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Northern Rock Lange Schlangen, abstürzende Kurse

 ·  Die Krise des britischen Baufinanzierers Northern Rock hat sich am Montag fortgesetzt. Vor den Filialen bildeten sich lange Menschenschlangen, an der Börse brach der Kurs abermals ein. Seit Freitag wurden knapp drei Milliarden Euro an Einlagen aus der Bank abgezogen.

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Die Kunden des angeschlagenen britischen Baufinanzierers Northern Rock fürchten weiter um ihre Ersparnisse. Am Montag stürmten abermals panische Menschen an die Schalter des Geldinstituts, um ihr Geld in Sicherheit zu bringen. Am Freitag hatte die britische Zentralbank Northern Rock aus Zahlungsschwierigkeiten befreien müssen, die in Zusammenhang mit der Krise auf dem amerikanischen Immobilienmarkt stehen.

Trotz beruhigender Appelle und der Zusicherung der Finanzaufsicht, der Baufinanzierer sei solvent, sollen Kunden nach unbestätigten Berichten bislang etwa zwei Milliarden Pfund (rund 2,8 Milliarden Euro) am Schalter oder per Online-Banking abgehoben haben.

Übernahme von Northern Rock erwartet

Der Aktienkurs des Unternehmens brach am Montag weiter ein. Zur Mittagszeit notierte die Aktie mehr als 33 Prozent schwächer bei 292,50 Pence. Seit Bekanntwerden der Liquiditätsprobleme hat Northern Rock mehr als die Hälfte seines Börsenwertes eingebüßt. Die Marktkapitalisierung fiel von 2,69 Milliarden Pfund bei Handelsschluss am Donnerstag auf zuletzt 1,27 Milliarden Pfund.

Analysten gehen von einer baldigen Übernahme von Northern Rock durch ein anderes Bankhaus aus. Der britische Premierminister Gordon Brown betonte, die Basis der britischen Wirtschaft sei ungeachtet der Probleme bei Northern Rock solide. Auch der britische Schatzkanzler Alistair Darling sagte, die Kunden müssten sich keine Sorgen um ihr Geld machen. Am Montag kam es vor den Filialen dennoch abermals zu einem Ansturm besorgter Kunden.

„Kein Auge zugemacht“

Northern Rock, Großbritanniens fünftgrößte Hypothekenbank, ist das erste britische Institut, das von der amerikanischen Immobilienkrise ernsthaft betroffen ist. Ausgangspunkt der Probleme sind die Zahlungsschwierigkeiten verschuldeter Hauseigentümer in den Vereinigten Staaten, die angesichts steigender Zinsen ihre Hypotheken nicht mehr abzahlen konnten. In einer Art Domino-Effekt löste dieser Engpass eine weltweite Krise aus, weil die schlecht abgesicherten Kredite von Bank zu Bank weitergereicht worden waren. In Deutschland sind von der Krise die Mittelstandsbank IKB und die Sächsische Landesbank betroffen.

Northern Rock hat etwa 1,4 Millionen Kunden. Seit Freitag wurden schätzungsweise bis zu zwei Milliarden Pfund (knapp drei Milliarden Euro) abgehoben, das wären bis zu acht Prozent der Einlagen. „Ich habe Freitagnacht kein Auge zugemacht. Es ist viel Geld und ich war sehr beunruhigt, mein Mann auch“, sagte Karen Dawson, 53jährige Anwältin, die sich am Montag in die Schlange in London am Oxford Circus einreihte.

Deutsche Bankkunden relativ sicher

Die Krise In Großbritannien hat auch in Deutschland Sorgen entfacht, wie sicher die Ersparnisse im Falle einer Bankenpleite sind. Tatsächlich müssen sich die Kunden hierzulande bei einer Krise eines einzelnen Finanzinstituts in aller Regel nicht um ihre Geldanlagen sorgen. Die meisten Verbraucher sind Kunden von Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Diese Institute sind an so genannte Einlagensicherungssysteme angeschlossen, die Insolvenzen verhindern. Die Kunden werden so vor dem Verlust ihrer Einlagen geschützt.

Auch die Kunden privater Banken können fast durchgängig auf Absicherung bauen: Sollte es zu einer Pleite kommen, sind die Einlagen bei fast allen Banken über den Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) gesichert. Dieses Sicherungssystem ist ein privat organisierter, von den angeschlossenen Banken freiwillig getragener Fonds, der Einlagen einschließlich Zinsen jedes einzelnen Kunden bis zu einer Höhe von 30 Prozent des maßgeblichen haftenden Eigenkapitals der jeweiligen Bank schützt. Damit liegt laut Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) die Obergrenze selbst für Kunden kleinerer Banken im Millionenbereich.

90 Prozent der Einlagen geschützt

Bei Privatbanken, die sich nicht an dem freiwilligen System beteiligen, greift die gesetzliche Entschädigungseinrichtung. Sie garantiert dem Kunden, dass 90 Prozent seiner Einlagen geschützt sind.

Öffentliche Banken, zum Beispiel Förderbanken, gehören der Entschädigungseinrichtung des Bundesverbandes Öffentlicher Banken an. Bei den angeschlossenen Instituten sind Kundengelder den Angaben zufolge zu 100 Prozent geschützt.

Die Mehrheit der Bausparkassen gehört dem Bausparkassen-Einlagensicherungsfonds an. Dieser schützt Bauspareinlagen plus Zinsen in unbegrenzter Höhe. Einlagen bei Bausparkassen, die zu großen Privatbanken gehören, sind durch den Einlagensicherungsfonds für Bank-Bausparkassen geschützt. Hier sind laut Bafin sämtliche Guthaben einschließlich Zinsen in unbegrenzter Höhe gesichert.

Quelle: FAZ.NET mit Material von AP, dpa, und Reuters
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