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Neuer Markt Beta Systems-Aktie hofft auf ein gutes viertes Quartal

12.11.2002 ·  Der Kurs von Beta Systems hat sich in diesem Jahr verdreifacht. Damit es noch mehr wird, muss das Software-Unternehmen jetzt aber einige Hausaufgaben machen.

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Der Dokumentenmanagement-Anbieter Beta Systems ist bereits ein alter Hase am Neuen Markt. Beim Börsengang im Juli 1997 waren die Berliner das Dritte am Wachstumssegment gelistete Unternehmen.

Doch anders als der Neue Markt hat der Titel nicht alle Höhen und Tiefen mitgemacht. Vielmehr hat sich die 1983 gegründete Firma von Beginn an auf die Tiefen konzentriert. Ausgehend von einem kurz nach der ersten Börsennotiz erreichten Rekordwert von fast 50 Euro ging es begleitet von Prognoseverfehlungen und schlecht gemanagten Zukäufen im Rekordtief hinunter bis auf fast zwei Euro.

Basteln an einem neuen Image

Doch seit Dezember 2001 bastelt Beta Systems an einem neuen Image. Erstmals ist es seitdem gelungen einen länger tragenden Aufwärtstrend zu etablieren. Mit einer aktuellen Notiz von 6,60 Euro ist inzwischen gemessen am Tief mehr als eine Kursverdreifachung gelungen. Geht es nach dem Willen des Managements, darf es ruhig so weiter gehen.

Die Botschaft, welche die Verantwortlichen den Anlegern zu vermitteln versuchen, lautet wie folgt: Beta Systems ist ein geläutertes Unternehmen mit günstigen Perspektiven und einer vernünftigen Bewertung. Exakt auf diesen Punkten wurde auch am Montag die Anlagestory bei einer Nebenwerte-Konferenz aufgebaut, bei der sich auch Beta Systems präsentierte.

Hoher Bestand an Barmitteln stützt den Kurs

Ob sich der etablierte Aufwärtstrend fortsetzen kann, hängt entscheidend davon ab, inwieweit das für das vierte Quartal 2002 in Aussicht gestellte Überschreiten der Gewinnschwelle gelingt. Eine genaue Prognose ist derzeit noch schwierig, weil das Jahresergebnis stark von der Umsatzentwicklung im Schlussquartal abhängt, das rund ein Drittel zum Gesamtjahresumsatz beiträgt. „Unser Wohl und Wehe entscheidet sich im vierten Quartal“, räumt daher auch der Investor Relations-Beauftragte Arne Baßler ein.

Sollte die Zielerreichung gelingen und das im Vorjahr eingeleitete Acht-Punkte-Turnaround-Programm die Gesellschaft nachhaltig in die Gewinnzone führen, kann der Aktienkurs möglicherweise noch weiter zulegen. Zumindest ist die Notiz bei Barmitteln von 5,25 Euro je Aktie, die in Form von risikolos und kurzfristig angelegten Geldmarktpapieren im Unternehmen schlummern, relativ gut nach unten abgesichert. Denn bei deutlichen Kursen unter der Cashposition spricht viel dafür, dass ein Investor wie die Deutsche Balaton, die in der Nähe des Rekordtiefs bereits einmal einen Übernahmeversuch startete, schnell wieder aktiv wird.

Drittes Quartal brachte ein Plus beim Vorsteuerergebnis

Nach den zuletzt klaren Kursgewinnen gibt sich Baßler aber zunächst zufrieden: „Wir sind im Moment auf Grund unserer Unternehmssituation, in der sich der Turnaround zwar abzeichnet, aber noch nicht bewiesen ist, realistisch bewertet.“ Wie bei anderen Software-Unternehmen besteht für Beta Systems derzeit das Problem in der Investitionszurückhaltung der Kunden. „Der Markt steckt in einer Konsolidierung. Vor allem spüren wir es, wenn im Bankensektor Einsparungen vorgenommen werden müssen“, räumt Basler ein.

Doch trotz eines veränderten Kundenverhalten und einem um 9,4 Prozent auf 9,4 Millionen Euro gefallenen Umsatz ist den Berlinern im dritten Quartal beim Vorsteuergewinn mit 0,3 Millionen Euro immerhin der Sprung in die Pluszone gelungen. Was zur Stabilisierung der Geschäfte beiträgt, ist die Tatsache, dass das Wartungsgeschäft mit den weltweit über 1.100 Kunden rund 50 Prozent des gesamten Umsatzes bringt.

Fragezeichen hinter den Akquisitionsplänen

Dank dieser vergleichsweise komfortablen Ausgangslage kann sich Beta Systems ernsthaft eigentlich nur wieder selbst ein Bein stellen. Und zwar dann, wenn bei neuen Akquisitionen erneut Fehlgriffe getätigt werden. Denn Aktivitäten dieser Art sind trotz der früheren Probleme damit nicht vom Tisch. Der Vorstand sucht mit der hohen Cashposition im Rücken jedenfalls nach interessanten Kandidaten.

Doch Baßler beteuert, dass sich ähnliche Fehler wie früher nicht mehr wiederholen werden. „Wir haben zwar eine nicht gerade rühmliche Geschichte bei der Integration von zugekauften Unternehmen. Mit dem jetzigen Managementteam fühlen wir uns aber in der Lage, dies besser als früher zu tun.“

Baßler ist sich jedenfalls sicher, „dass es uns im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmen auch in fünf Jahren noch geben wird.“ Es ist zwar gut möglich, dass er mit dieser Prognose recht behält. Doch bevor es zu neuen Kursavancen kommt, werden die Aktionäre vermutlich sehen wollen, ob sich die hehren Versprechungen in Sachen Akquisitionen auch ohne neue Blessuren in die Realität umsetzen lassen.

Was für einen endgültig reinen Tisch zudem noch fehlt, ist eine Lösung für den Bereich Storage Management. Denn für diese mit Verlusten kämpfende Geschäftseinheit wurde bisher noch kein geeigneter strategischer Partner gefunden. Beta Systems hat somit im vierten Quartal erst einmal einiges an Hausaufgaben zu machen.

Im Chart sehen Sie den Kursverlauf von Beta Systems in den vergangenen fünf Jahren.

Quelle: @JüB
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