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Neuemissionen Envitec-Aktie birgt Chancen und Risiken des Biogas-Booms

02.07.2007 ·  Große Umsatz- und Gewinnsteigerungen setzt die Emissionsspanne der Envitec Biogas voraus. Die Chancen sind da - aber auch das Risiko, dass bereits im kommenden Jahr eine reduzierte Biogas-Förderung die Geschäftschancen erheblich beeinträchtigt.

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Alternative Energien gehören seit Jahren zu den Börsenrennern. Allerdings war ihr Schicksal sehr wechselhaft. Boomten Anfang des Jahrzehnts die Windenergieaktien, brachen sie um so deutlicher ein, als die Förderung gekürzt wurde. Das gleiche, nur etwas kurzlebigere Schicksal erlitten Biodieselwerte.

Es ist nun einmal eine Erfahrung, dass ein Börsengang üblicherweise dann stattfindet, wenn sich das Unternehmen auf dem Höhepunkt eines Booms befindet und/oder sich die Anleger ganz besonders für einen aktuellen Trend begeistern, legt auch Investment-Guru Burton Malkiel in seinem Buch „A Random Walk Down Wall Street“ darlegt.

Börsengänge meist als Höhepunkt

Beispiele lassen sich zahlreiche finden, wie etwa mit dem Altlastensanierer BGI zu Höhne Klußmann Altpeter (Volatiler Kandidat: BGI zu Höne Klußmann Altpeter), der seine besten Jahre vor und zum Zeitpunkt des Börsengangs hatte oder all die mittlerweile gescheiterten oder in Vergessenheit geratenen Technologiefirmen des „New-Economy“-Zeitalters, die Biodieselwerte usw.

Eher eine Nebenrolle haben in den vergangenen Jahren Biogaswerte gespielt. Immerhin haben aber vier Firmen haben den Weg eingeschlagen, zwei nämlich Schmack im Mai 2006 und Biogas Nord im Dezember über einen Börsengang und zwei auf anderem Weg. So wurde aus dem Birkert Wertpapierhandelshaus im November die S&R Biogas Energiesysteme und die ehemalige Lösch AG und später A.I.S. wurde von der BPRe Biopower Renewable Energy übernommen (Übernahme katapultiert A.I.S.-Kurs nach oben).

Biogas eher ein Nebenschauplatz

Nun soll aus dem Quartett ein Quintett werden, denn mit der niedersächsischen Envitec Biogas will nun ein weiterer Hersteller und Betreiber von Biogasanlagen aufs Parkett. Envitec plant und baut und nimmt schlüsselfertige Biogasanlagen in Betriebe. Das Unternehmen aus Lohne bei Oldenburg sorgt zudem für den biologischen und technischen Service und bietet außerdem das gesamte Anlagenmanagement und die Betriebsführung an.

Daneben will Envitec auch eigene Biogasanlagen betreiben. In Penkun in Mecklenburg-Vorpommern baut man derzeit die „voraussichtlich weltweit größte Anlage“. Darüber hinaus realisiere und projektieren man bereits in Kroatien und Rumänien Biogasanlagen.

Bei ihrem für den 12. Juli anvisierten Börsengang bietet das Unternehmen bis zu 5,16 Millionen Papiere von Montag an bis zum 11. Juli in einer ungewöhnlich breiten Spanne von 42 bis 52 Euro zur Zeichnung an, wie aus dem am Wochenende veröffentlichten Emissionsprospekt hervorgeht.

Starke Umsatz- und Gewinnsteigerungen

Daraus ergibt sich ein Bruttoemissionserlös von bis zu 268 Millionen Euro, wobei dem Unternehmen durch den aus einer Kapitalerhöhung stammenden Teil von drei Millionen Aktien netto 120 bis 149 Millionen Euro zufließen würden, der Rest ginge an die Altaktionäre um die Vorstände Olaf von Lehmden und Kunibert Ruhe. Begleitet wird der Börsengang von Dresdner Kleinwort als Konsortialführer, der Berenberg Bank und der WestLB.

Mit dem frischen Geld möchte das Unternehmen Biogasanlagen im Ausland bauen. Auch der Betrieb von Anlagen zusammen mit Partnern soll international verstärkt angegangen werden. Weitere Investitionen sollen in die Bereiche Forschung und Entwicklung gehen.

Bei einer vollständigen Plazierung der Aktien wären nach dem Börsengang im Prime Standard 34 Prozent des Kapitals im Streubesitz. Im vergangenen Jahr setzte EnviTec mit 100,7 Millionen Euro 147,1 Prozent mehr um als im Jahr davor und erzielte einen um 235 Prozent höheren Betriebsgewinn (Ebit) von 18,5 Millionen Euro. 2006 stand bei dem damals noch als GmbH firmierenden Unternehmen ein Gewinn von 11,55 Millionen Euro zu Buche.

In den ersten drei Monaten 2007 verdreifachte sich der Umsatz fast auf 32,8 (2006: 10,9) Millionen Euro. Der Nettogewinn lag im ersten Quartal 2007 bei 3,65 Millionen Euro nach 494.000 Euro im Vorjahresquartal. Der Betriebsgewinn war von 792.000 Euro auf 5,94 Millionen Euro gestiegen.

Aktie erscheint ambitioniert bewertet

Das Ergebnis des ersten Quartals 2007 wurde indes auch durch Vorzieheffekte positiv beeinflusst: Aufgrund des milden Winters konnten Aufträge, die für das zweite Quartal geplant waren, bereits in den ersten drei Monaten des Jahres realisiert werden.

Bei einer Gesamtzahl von 15 Millionen Aktien ergibt sich für das Unternehmen eine Bewertung zwischen 630 und 780 Millionen Euro. Das ist angesichts eines Umsatzes von 100 Millionen Euro im vergangenen Jahr eine ganze Menge und liegt noch deutlich über der Bewertung von Schmack und Biogas Nord.

Betrachtet man dagegen das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der abgelieferten Gewinne, so ist die Envitec-Aktie vergleichsweise weniger hoch bewertet. Um richtig günstig zu sein, muss aber der Gewinn im laufenden Jahr deutlich steigen. Rechnet man das sehr gute erste Quartal auf das laufende Jahr hoch, so ergäbe sich ein KGV von 43 bis 54, was noch etwas über der für Schmack Biogas geschätzten Bewertung läge und hohe Erwartungen einpreist.

Diese könnten sich erfüllen. Indes lehrt insbesondere das Beispiel Biodiesel, wie wetterwendisch die Subventionspolitik sein kann und welche katastrophalen Auswirkungen das haben kann.

Der Staat als Risiko

Auch Envitec selbst schriebt in seinem Emissionsprospekt, dass das Unternehmen von der staatlichen Förderung der Nutzung erneuerbarer Energien, insbesondere von Höhe und Zeitraum der weiteren Förderung der Energieerzeugung aus Biogas, abhängig sei. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen zur Errichtung, zur Erweiterung oder zu dem Betrieb von Biogasanlagen könnten sich nachteilig ändern.

Zum Ende des Jahres werden in Deutschland die nach dem EEG zu zahlenden Einspeisevergütungen überprüft. Es wird erwartet, so Envitec, dass die Ergebnisse bereits in einer für das Jahr 2008 geplanten Novellierung des EEG umgesetzt werden. Dies könne eine Reduzierung der Vergütungssätze einschließlich des Innovationsbonus', eine Beschleunigung der Degressionsschritte, eine Kürzung der Förderzeiträume für neu zu errichtende (zukünftige) Anlagen und/oder eine Verschlechterung der Förderung der Energieerzeugung aus Biogas im Vergleich zur Energieerzeugung aus anderen erneuerbaren Energien, wie z.B. Windkraft oder Sonnenstrahlung, mit sich bringen.

Je nach dem Umfang der Änderungen könne sich die Errichtung neuer Biogasanlagen daher künftig als finanziell weniger attraktiv oder sogar als unwirtschaftlich erweisen. Vergleichbare nachteilige Änderungen der rechtlichen Rahmenbedingungen könnten auch in anderen Staaten inner- oder außerhalb der EU erfolgen und die Geschäftstätigkeit von Envitec dort unattraktiv machen oder verhindern.

Das muss nicht eintreten, kann aber. Das macht Biogas-Aktien riskant. Ihre hohe Bewertung birgt einen Gutteil spekulative Risiken und macht sie so eher für risikofreudige Investoren geeignet.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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