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New Economy : Intershop - ein verblassender Schatten der Vergangenheit

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Das waren noch Zeiten... Bild: dpa

Wieder eine Gewinn- und Umsatzwarnung bei Intershop. Wo soll da noch etwas Vertrauen herkommen?

          Es war einmal vor langer, langer Zeit - da zeigte ein junger Mann aus dem Osten Deutschlands zunächst den Wessis und dann sogar den Amerikanern, was moderne Internettechnologie ist und wie man in der New Economy innerhalb kurzer Zeit einen Softwarekonzern aus dem Boden stampft.

          Mit der Euphorie im späten Jahr 1999 hob die Aktie des Unternehmens ab wie eine Rakete und machte die Anleger und das Management zu reichen Leuten. Der Vorstand Stefan Schambach wurde von Politikern und Medien als Vorzeigeobjekt herum gereicht und gefeiert wie ein Wirtschafts-Messias.

          Aber dann kam plötzlich alles ganz anders. Wurden die ersten Anzeichen einer schwächer werdenden Wirtschaft und dramatisch einbrechender Internet-Investitionen noch verschlafen, so folgte danach Gewinnwarnung um Gewinnwarnung. Immer ein Schritt hinter der Realität. Die Aktionäre hatten dramatische Kursverluste zu beklagen, knapp 99 Prozent des Wertes seit dem Hoch am zehnten März des Jahres 2000.

          Wieder ein Tiefschlag

          Seit dem September 2001 hat sich die Aktie zwar auf extrem tiefem Niveau verdoppelt. Aber das dürfte nur am allgemein positiven Börsenumfeld gelegen haben. Denn operativ lieferte das Unternehmen erneut einen Tiefschlag. Statt wie angekündigt eine schwarze Null zu erreichen, wird Intershop in den roten Zahlen bleiben und im kommenden Jahr auch seine Umsatzziele verfehlen.

          Das einzig positive der vergangenen Monate waren die Sparmaßnahmen, die den Geldverbrauch gesenkt haben. Allerdings bleiben selbst dann nur noch etwa vier Quartale, bis die letzten Reserven aufgebraucht sein dürften.

          Vor diesem Hintergrund ist ein Engagement in dieses Papier reine „Zockerei“. Denkbar ist allenfalls eine Übernahme, bei der für den Übernehmer die Kundendaten und aufgelaufene Verluste steuerlich interessant sein könnten. Ob die Technologie wirklich konkurrenzfähig ist und ob der Firmenname noch eine positive Ausstrahlung hat, dürfte nach den negativen Meldungen der vergangenen Monate dahingestellt sein. Wenn Sie wählen könnten zwischen Produkten eines Unternehmens, das angeschlagen ist und einem, das solide dasteht? Softwarekunden dürften sich eher für die zweite Variante und damit gegen Intershop entscheiden. Keine guten Aussichten, also.

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