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Neuemissionen Auch der zweite Börsengang von Praktiker läuft holprig an

10.11.2005 ·  Schon zum zweiten Mal in ihrer Geschichte wagt die Baumarktkette Praktiker den Sprung auf das Börsenparkett. Und wie schon beim ersten Versuch fällt die Resonanz der Börsianer bisher verhalten aus.

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Der Baumarktbetreiber Praktiker will ab dem 18. November wieder ein börsennotiertes Unternehmen sein. Dazu bietet die Metro-Tochter vom 07. bis zum 17. November interessierten Anlegern insgesamt maximal 34,5 Millionen Aktien zum Zeichnen an. Doch das Vorhaben ist bisher alles andere als ein Selbstläufer. Vielmehr mußte das Projekt schon einige Rückschläge hinnehmen.

So ist es dem Konsumriesen Metro offenbar nicht gelungen, Praktiker komplett an einen Konkurrenten oder einen Private-Equity-Investor zu verkaufen. Denn eigentlich war diese Vorgehensweise die ursprünglich favorisierte Variante, die dann anscheinend wegen unterschiedlicher Preisvorstellungen nicht umgesetzt wurde. Aber auch bei den Börsianern finden die Aktien nicht gerade reißenden Absatz. So sah sich die Metro gezwungen, die Zahl der angebotenen Aktien von 35,7 Millionen auf 26,4 Millionen zu senken.

Schnelle Zeichnungsgewinne eher unwahrscheinlich

An der Reserviertheit der Anleger hat das verringerte Angebot, zu dem noch acht Millionen Aktien aus einer Kapitalerhöhung kommen, bisher jedoch nichts geändert. Diese Vermutung lassen zumindest die im außerbörslichen Handel gestellten Kurse zu. Nachfrage nach dem MDax-Aspiranten bestand am Mittwoch abend nämlich nur zu einem Preis von 15,70 Euro. Das spricht nicht gerade für Zeichnungsgewinne, liegt diese Notiz doch knapp unterhalb der Bookbuildingspanne von 16 bis 19 Euro.

Damit sieht es so aus, als ob die Baumarktkette, die in acht verschiedenen Ländern mit umgerechnet auf Vollzeitstellen 16.000 Mitarbeitern 335 Märkte betreibt, auch im zweiten Anlauf kein Liebling der Börsianer werden wird. Praktiker war von 1995 bis 2002 schon einmal börsennotiert. In dieser Zeit kannte der Kurs aber praktisch nur den Weg nach unten. Zuletzt entschied sich Metro für ein Abfindungsangebot, um das damals verlustträchtige Unternehmen in aller Ruhe wieder auf Vordermann zu bringen.

Die Umsetzung dieses Planes ist relativ zügig gelungen. In den vergangenen beiden Jahren hat es Praktiker durch die Schließung von Standorten, Bereinigungen im Produktsortiment und einem spürbaren Personalabbau geschafft, den Umsatz um 400 Millionen Euro auf 2,9 Milliarden Euro zu verbessern. Aus einem Verlust wurde gleichzeitig ein operativer Gewinn von 80 Millionen Euro. Und auch in diesem Jahr hält der positive Trend an, wie ein nach neun Monaten 82 Millionen Euro betragender Gewinn (Umsatz: 2,3 Milliarden Euro) zeigt.

Alles eine Frage des Preises

Angesichts dieses Turnarounds stellt sich die Frage, warum die Marktteilnehmer so zurückhaltend auf die Praktiker-Aktien reagieren. Wie bei so vielen Dingen spielt auch hier der Preis die entscheidende Rolle. Einige institutionelle Investoren haben jedenfalls schon öffentlich ihr Mißfallen an der aus ihrer Sicht zu hohen Preisspanne bekundet, auf deren Basis Praktiker maximal 1,1 Milliarden Euro wert wäre. Die Kritiker vergleichen das voraussichtliche Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von rund 13 für Praktiker mit dem tieferen KGV von zehn bis elf, das den meisten europäischen Konkurrenten zugebilligt wird. Das Unternehmen selbst kontert diesen Vorwurf mit dem Verweis auf die Hornbach Holding, der Mutter von Hornbach Baumarkt, die ebenso wie etwa die britische Kingfisher auf ein höheres KGV kommt.

Wer mit seiner Argumentation Recht hat, läßt sich nicht abschließend entscheiden. Tatsache ist nur, daß die Anleger bei einem Börsengang wie dem von Praktiker am längeren Hebel sitzen und ihre Karten besser ausreizen können als das Unternehmen. Etwas nachdenklich stimmt auch, daß selbst manche Konsortialbanken in ihren Studien nur auf einen Unternehmenswert von deutlich unter einer Milliarde Euro kommen. Diese Umstände hätten für eine etwas moderate Vorgehensweise bei der Preisfindung gesprochen. Zumal dazu auch noch die in Deutschland in der Baumarktbranche weiterhin vorzufindenden Überkapazitäten sowie die daraus resultierenden niedrigen Gewinnmargen hinzukommen.

Andererseits birgt das Geschäftsmodell aber auch interessante Chancen. Der mit Hilfe der zufließenden Mittel von 152 Millionen Euro geplante Ausbau der Aktivitäten in Osteuropa - der Auslandsanteil am Umsatz soll mittelfristig von 23 Prozent auf bis zu 40 Prozent steigen - kann sich richtig gemanagt als sehr lukrativ erweisen. Denn speziell in der Region Südosteuropa - neben Ungarn ist die Gesellschaft Marktführer in Griechenland, Rumänien und der Türkei -, in der Praktiker gut vertreten ist, brummt die Bauwirtschaft. Und selbst in Deutschland hoffen die Verantwortlichen darauf, durch ein mehr auf Selbstbedienung getrimmtes Geschäft sowie durch die gezielte Übernahme anderer Baumärkte besser abschneiden zu können als der Rest des Sektors.

Der nach Premiere und MTU Aero bisher in diesem Jahr drittgrößte Börsengang in Deutschland gestaltet sich insgesamt bisher zäh. Die im Vorfeld der Erstnotiz aufgetretenen Schwierigkeiten sprechen gegen Zeichnungsgewinne. Daran ändert vermutlich auch die bereits für das Geschäftsjahr 2005 in Aussicht gestellte attraktive Dividende nichts. Folglich können sich Privatanleger Zeit lassen und erst einmal abwarten, wie der Start an der Börse glückt. Sollte sich abzeichnen, daß es Praktiker gelingt, die Wachstumschancen zu nutzen und die Risiken zu umschiffen, dann ist auch später noch Zeit für ein Engagement.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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