11.11.2005 · Mit dem Flugzeugmotorenbauer Thielert strebt aktuell ein Unternehmen mit einer spannenden Wachstumsstory an die Börse. Etwas getrübt wird der ansonsten positive Eindruck allerdings durch eine relativ hohe Bewertung.
Normalerweise erwarten die Marktteilnehmer von Börsenneulingen eine überzeugende Anlagestory. Doch dieser Anforderung können leider nicht immer alle Kandidaten genügen. Kein Problem, dem Anspruch gerecht zu werden, hat die Thielert AG. Der Hersteller von Flugzeugmotoren, der am 17. November sein Börsendebüt geben will, hat vielmehr sogar eine richtige runde Geschichte zu bieten.
Das 1989 gegründete Unternehmen baut Motoren für Kleinflugzeuge sowie Prototypen und Hochleistungsmotoren für den Rennsport, unter anderem die Formel 1. Der Clou dabei sind vor allem die unter dem Namen Centurion vertriebenen Kolbenflugmotoren, die sowohl mit Kerosin als auch mit Dieselkraftstoff betrieben werden können.
Gegenüber der Konkurrenz, die nur mit verbleitem Superkraftstoff arbeitende Flugzeugmotoren herstellt, ergibt sich durch diese Flexibilität ein Wettbewerbsvorteil. Der wird zudem noch dadurch verstärkt, daß sich mit den Centurion-Motoren den Angaben von Thielert zufolge die operativen Flugkosten um bis zu 60 Prozent senken lassen und die Reichweite um 30 bis 40 Prozent erhöht werden kann.
Strammer Wachstumskurs
Um die damit verbundenen Trümpfe richtig ausspielen zu können, soll der dem Unternehmen zufließende Teil des Emissionserlöses (maximal 64,3 Millionen Euro) vor allem zur Finanzierung des weiteren Wachstums genutzt werden. Zu den geplanten Vorhaben zählen unter anderem Neuentwicklungen zur Erweiterung der Centurion-Motorenfamilie sowie die Erschließung weiterer Märkte (etwa Amerika).
Aber auch jetzt sind die Kunden offenbar schon überzeugt von den Vorteilen der Thielert-Motoren. Zumindest sprechen dafür die hohen Wachstumsraten. So ist es gelungen, den Umsatz von 2002 bis 2004 von 11,4 Millionen Euro auf 24,2 Millionen Euro zu steigern. Der Gewinn vor Steuern und Zinsen kam gleichzeitig von 4,7 Millionen Euro auf 8,7 Millionen Euro voran. Und auch in diesem Jahr läuft es bislang sehr gut, wie ein in den ersten neun Monaten um 55,3 Prozent auf 23,9 Millionen Euro gestiegener Umsatz signalisiert.
Geht es nach dem Konsortialführer Dresdner Kleinwort Wasserstein, dann hält diese Dynamik bis auf weiteres an. In der Emissionsstudie wird dem Unternehmen im Jahr 2007 jedenfalls ein Umsatzniveau von 89,7 Millionen Euro zugetraut und ein Ergebnis vor Steuern und Zinsen von 27,8 Millionen Euro. Das Unternehmen beziffert das gesamte Marktvolumen auf eine Milliarde Euro.
Angesichts dieser Wachstumsaussichten überraschend die zumeist positive Resonanz auf Unternehmenspräsentationen nicht. Lobende Worte findet beispielsweise „Going Public“-Chefredakteur Christian Schiffmacher: „Das Geschäftsmodell, das Thielert zu bieten hat, erscheint mir von allen Unternehmen, die bisher in diesem Jahr an die Börse gekommen sind, das interessanteste zu sein.“
Kurse im Handel per Erscheinen über der Bookbuildingspanne
Restlos glücklich ist der Chef der auf Neuemissionen spezialisierten Fachzeitschrift trotzdem nicht. Was ihn stört, ist die aus seiner Sicht eindeutig zu hohe Bewertung des Titels. Das ergebe der Vergleich des Börsenwerts von 239 bis 278 Millionen Euro, der sich aus der Preisspanne von zwölf bis 14 Euro ergibt, mit dem im Vorjahr erzielten Umsatz von gut 24 Millionen Euro vergleicht. Selbst auf Basis der für 2006 von Dresdner Kleinwort Wasserstein geschätzten Zahlen ergebe sich noch immer ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von vier und ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 17.
Andere Marktteilnehmer scheinen dagegen gewillt zu sein, für vielversprechende Wachstumsaussichten tief in die Tasche zu greifen. Im Gespräch mit FAZ.NET berichtet Thielert-Kommunikationschef Sebastian Wentzler jedenfalls davon, daß die Preisspanne in den bisher mit den institutionellen Anlegern geführten Gesprächen „sehr gut aufgenommen“ wurde. Diese Einschätzung scheint keine Übertreibung zu sein. Im außerbörslichen Handel werden die Aktien beim Finanzdienstleister Schnigge am Donnerstag abend zu über der Bookbuildingspanne liegenden Geld-Brief-Kursen von 14,90 bis 15,50 Euro gestellt.
Die Wachstumsstory von Thielert stimmt. Eine Bestnote hat sich das Unternehmen aus Börsianersicht aber dennoch nicht verdient. Verhindert wird das durch eine relativ anspruchsvolle Bewertung sowie die Tatsache, daß die Altaktionäre in hohem Umfang Anteile abgeben. Zwei Wagniskapitalgeber wollen ihren 30-Prozent-Anteil abgeben und Firmengründer Thielert wird seinen Anteil von derzeit 56 auf 33 Prozent verringern. Das Management und zwei Beteiligungsgesellschaften werden nach dem Börsengang jeweils um die fünf Prozent halten, der Streubesitz wird voraussichtlich bei 55 Prozent liegen.
Wenig erbaulich aus Sicht der meisten Privatanleger ist zudem der bis auf weiteres geplante Verzicht auf eine Dividendenausschüttung. Ohnehin könne Privatanleger sich nicht allzu viele Hoffnungen darauf machen, bei der Zuteilung zum Zuge zu kommen. Denn das Unternehmen hat bereits klar gemacht, die eigenen Aktien vor allem institutionellen Anleger andienen zu wollen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |