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Neuer Markt „Atoss denkt über eine Form von Ausschüttung nach“

13.11.2002 ·  Der Börsenwert von Atoss Software bewegt sich nur in Höhe der liquiden Mitteln. Jetzt denkt der Vorstand auch daran, mit einer Dividende die Bewertung zu heben.

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Am Neuen Markt tummeln sich einige Unternehmen, deren Börsenwert notiert unter oder nahe am Wert der liquiden Mitteln. Zu diesen Unternehmen zählt die Atoss Software AG. Der Anbieter von Software und Beratung zum kosteneffizienten Personaleinsatz sitzt auf liquiden Mitteln von 33,4 Millionen Euro oder umgerechnet 8,79 Euro. Das ist etwas mehr als die 8,70 Euro, die am Mittwoch zum Börsenschluss im Xetra-Handel bezahlt werden mussten.

Dabei erwirtschaftete das 1987 gegründete Unternehmen nach neun Monaten im Geschäftsjahr 2002 einen positiven Cash Flow von 3,6 Millionen Euro und verbrennt damit kein Geld. Aber es ist offenbar so, dass die Gesellschaft noch immer in Sippenhaft für ihre Branchenzugehörigkeit genommen wird. Der Sektor Software ist bei den Anlegern derzeit jedenfalls nicht groß in Mode, weil die Unternehmen bekanntlich derzeit sehr restriktiv mit der Vergabe neuer Aufträge verfahren.

KGV muss erst noch sinken

In diesem Jahr hat sich die Notiz von Atoss aber immerhin deutlich von der schlechten Stimmung am Neuen Markt lösen können. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 18,7 Prozent zu Buche. Damit es noch mehr wird, muss mit dem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ein weiteres Bewertungskritierien in attraktivere Regionen geführt werden. Das schätzt auch Investor Relations-Chef Christof Leiber ähnlich ein, doch er sieht sein Unternehmen bei diesem Unterfangen auf einem guten Weg.

So betrugen die Schätzungen für den Gewinn je Aktie zu Jahresbeginn 18 Cents, diese wurden dann auf 24 Cents nach oben korrigiert und nachdem im dritten Quartal bereits effektiv 25 Cents eingefahren sind, könnten es im Gesamtjahr nun sogar 30 bis 35 Cents werden. „Wenn die Profitabilität hoch kommt und das KGV sinkt, dann wird auch der Kurs weiter steigen“ lautet die Rechnung von Leiber.

Zwang zu Kosteneinsparung spielt Atoss eigentlich in die Hände

Die Analysten von GBC-Research wollen so lange nicht warten und empfehlen die Aktie bereits jetzt zum Kauf. Sie verweisen dabei auf das niedrige Risikoprofil, was sich neben der hohen Nettoliquidität je Aktie in einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von nur rund eins wider spiegelt. Diese Bewertungsrelationen legen den Schluss nahe, dass die Börse Atoss derzeit kein Wachstum zutraut.

Dabei müssten die Münchener von der momentan schwierigen konjunkturellen Lage und dem damit verbundenen Zwang zu Kosteneinsparungen sogar profitieren. Denn die Software von Atoss ist gerade dazu da, die unproduktiv verlorene Arbeitszeit, die sich laut Studien bei deutschen Unternehmen noch immer auf 39 Prozent beläuft, zu minimieren.

Angelockt von dieser interessanten Konstellation sprach FAZ.NET am Rande einer Konferenz zum Thema Cashwerte am Neuen Markt mit Atoss-Vorstand Andreas Obereder. Nachfolgend finden Sie einige Auszüge aus dem Gespräch:

Herr Obereder, die IT-Investitionen sinken und ihr Markt konsolidiert. Wie gehen Sie mit dieser Krise um?

Generell gehen wir nicht davon aus, dass sich die IT-Ausgaben der Unternehmen schnell wieder beleben. Trotzdem wollen wir weiter zulegen, was uns über die Eroberung von Marktanteilen gelingen kann. Die derzeit laufende Konsolidierung in unserer Branche dürfte sich positiv auf unser Geschäft auswirken. Denn es wird in den kommenden Jahren zu einer spürbaren Marktbereinigung kommen und einige direkte Wettbewerber werden die Segeln streichen.

Welche Ergebnisziele haben Sie bis Jahresende?

In unseren Planansätzen gehen wir zunächst einmal auf absehbare Zeit nicht von einer konjunkturellen Besserung aus. Das sieht man auch an unseren Kostenstrukturen. Unser oberstes Zeil heißt Steigerung der Profitabilität. Bei der Ebit-Marge, die wir von minus drei Prozent im dritten Quartal 2001auf zuletzt bereits acht Prozent steigern konnten, streben wir dabei zehn Prozent an.

Ihr Aktienkurs scheint auf einer niedrigen Basis einen Boden gefunden zu haben. Was wäre aus Ihrer Sicht eine faire Bewertung?

Da kann man nur theoretische Gedankenspiele anstellen. Legt man der Berechnung das zu Grunde, was in der Branche üblicherweise bei Firmenübernahmen gezahlt wird, dann ist das rund das eins bis 1,5-fache des Umsatzes. Obendrauf muss dann noch der Cashbestand hinzu gerechnet werden. Dieser sich dann ergebende Zerschlagungswert zeigt an, dass wir stark unterbewertet sind.

Würden Sie weiter steigende Kurse zum Ausstieg nutzen?

Ich halte noch immer 56 Prozent der Aktien und habe seit dem Börsengang keinen Cent Cash gemacht. Die Lock-up-Fristen reichen teilweis bis ins Jahr 2005. Dies zeigt, wie sehr ich mich der Gesellschaft verpflichtet fühle. Auch jetzt trage ich mich mit keinerlei Verkaufsabsichten, sondern ich bin Unternehmer und will versuchen, die Gesellschaft mit ihren schon jetzt sehr guten Perspektiven weiter voran zu bringen.

Sie haben angedeutet, eine Dividende ausschütten zu wollen. Lässt sich schon absehen, wie hoch diese ausfallen wird?

Wir hatten gesagt, dass wir über eine Ausschüttung nachdenken. Dazu müssen aber noch drei Dinge geprüft werden. Erstens müssen die Verwendungsmöglichkeiten rechtlich überprüft werden, zweitens müssen wir eine mittelfristige Liquiditätsplanung über drei bis fünf Jahre aufstellen und drittens muss das Ergebnis stimmen. Der letzte Punkt ist dabei der unproblematischte, da er sich bereits relativ gut planen lässt.

Die Liquiditätsplanung wird stark vom Thema Akquisionen abhängen. Zeichnet sich da etwas konkretes ab?

Wir beschäftigen uns permanent mit diesem Thema. Bisher sind wir aber nicht traurig darüber, nichts gekauft zu haben. Inzwischen haben sich die Bewertungen aber drastisch nach unten bewegt und werden langsam interessant. Noch immer ist aber kaum ein Unternehmen für das Einfache des Umsatzes zu bekommen, sondern man will das Zwei- oder Dreifache. Davon abgesehen ist es so, dass wir nach einem verantwortlichen Unternehmensführer suchen, der noch langfristige Ziel hat. Ob sich der findet, ist derzeit noch offen. Wir gehen bei diesem Thema jedenfalls weiterhin sehr behutsam vor.

Im Chart sehen Sie den Aktienkurs von Atoss Software seit dem Börsengang im ersten Quartal 2000.

Quelle: @JüB
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