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Neuemissionen : Börsengänge sind schlechte Geldanlagen

  • Aktualisiert am

Der Gabelhersteller Kion geht heute an die Börse. Für die meisten Anleger haben sich die Investitionen in Börsengänge aber nicht gelohnt. Bild: dpa

Groß sind die Hoffnungen an den Börsengang des Gabelstaplerherstellers Kion. Belebt sich der Markt für Börsengänge wieder? Anlegern kann es egal sein - sie sind mit Börsengängen meistens schlecht gefahren.

          Nach jahrelanger Flaute scheint sich der deutsche Markt für Börsengänge zu beleben. Immerhin gingen mit O2, Talanx und Hess gleich drei wichtige Unternehmen an die Börse, in diesem Jahr mit RTL und LEG Immobilien zwei. Zusätzlich gab es 2012 noch acht kleine Börsengänge.

          Am Freitag ist nun der Gabelstaplerhersteller Kion an die Börse gegangen. Der Börsenstart der Kion-Aktien fiel allerdings sehr verhalten aus. Der erste Kurs auf Xetra lag bei 24,19 Euro und damit nur knapp über dem Ausgabepreis von 24,00 Euro. Wie ein Händler erklärte, könnte der am unteren Ende der Preisspanne festgelegte Ausgabepreis Investoren abgeschreckt haben, da dies nicht für eine rege Nachfrage spreche. Insgesamt sei der Börsenstart alles andere als fulminant.

          Am kommenden Dienstag geht das Immobilienunternehmen Deutsche Annington an die Börse. Damit könnte das Emissionsvolumen 2013 den höchsten Stand seit der Finanzkrise erreichen, auch wenn es noch bei weniger als einem Drittel  des Jahres 2007 läge.

          Dicke Minuszeichen allenthalben

          Doch was gut für den Markt für Neuemissionen ist, muss nicht gut für Anleger sein. Denn die Bilanz der Neuemissionen der vergangenen zehn Jahre ist ernüchternd. Gleich um welchen Emissionsjahrgang es sich handelt, unter dem Strich steht bei der Kursentwicklung bis heute ein dickes Minus von 10 bis fast 60 Prozent. Das geht aus einer Erhebung des Finanzdatenanbieters Dealogic für FAZ.NET hervor.

          Kursentwicklung deutscher Börsengänge (in Prozent)
          Jahr IPO-Volumen [1] 1 Monat 6 Monate 1 Jahr Aktuell
          2004 1.985 -10,9 12,1 27,2 -26,3
          2005 4.087 17,5 36,6 16,2 -18,5
          2006 7.530 1,0 5,1 15,5 -31,7
          2007 7.665 2,5 -6,3 -29,9 -56,5
          2008 491 6,1 -28,2 -26,7 -47,0
          2009 116 -6,1 -13,6 -15,7 -58,2
          2010 2.646 0,3 2,5 0,2 -18,9
          2011 1.461 -4,7 -23,8 -7,2 -10,7
          2012 2.076 -1,4 -25,5 -53,8 -23,9
          2013 1.465 -2,2 - - -14,5
          Quelle: Dealogic; [1] Gesamtvolumen in Millionen Euro

          Die schlimmste Entwicklung nahmen die Emissionsjahrgänge 2007 bis 2009, die wohl unter den fallenden Kursen der Finanzkrise zu leiden hatten und offenbar zu überhöhten Preisen an den Markt kamen. Daraus hatten die wenigen Kandidaten der Jahre 2010 und 2011 wohl gelernt, denn bei deren Aktien haben Anleger deutlich geringere Kursverluste zu beklagen.

          Natürlich steht das auch in Verbindung zum Aktienmarkt im allgemeinen. Doch vergleicht man die Entwicklung des C-Dax, der den Gesamtmarkt umfasst, mit der Entwicklung der Neuemissionen, so zeigen sich die geringsten Abweichungen tendenziell in schwachen Börsenjahren. Dies kann gleichfalls als Indiz dafür gelten, dass Neuemissionen besonders in Haussejahren überbewertet sind.

          Große Börsengänge laufen besser

          Etwas besser wird das Bild, wenn man auf größere Börsengänge mit einem Volumen von mehr als 50 Millionen Euro blickt. Hier bringen es immerhin vier Jahrgänge auf eine positive Entwicklung, allen voran das Jahr 2010, in denen Unternehmen wie Brenntag, Kabel Deutschland, Tom Tailor oder Ströer ihr Debüt gaben. Erstere beiden haben ihren Weg auch in den F.A.Z.-Index gefunden und die ersten drei notieren heute zum Teil deutlich über ihren Ausgabepreisen.

          Kursentwicklung großer deutscher Börsengänge (in Prozent)
          Jahr IPO-Volumen [1] 1 Monat 6 Monate 1 Jahr Aktuell
          2004 1.915 0,3 22,8 53,6 5,3
          2005 3.835 8,8 45,9 21,3 -9,2
          2006 6.744 4,7 9,8 19,0 -40,0
          2007 7.256 3,0 -17,0 -37,3 -61,2
          2008 420 -13,8 -47,6 -26,1 -67,6
          2009 0 - - - -
          2010 2.526 1,3 4,5 13,0 24,4
          2011 1.397 -4,5 -21,4 2,0 8,1
          2012 1.966 4,2 19,1 - 12,4
          2013 1.465 -2,2 - - -14,5
          Quelle: Dealogic; Börsengänge mit einem Volumen von mehr als 50 Millionen Euro; [1] Gesamtvolumen in Millionen Euro

          Ganz anders das Bild bei kleinen Börsengängen. Fast 90 Prozent haben die neuen Aktien des Jahres 2004 an Wert verloren und mit dem Minus von rund 27 Prozent können die Anleger der Jahrgänge 2005 und 2006 richtig zufrieden sein.

          Kursentwicklung kleiner deutscher Börsengänge (in Prozent)
          Jahr IPO-Volumen [1] 1 Monat 6 Monate 1 Jahr Aktuell
          2004 69 -33,3 -9,4 -25,6 -89,6
          2005 252 25,4 28,1 11,6 -27,0
          2006 786 -0,8 2,7 13,9 -27,8
          2007 409 2,2 0,2 -25,4 -53,7
          2008 71 19,4 -15,3 -27,1 -33,2
          2009 116 -6,1 -13,6 -15,7 -58,2
          2010 120 -0,8 0,4 -12,7 -62,2
          2011 64 -5,0 -27,5 -21,9 -40,7
          2012 110 -2,7 -35,4 -53,8 -32,0
          2013 - - - - -
          Quelle: Dealogic; Börsengänge mit einem Volumen von weniger als 50 Millionen Euro; [1] Gesamtvolumen in Millionen Euro

           

          Schlechte Bilanz auch ohne den Neuen Markt

          Der Blick auf die Einzelemissionen macht das Gesamtbild nicht besser. Bei insgesamt 28 Delistings ist jede siebte Aktie heute schon nicht mehr an der Börse notiert. 14 Unternehmen, also immerhin 7 Prozent, meldeten Insolvenz an. Weitere vier haben in den vergangenen Jahren einen Kapitalschnitt durchgeführt oder eine Pflichtanzeige wegen eines Verlusts in Höhe von mehr als der Hälfte des Grundkapitals veröffentlicht.

          Kurzum: Das breitflächige Investieren in Neuemissionen hätte sich in den vergangenen zehn Jahren in Deutschland alles andere als gelohnt. Und darin sind die wenig erfreulichen Börsengänge von Infineon, Epcos oder der Deutschen Telekom oder gar das Desaster des Neuen Marktes nicht enthalten.

          Wenn überhaupt, so konnten sich in den vergangenen zehn Jahren die großen Börsengänge rechnen, wie etwa von Kabel Deutschland. Andererseits entwickelte sich etwa der Börsengang von Premiere, die heute Sky Deutschland heißen, zum Flop. 30 Tage nach der Emission erreichte die Aktie ihren Höchstkurs von 15 Prozent über dem Ausgabepreis. Danach verschwand er rasch außer Reichweite – bisher auf Nimmerwiedersehen.

          Abwarten könnte die bessere Taktik sein

          Den höchsten Gewinn konnten Zeichner mit den Aktien der auf die Solarbranche spezialisierten Maschinenbauer Manz und Roth & Rau machen. Deren Höchstkurse überstiegen den Emissionspreis um das Zehn- bzw. das Siebenfache. Das ist allerdings einige Jahre her, aber wenigstens Manz notieren noch immer mehr als 50 Prozent über ihrem Ausgabepreis.

          Die besten Neuemissionen seit 2004
          Unternehmen Isin Emissionspreis Kurs aktuell Höchstkurs Datum
          Delticom DE0005146807 12,00 € 37,805 € 82,51 € 14.02.2012
          Mobotix DE0005218309 5,17 € 15,165 € 26,89 € 28.01.2010
          Kabel Deutschland DE000KD88880 22,00 € 84,220 € 85,51 € 18.06.2013
          MTU Aero Engines DE000A0D9PT0 21,00 € 74,840 € 7,64 € 11.05.2013
          Manz Automation DE000A0JQ5U3 19,00 € 29,685 € 204,50 € 04.06.2008
          Tradegate DE0005216907 2,00 € 5,104 € 7,64 € 26.04.2011
          Bavaria Ind.kapital DE0002605557 8,67 € 25,925 € 27,00 € 10.06.2013
          SMT Scharf DE0005751986 9,50 € 23,250 € 35,00 € 22.02.2012
          F24 DE000A0F5WM7 3,50 € 10,200 € 11,65 € 30.04.2013
          Demag Cranes (Terex) DE000DCAG010 22,00 € 60,510 € 63,28 € 13.05.2013
          Quelle: Eigene Berechnungen

          Wie so oft beim Aktienkauf ist es auch hier eine Frage des rechtzeitigen Ausstiegs. Wer etwa die Aktie des mittlerweile insolventen Solarmodulherstellers Q-Cells innerhalb der ersten zweieinviertel Jahre nach dem Börsengang verkaufte, konnte gute Gewinne einstreichen. Indes gab es bei mehr als jeder achten neu emittierten Aktie nie einen guten Zeitpunkt. Diese beschlossen niemals einen Handelstag über ihrem Ausgabepreis. Und der Kurs jeder dritten Aktie legte nie um mehr als 10 Prozent zu.

          Warten macht es offenbar nicht besser: Aktuell notiert die Hälfte der Aktien um mehr als 50 Prozent unter ihrem Emissionspreis, nur jede fünfte überhaupt im Plus.

          Aktuelle Kurse deutscher Neuemissionen
          Aktuelle Kurse deutscher Neuemissionen : Bild: F.A.Z.

          Ihren Höchstkurs erreichte jede vierte innerhalb der ersten beiden Wochen nach dem Börsengang, mehr als die Hälfte in den ersten zehn Prozent ihrer Börsengeschichte.

          Höchstkurse deutscher Neuemissionen
          Höchstkurse deutscher Neuemissionen : Bild: F.A.Z.

          Manchmal ist entspanntes Abwarten an der Börse doch die bessere Taktik.

          Quelle: FAZ.NET, mit dpa-AFX

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