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Veröffentlicht: 19.04.2017, 12:21 Uhr

Medien Rendite mit der „New York Times“

Die altehrwürdige „New York Times“ begeistert die Börse. Ausgerechnet unter Präsident Trump schlägt sich die Aktie der Zeitung hervorragend.

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© Reuters Gebäude der „New York Times“ in New York

Es gab eine Zeit, da ging es der wohl angesehensten Zeitung der Welt furchtbar schlecht. Im Jahr 2008 war das, als die „New York Times“ in den Strudel der Finanzkrise geriet. Damals brachen die Anzeigenverkäufe ein, die Zeitung – in der ganzen Welt ein Vorbild für aufrechten Journalismus – durchlebte schwierige Monate. Ein vermögender Mann half ihr in der Not mit einem Kredit aus: der mexikanische Unternehmer Carlos Slim, mit 57 Milliarden Dollar derzeit der sechstreichste Mensch der Welt.

Dennis Kremer Folgen:

Heute, fast zehn Jahre später, geht es der „New York Times“ wieder ziemlich gut. Das hat ausgerechnet mit einem Mann zu tun, der zu Mexikanern nicht das allerbeste Verhältnis hat und zur freien Presse noch weniger. Die Rede ist von Amerikas Präsident Donald Trump.

NEW YORK TIMES

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Schon im Wahlkampf hatte Trump seine Freude daran, via Twitter gegen die Zeitung und Carlos Slim zu hetzen: „Ich weiß, weshalb die „New York Times“ schlecht über mich berichtet: weil die Zeitung im Besitz von Mexiko ist.“ Dem mexikanischen Multimilliardär Slim gehören heute 17 Prozent der Anteile an der Zeitung, doch es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass er jemals versucht hätte, die Berichterstattung des Blattes zu beeinflussen.

Donald Trumps Ziel, die altehrwürdige Zeitung zu diskreditieren, ist gründlich misslungen. Seit dem 8. November 2016, dem Tag seiner Wahl, erfährt die „New York Times“ so viel Zuspruch wie noch nie. Die Zahl der Abonnenten, die wichtigste Währung im Zeitungsgeschäft, hat einen gewaltigen Sprung gemacht: In den letzten vier Monaten des Jahres 2016 stieg sie um 250000. Die deutlichsten Zuwächse ergaben sich ausgerechnet in den Wochen unmittelbar nach Donald Trumps Wahlsieg. Ein Zeichen des Misstrauens gegenüber dem neuen Präsidenten, der keine Gelegenheit auslässt, den etablierten Medienhäusern die Verbreitung von Fake News zu unterstellen.

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Wie sehr die Zeitung ausgerechnet von den Attacken ihres ärgsten Kritikers profitiert, lässt sich aber nicht nur an den zusätzlichen Abonnements ablesen, sondern auch an einer zweiten Zahl: Um rund 30 Prozent ist die Aktie der „New York Times“ seit November gestiegen. Eine Information, die abseits der Kursentwicklung selbst für Börsenkenner eine Überraschung parat hält. Denn Zeitungshäuser, die an der Börse notieren, sind ein seltenes Phänomen. Dabei ist die „New York Times“ Company, die seit 1969 in New York gelistet ist, keine ganz kleine Aktiengesellschaft. Mit einer Marktkapitalisierung von rund zwei Milliarden Dollar kommt sie an der Börse auf eine mittlere Größe.

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Dass sich die Anleger mit einem Mal für Zeitungen interessieren, hat aber nicht nur mit dem Trump-Effekt zu tun. Die „New York Times“ tut sich in einem schwierigen Markt mit einer klugen Strategie hervor. Der Crux des Zeitungsgeschäfts, dass teuer und aufwendig recherchierte Texte und Videos kostenlos auf der Internetseite zu finden sind, begegnet man in New York auf intelligente Weise: Jeder Leser kann pro Monat maximal zehn Artikel auf der Seite kostenfrei anklicken, ab dem elften Text muss er zahlen.

Dass sich die Leser im Falle der „New York Times“ häufiger darauf einlassen als bei anderen Medienhäusern, hat mit einem unschlagbaren Vorteil des Blattes zu tun. Es handelt sich neben dem „Wall Street Journal“ und der „Financial Times“ um eine der wenigen Zeitungen, die auf der ganzen Welt ihre Leser finden. Dabei hilft natürlich die Bedeutung der englischen Sprache in der Welt, aber es gibt noch einen zweiten Grund: Das Interesse an kundigen Erklärungen zur Politik der Vereinigten Staaten ist auch im Ausland groß.

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Diese enorme Nachfrage lässt sich in Zeiten der Digitalisierung so einfach bedienen wie noch nie: Anders als eine gedruckte Zeitung muss eine digitale Ausgabe schließlich nicht umständlich verschickt werden, sondern landet immer pünktlich im Postfach des Lesers. Auch das ist wohl ein Grund dafür, dass von den insgesamt drei Millionen Abonnenten bereits etwas mehr als die Hälfte ein reines Digital-Abo bezieht.

Trotzdem ist es nicht so, dass die New Yorker gegen alle Schwierigkeiten des Zeitungsgeschäfts immun wären. Auch sie mussten zuletzt Journalisten entlassen, auch sie müssen sparen. Aus Sicht der Aktionäre aber, so grausam dies auch klingen mag, ist diese Mischung aus Sparmaßnahmen und einer Konzentration aufs Digitale nicht die schlechteste.

Ziemlich teuer

Trotzdem sollten sich Anleger dennoch gut überlegen, ob sie wirklich Aktionär der „New York Times“ werden wollen. Denn zum einen ist die Eigentümerstruktur des Unternehmens kompliziert. Noch immer hält die Verlegerfamilie Ochs Sulzberger, die die Zeitung Ende des 19. Jahrhunderts kaufte, über eine rechtlich ungewöhnliche Konstruktion die Mehrheit der Stimmrechte. Zum anderen ist die „New York Times“-Aktie, wie überhaupt der gesamte amerikanische Aktienmarkt, ziemlich teuer. Wichtige Bewertungskennziffern wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis notieren auf ungewöhnlich hohem Niveau.

Es wäre darum eher eine Überraschung, wenn die Aktie den Höhenflug der vergangenen Monate einfach so fortsetzen würde. Andererseits kann man nie wissen: In ihrer 166-jährigen Geschichte war die „New York Times“ immer wieder für Überraschungen gut.

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