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Öl Dauerdruck: Yukos-Aktie rutscht auf Mehrjahrestief

07.05.2004 ·  Mit einem Verlust von fast acht Prozent verabschiedete sich die Yukos-Aktie aus der laufenden Woche und markierte ein Mehrjahrestief. Der Titel steht im Bann politisch-juristischen Drucks und blickt in den Abgrund.

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Innerhalb eines Monats hat die Yukos-Aktie fast 40 Prozent ihres Wertes eingebüßt. Zum Wochenschluß verliert das Papier des angeschlagenen russischen Ölgiganten, dem ehedem der seit Monaten inhaftierte Michail Chodorchowkij vorstand, zeitweise allein 8,4 Prozent auf 30,50 Euro. An der Moskauer Heimatbörse war Yukos am Freitag mit einem Minus von 7,8 Prozent der schwächste Wert und zog andere Aktie mit sich. Seit dem Fünfjahreshoch vom Oktober 2003 hat der Kurs fast halbiert und rangierte im Frankfurter Parkett-Handel bei auffallend hohen Umsätzen zwischenzeitlich auf einem Mehrjahrestief - während andere Öl-Aktien wie BP und OAO Lukoil vom hohen Ölpreis profitieren. Der Anlaß: Der Steuerprozeß um Milliardenforderungen an den Ölkonzern hat am Freitag mit einer Vorverhandlung vor dem Moskauer Schiedsgericht begonnen.

Die russische Steuerbehörde fordert vom Konzern für 2000 Steuernachzahlungen in Höhe von umgerechnet 3,5 Milliarden Euro, wie die Agentur Interfax meldete. Nach kurzer Sitzung unter Ausschluß der Öffentlichkeit wurde die Verhandlung auf den 14. Mai vertagt. Weder die Kläger noch die Verteidigung nahmen öffentlich Stellung, wie die Deutsche Presse-Agentur meldet.

„Gerade erst begonnen, Yukos anzuklagen“

Die Justiz wirft dem nach Kapitalisierung größten Ölunternehmen Rußlands vor, die Steuern unter Ausnutzung von Schlupflöchern in der Gesetzgebung hinterzogen zu haben. Yukos weist alle Vorwürfe zurück. Die Verfahren zur Steuerminimierung seien damals legal gewesen. Der Staat betreibt außerdem Strafverfahren gegen mehrere Top-Manager des Konzerns wegen Steuerhinterziehung und Betrugs. Der frühere Yukos- Chef Michail Chodorkowski, dem liberale politische Ambitionen nachgesagt werden, sitzt seit dem 25. Oktober vergangenen Jahres in Untersuchungshaft.

Die Vorverhandlung reiht sich ein in eine Kette von Vorfällen, die Yukos erheblich belasten. Und auf Ruhe dürfen der Konzern und seine Anteilseigner nicht hoffen: Der russische Finanzminister Alexej Kudrin erklärte am Mittwoch gegenüber der Zeitung Kommersant, die Regierung habe „gerade erst begonnen“, Yukos anzuklagen. Am Donnerstag durchsuchte die Staatsanwaltschaft die Büros von Yukos und befragte einige Führungskräfte des Unternehmens.

„Unnachgiebige Position der Regierung gegenüber Yukos“

„Es sieht so aus, als ob Yukos gezwungen würde, die Steuern nachzuzahlen“, sagte Iwan Masalow, Fondsmanager bei Prosperity Capital in Moskau zu Bloomberg News. „Kudrins Äußerung hat deutlich gemacht, daß die Regierung Yukos gegenüber eine unnachgiebige Position einnimmt, und das Gericht dürfte dieser Linie folgen.“

Im April hatte ein Moskauer Gericht Yukos den Verkauf von Aktiva untersagt, um sicherzustellen, daß Yukos seine Steuerschulden bezahlen kann. Dies war ein „Schock“ für Yukos, wie dessen amerikanischer Finanzchef Bruce Misamore bekannte. Denn die Entscheidung verhindert nicht nur die geplante Rückabwicklung der gescheiterten Fusion mit dem Konzern Sibneft, in die Yukos mehrere Milliarden Dollar investiert hatte. Die Ratingagentur Standard & Poor's hat daraufhin die Bonität von Yukos fünf Stufen auf „CCC“ heruntergesetzt. S&P befürchtet, daß der Ölkonzern zahlungsunfähig wird. Der Ölkonzern sieht sich nach Meinung mancher Marktbeobachter nun gar von Bankrott bedroht, viele halten eine Nationalisierung oder Aufteilung des Konzerns für wahrscheinlich, wie die F.A.Z. berichtete.

Yukos-Fall strahlt auf Anlageregion Rußland aus

Die Vorgänge um den Konzern haben eine Bedeutung, die weit über die Zukunft von Yukos hinausgeht: „Die Yukos-Aktie hatte den Durchbruch gebracht, der Rußland auf den Radarschirm vieler konservativer Portfolioinvestoren in aller Welt gebracht hat, und wenn das Unternehmen in die Insolvenz getrieben wird, werden sie verschreckt", sagte Ian Hague, Fondsmanager bei Firebird Management LLC in New York zu Bloomberg. „Diese Affäre läßt Rußland in den Augen der Investoren wie ein Land der Dritten Welt erscheinen.“

Die Frage, wie es dem Konzern operativ geht, ist völlig in den Hintergrund getreten angesichts des politisch-juristischen Drucks auf Yukos. Im Zuge der monatelangen Unsicherheit ist der Kurs aus dem seit gut fünf Jahren aufgebauten Aufwärtstrend gerutscht. Gemessen am Kurs von 31,50 Euro gegen 17.20 Uhr scheint es dem Titel zwar zu gelingen, die nach unten bei 30,13 Euro begrenzte Unterstützung nicht zu durchbrechen. Doch dies hellt das charttechnische Bild nur unwesentlich auf. Angesichts des aktuellen Trends und der Unsicherheit um die Zukunft des Konzerns ist das bis auf weiteres kein Papier für Investoren, die halbwegs ruhig schlafen und Geld verdienen wollen.

Der Chart zeigt die Kursentwicklung der Yukos-Aktie in den vergangenen Jahren.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @thwi mit Bloomberg
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