Sprechen wir im Vorfeld so vieler Wahlen über Dinge, die uns keine Wahl mehr lassen. Seit es sich herumgesprochen hat, dass fossile Energieträger nicht unendlich verfügbar und ihre Nebenprodukte ebenso wie die Kernenergie problematisch sind und dass es zwar Wind immer geben wird, aber der nicht immer weht, seither scheint die Sonne unter den bekannten Energieträgern unumgänglich geworden zu sein. Der Hype um die Solaraktien in den vergangenen Jahren erklärt sich da von allein.
Der Öko-Dax der Deutschen Börse ist mittlerweile ein fast reiner Solaraktienindex und damit ein gutes Barometer für die Branche geworden. Die leidet - genauso wie die Besitzer der Aktien dieser Unternehmen. Kursverluste von in der Spitze 80 Prozent lassen keinen anderen Schluss zu. Besonders unangenehm dürfte sein, dass der Öko-Dax zwar die Erholung der Weltmärkte seit Mitte Märze mitgemacht hat und der Freudensprung mit einer annähernden Kursverdopplung auch beachtlich war. Doch seither geht nichts mehr, und seither ist ihm auch sein großer Bruder, der Dax, voraus.
Besser und leichter erträglich wäre es allemal
Kurz- und mittelfristig dürfte sich daran nicht viel ändern. Vieles im abgebildeten Chart des Öko-Dax deutet darauf hin, dass in den kommenden Monaten, gemessen an den Entwicklungen der vergangenen beiden Jahre - fast -, nichts geschehen wird. Der Spielraum nach oben scheint mit rund 330 Punkten ebenso wie der nach unten mit rund 215 Punkten vergleichsweise gering zu sein. Doch - das ist die entscheidende Botschaft - die Wahrscheinlichkeit dafür, dass die Solarbranche, gemessen an den Kursen ihrer Aktien, das Tal der Tränen durchschritten hat, wird täglich größer.
Solaraktien befinden sich auch analytisch wieder in einem neuen, möglicherweise langfristigen Aufwärtstrend. Der sollte den Öko-Dax in den nächsten zwei Jahren wieder auf Niveaus im Bereich des starken Widerstands bei 465 Punkten zurückführen und damit die seit dem Hoch im Sommer 2007 angefallenen Kursverluste annähernd halbieren. Mit Sicherheit werden auch dort nicht alle Wunden verheilt sein. Aber erstens ist analytisch momentan nicht mehr drin, und zweitens: besser und leichter erträglich als das aktuelle Niveau wäre es allemal.
Erleichterung nicht nur hörbar, sondern auch greifbar
Der Dax hat sich für seine jüngste Konsolidierung weit weniger Zeit genommen als anfangs veranschlagt, hat aber genau damit ein mächtiges Ausrufezeichen gesetzt. Die Art und Weise, wie er sich in der zu Ende gehenden Woche konsequent und ohne Federlesens über die Konsolidierungszone zwischen 5160 und 5460 Punkten hinweggesetzt hat, nötigt allen analytischen Respekt ab. Auch wenn sich das Gefühl gegen diese Feststellung noch zur Wehr setzen will: Nüchtern betrachtet, befindet sich der Dax für einen technischen Analysten derzeit fast in der besten aller Welten. An der Struktur des per definitionem langfristigen aktuellen Aufwärtstrends gibt es nichts auszusetzen. Echte Warnsignale für eine Wende sind absolute Mangelware. Und wenn schon einmal Vorboten für eine länger anhaltende Konsolidierung heraufziehen, dann scheint sich der Dax darin zu gefallen, sie wie zuletzt auf geradezu aufreizende Weise zu ignorieren.
Von überragender analytischer Bedeutung ist jedoch vor allem, dass sich der Anstieg mit mäßiger Begeisterung vollzieht. Jubelarien sind kaum zu vernehmen, jeder freundliche Tag wird mehrheitlich von den Kommentatoren mit einem süßsauren „Ja, aber . . .“ begrüßt. Nicht wenige Investoren scheinen die steigenden Kurse mittlerweile mehr als Bedrohung denn als Befreiung zu empfinden, und genau diese Situation schlägt sich auch in den Stimmungsindikatoren nieder. Sie sind dort, wo sie in einem gesunden Aufwärtstrend immer sind: auf einem neutralen bis wenig zuversichtlichen Niveau. In einer solchen Gemengelage wird jeder Anstieg zum Ausstieg genutzt. Und wenn die Kurse doch einmal nachgeben, dann ist die Erleichterung wenigstens mancherorts nicht nur hörbar, sondern regelrecht auch greifbar.
September 2009 ist nicht gleich September 2008
Rein technisch betrachtet und ohne - wie immer - hier auch nur einen Gedanken an die gegenwärtigen fundamentalen Rahmenbedingungen zu verschwenden, befindet sich der Dax also wirklich in einem charttechnisch guten Zustand. Das schließt Konsolidierungen nicht aus. Gerade jetzt könnte wieder eine anstehen. Sie werden aber bis auf weiteres Intermezzi bleiben und sich nicht zu einer Trendwende auswachsen können. Nur dann, wenn der Dax unter den langfristigen Aufwärtstrend zurückfallen sollte, nur dann könnte es wieder richtig kritisch werden. Dieser Trend wird zu September-Beginn bei etwa 5020 Dax-Punkten notieren, und deshalb notiert auch das von 4970 Punkten angehobene analytische Stoploss ab sofort auf diesem Niveau.
Nach der Vorrede dürfte sich die Überraschung darüber, dass es bei dem bekannten Zielbereich von 5750 bis 6100 Punkten bleibt, überschaubar halten. Kurse über 6000 Punkte waren noch vor wenigen Wochen an der Schwelle zum vorangegangenen Tausenderschritt eine kühne Prognose. Heute ist die Wahrscheinlichkeit, dass der deutsche Leitindex diesem Niveau zumindest ziemlich nahe kommen wird, nahezu maximal. Auch deshalb wird der September 2009 sich höchstwahrscheinlich nicht an seinem Vorgänger, dem September 2008, orientieren.
Was ist mit der Effizienz
Sven Brand (Brandysven)
- 28.08.2009, 09:29 Uhr