, wogegen die Gasföderung um 22 Prozent auf 22,7 Milliarden Kubikmeter zulegte. Der Umsatz stieg um 28 Prozent auf rund 39 Millionen Euro, der Gewinn um fast die Hälfte auf 10,3 Milliarden Euro. Jüngere Finanzdaten gibt es nicht. Indes fielen die Förderdaten im ersten Quartal nicht schlecht aus. Die geförderte Ölmenge stieg um 3,6 Prozent, die Gasmenge um 20 Prozent. Damit gilt PetroChina jetzt als profitabelstes Unternehmen in Asien.

Laut eigener Darstellung verfügte das Unternehmen zum 31. Dezember 2004 über nachgewiesene Reserven von fast elf Milliarden Barrel Öl und 1,2 Billionen Kubikmeter Gas. An liquiden Mitteln wies die Bilanz zuletzt umgerechnet 1,1 Milliarden Euro an liquiden MItteln aus.

Attraktive Wachstumsstory

Derzeit wird die internationale Expansion vorangetrieben. So kam man mit der Mutter CNPC überein, 50 Prozent der internationalen Tochter Newco für rund zwei Milliarden Euro zu übernehmen.

Die Wachstumsstory kommt bei Analysten und Anlegern weltweit gut an. Der Kurs der Petrochina-Aktie kletterte am Dienstag in Hongkong auf ein Allzeithoch von 5,85 Hongkong-Dollar. Seit Anfang Mai hat die Aktie rund 25 Prozent gewonnen. und sich seit dem Börsengang im April vervierfacht. Der größte Ölkonzern Chinas ist damit mit fast 110 Milliarden Euro bewertet und auf diese Weise zu einem der größten Unternehmen der Welt und dem größten in Asien, noch vor Toyota Motor aufgestiegen. Außerdem ist PetroChina der fünfgrößte Ölkonzern weltweit.

Dabei ist die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 8,8 für 2005 und 9,8 für 2006 auch noch durchaus vernünftig bewertet und liegt obendrein in einem zweijährigen Aufwärtstrend.

Brisante Übernahme-Eisen

Neben Petrochina macht CNOOC derzeit von sich reden. Der bislang vorrangig für die Seeaktivitäten zuständige Konzern hat ein Übernahmeangbot für den neuntgrößten amerikanischen Ölkonzern Unocal vorgelegt. Diese Akquisition will sich CNOOC 18,5 Milliarden Dollar in bar kosten lassen.

Dieses Ansinnen hat für viel Furore gesorgt. So soll CNOOC zur Finanzierung der Transaktion von der staatlichen Muttergesellschaft China National Offshore Oil einen Kredit in Höhe von sieben Milliarden Dollar bekommen, der weit unter dem Marktsatz verzinst ist. Sie wird außerdem einen zinslosen Überbrückungskredit über 2,5 Mrd. Dollar bereitstellen.

Amerikanische Parlamentarier forderten daraufhin eine Prüfung, ob der Übernahmeversuch Auswirkungen auf die nationale Sicherheit haben könnte. So solle auch geprüft werden ob "die Investments von CNOOC den Marktkonditionen entsprechen und frei von Subventionen sind."

Amerikanische Schützenhilfe

CNOOC würde durch die Übernahme die Auslandsproduktion verdoppeln. Das ist ein politisch heißes Eisen an. Zum einen geht es um die Kontrolle über den wichtigsten Rohstoff und damit die Grundlagen der Weltwirtschaft. Zum anderen können chinesische Staatskonzerne zu Bedingungen arbeiten, bei denen andere Wettbewerber nicht mithalten können - wie sich an den Kreditsubventionen, aber auch in den Arbeitsbedingungen zeigt. Je mehr China seine Grenzen bei der Ölgewinnung überschreitet, um so unvermeidbarer wird es in Konflikt mit den Energiestrategien anderer Länder geraten, warnt Standard&Poor's.

Knapp eine Milliarde Dollar investierten chinesische Ölfirmen in den vergangenen zwölf Monaten in Rußland, etwa 1,5 Milliarden Dollar in Gas- und Ölfelder in Asien. Hinzu kommen milliardenschwere Verhandlungen über Zukäufe bis hin nach Afrika. CNOOC hat sich an der kanadischen MEG Industreis beteiligt.

Auch wenn die chinesische Regierung das Übernahmeangebot von CNOOC als "reine Geschäftstransaktion" betrachtet, um ihrer wirtschaftlichen Ziele willen, ist sie nicht zimperlich.

Und amerikanische Investmentbanken helfen mit. So wollen Goldman Sachs und JPMorgan Chase die Offerte mit einem Kredit von drei Milliarden Dollar unterstützen. Westliche, auch amerikanische Investmentbanken gehören auch zu den Fans der CNOOC-Aktie. Lehman Brothers raten zum Übergewichten, die Schweizer UBS um Kauf.

Latentes Investitionsrisiko China

Im vergangenen Jahr stieg der Gewinn von CNOOC um 40 Prozent auf einen Rekord von umgerechnet 1,62 Milliarden Euro. Das Unternehmen förderte mit 116,9 Millionen Barrel 4,5 Prozent mehr Öl und mit 3,6 Milliarden Kubikmetern 25,5 Prozent mehr Gas als im Vorjahr.

MIt einem KGV von 8,9 für 2005 und 9,3 für 2006 ist auch CNOOC noch immer vernünftig bewertet - obwohl sich auch diese Aktie in einem zweijährigen Aufwärtstrend befindet. Steigende Ölpreise und starke Expansionsbestrebungen machen es eben möglich.

Weniger begehrt ist dagegen die Aktie des dritten Unternehmens, Sinopec. Das Papier läuft nun seit über einem Jahr an der New Yorker Börse seitwärts und ist in Hongkong auf Talfahrt.

Die stagnierende Ölproduktion in beiden großen Unternehmen zeigt, wie dringend China neue Ölquellen erschließen muß. Kein Wunder, wenn chinesische Ölfirmen bei jedem Übernahmepoker als Interessenten gehandelt werden (Übernahmeangebot läßt Aktie von Petrokazakhstan steigen
). Der Hunger der chinesischen Wirtschaft nach Öl sollte den Expansionsbestrebungen auch weiter Antrieb verleihen. Doch muß bei einem Investment in chinesische Aktien stets beachtet werden, daß hier immer noch der Staat und damit die Politik auf die Geschicke der Unternehmen Einfluß nimmt - gleichwohl, wie sehr es offizelle Stellen zu dementieren versuchen. Der leichte Zugang zu billigen Krediten kann auch Ineffizienzen verschleiern, die in einer kreativen Buchführung nicht zum Tragen kommen. Dieses Risikos muß sich der Anleger bewußt sein und ihm bei der Investition Rechnung tragen - zum Beispiel durch Absicherung seiner Investitionen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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