Die Verunsicherung unter den Gericom-Aktionären war groß nach einem Halbjahr der Enttäuschungen. Wie tief diese saß, zeigt sich an einem Kursverlust von in der Spitze über 66 Prozent. Die Aktie des österreichischen Notebook-Hersteller musste somit richtig bluten für ein katastrophal ausgefallenes erstes Quartal und für die Gerüchte um Liquiditätsprobleme (siehe Link: Gericom-Aktie begrüßt Quartalszahlen mit Kurssturz).
Umso größer ist jetzt die Erleichterung, nachdem die am Neuen Markt gelistete Gesellschaft am Freitag ein Ende des Abwärtstrends vermelden konnte. Der im zweiten Quartal um 17 Prozent auf 104,9 Millionen Euro gestiegene Umsatz und der um 47 Prozent auf 5,0 Millionen Euro gewachsene Periodenüberschuss entsprachen den Analystenerwartungen. Die dadurch schwindende Angst vor neuen Hiobsbotschaften lässt den Aktienkurs zum Wochenausklang gegen 14.45 Uhr um 8,36 Prozent auf 12,70 Euro steigen. In der Spitze wurden sogar schon 13,80 Euro bezahlt.
Günstige Bewertung
Diese Kursgewinne sind in der Tat dann mehr als gerechtfertigt, wenn Gericom nicht erneut in geschäftliche Schwierigkeiten gerät. Denn hochgerechnet auf das Halbjahr ist der Gewinn je Aktie mit 72 Cents nach 82 Cents im Vorjahr zwar gesunken und auch für das Gesamtjahr wird unverändert nur ein Ergebnis auf Vorjahresniveau versprochen. Doch nach dem Kurssturz ist die Aktie auf dieser Basis günstig bewertet. Stellen sich die für dieses und nächstes Jahr erwarteten Gewinne je Aktie von 1,63 und 1,91 Euro ein, dann liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei unter acht bzw. sieben. Verglichen mit dem Branchenkonkurrenten Medion ist dies laut Erste Bank-Analystin Brigitte Kellerer-Wedelin zu niedrig (siehe Link: Medion-Anleger warten auf ein Kaufsignal).
Warten auf das Weihnachtsgeschäft
Für vollstes Vertrauen in die Aktie scheint es aber trotzdem noch zu früh zu sein. Der um 14,8 Prozent auf 46,1 Millionen Euro gestiegene Auftragsbestand lässt zwar hoffen. Aber letztlich entschieden über die Frage, ob die Planzahlen auch tatsächlich erreicht werden, wird erst im vierten Quartal. Denn dessen Bedeutung für den Jahreserfolg ist nicht zuletzt wegen dem Weihnachtsgeschäft und einem daraus resultierenden Quartalsanteil am Jahresumsatz von rund 40 Prozent sehr hoch. Dessen ist sich auch Natalie Lenz, Analystin bei Consors Capital, bewusst, denn sie räumt trotz Kaufempfehlung für die Aktie ein: „Der Ausblick ist eher ambitioniert. es hängt allerdings alles vom Weihnachtsgeschäft im vierten Quartal ab.“
Daher spricht einiges dafür, dass die Aktie derzeit zwar eine gute Chance auf eine Kurserholung hat. Aber ob der Kurseinbruch beim Marktführer im Notebook-Verkauf an private Endkunden auch langfristig wieder wettgemacht werden kann, hängt wie beschrieben vom weiteren Geschäftsgang ab. Und diesbezüglich ist nach den bisherigen Enttäuschungen mit Gericom und wegen der Konsumflaute in Europa zumindest eine gewisse Portion Skepsis angebracht.