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Neuemissionen Aktie von Lloyd Fonds kommt eher optimistisch bewertet

17.10.2005 ·  Der mit Schlingern und Stampfen einhergegangene Börsengang von HCI Capital ist gerade überstanden, da will mit Lloyd Fonds schon der nächste Schiffsfonds-Anbieter in die Börsensee stechen. Auch hier droht eher schwere See.

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Geht man nach den Börsengängen der vergangenen Monate, so scheint die Börse derzeitig für drei Themen besonders aufnahmefähig zu sein: Photovoltaik, Glücksspiel und Schiffsfonds. Denn nach der HCI Capital will nun mit Lloyd Fonds ein zweiter Anbieter von geschlossenen Fonds an die Börse.

Wie HCI Capital ist auch die 1995 gegründete Lloyd Fonds praktisch auf das Segment der Schiffsfonds spezialisiert. 95 Prozent der 40 Fonds im Portfolio sind auf Objekte bezogen, die entweder auf den sieben Weltmeeren schippern oder das (hoffentlich) bald tun werden. Geht man nach dem Investitionsvolumen, sind es sogar fast 97 Prozent.

Schiffsfonds zukünftig eher mit halber Fahrt

Die Frage nach den Zukunftschancen von Lloyd Fonds ist also zunächst einmal die Frage nach der Zukunft von Schiffsfonds. Und diese wird wohl keineswegs mehr so rosig aussehen wie in den vergangenen Jahren. Frank Heimsaat, Chefanalyst für geschlossene Fonds beim Ratingunternehmen Scope hat keine Zweifel: „Das Schiffsfondsgeschäft wird sich schlechter entwickeln“.

Der Absatz von Schiffsfonds dürfte in diesem Jahr erstmals seit der Jahrtausendwende wieder zurückgehen, prognostiziert Scope. Das Unternehmen rechnet mit einem plazierten Eigenkapital zum Jahresende von insgesamt 2,2 Milliarden Euro, nach 2,5 Milliarden im Vorjahr.

Das liegt ursächlich daran, daß diese sich nach der Änderung der Gesetzgebung für geschlossene Fonds von Steuerspar- zu Renditeobjekten verändert haben. Zwar lassen sich durch die sogenannte Tonnagesteuer weiter Steuern sparen, aber nur dann, wenn das Investitionsobjekt Geld verdient. Dennoch: für Steuersparer sind Schiffsfonds weniger interessant.

Brise in der Containerschiffahrt leichter

Auch das Marktumfeld hat sich eingetrübt. Denn die Ergebnisse sind vor allem von den Erträgen der Charter abhängig. Da sieht es nicht mehr so gut aus wie noch im vergangenen Jahr. Der Baltic Dry Index, der die Entwicklung der Frachtraten auf den 25 weltweit wichtigsten Seefrachtrouten mißt, kletterte zwischen Herbst 2002 und Dezember 2004 um rund das Sechsfache auf ein ungeahntes Allzeithoch von 6.208 Punkten.

In diesem Jahr aber hat der Index eine steile Talfahrt gemacht und fiel bis unter 2000 Punkte. Seit August geht es zwar wieder aufwärts, so daß das Jahresminus nur noch 46 Prozent beträgt. Aber noch ist das kein Zeichen für eine nachhaltige Trendwende. Dagegen sprechen die Fundamentaldaten. Die untypisch kurze Amortisationsdauer neuer Schiffe aufgrund des Booms in der Containerschiffahrt löste eine Schiffbauboom aus, so daß die Container- und andere Flotten stark wachsen werden, so daß Kapazitätsengpässe wieder einem Überangebot weichen könnten.

Aktuell hätten Fondsinitiatoren Probleme, attraktive Anlageobjekte aufzutreiben. Geringere Ausschüttungen könnten daher weiter auf die Absatzzahlen drücken. Derzeit gebe es nur wenige gute Beteiligungen, sagt Heimsaat. Vor diesem Hintergrund überrasche ihn der zu beobachtende Drang der Schiffsfondsspezialisten an die Börse nicht: „Es ist ihre vorerst letzte Chance.“

Auch Immobilien und Private Equity sind keine Selbstläufer

Dieses Problems ist sich Lloyd Fonds durchaus bewußt. Mit den bis zu 66,5 Millionen Euro aus dem Börsengang will Vorstandschef Torsten Teichert die Eigenkapitalbasis für weitere Fondsprojekte stärken, die Abhängigkeit von den Schiffsfonds reduzieren und sich künftig stärker im Geschäft mit Immobilienfonds und Private Equity-Fonds engagieren.

Inwieweit das aber zum großen Erfolgsmodell wird, ist ebenfalls ein wenig fraglich. Denn bei vielen Fonds war in der Vergangenheit die Rendite Neben- und das Steuern sparen die Hauptsache. Und die Steuersparanreize sind futsch. Und mit dem Ruf der existierenden Fonds ist es derzeit auch nicht zum besten bestellt. Denn bei manchem (anteilig) fremdfinanzierten Fonds, der eine Hebelwirkung entfalten sollte, können die Kredite rasch zur massiven Belastung werden. Nachschußpflichten und unklare Haftungsregeln fördern nicht gerade das Vertrauen.

Auch bei Private Equity-Fonds ist die Goldgräberstimmung der vergangenen Jahre vorbei. Die Branche schwimmt im Geld und mittlerweile gehen auch ihr die guten Ideen aus. Jeremy Coller, Gründer von Coller Capital in London, stellt seine Branche ein schlechtes Zeugnis aus: „Durch ihren privaten Charakter hat Private Equity eine schlechte Performance hinter Rauch und Spiegeln versteckt“. Die Branche sei heute zu flüssig. Das würden die Investoren vielleicht schon bald erkennen müssen, wenn die Renditen sinken.

Prächtige Entwicklung in der Vergangenheit...

In die gleiche Kerbe haut David Rubenstein, Managing Director des amerikanischen Finanzinvestors Carlyle Group: „In den vergangenen zehn Jahren ist keine einzige Beteiligungsgesellschaft abgestraft worden, wenn sie für ein Unternehmen einen zu hohen Kaufpreis bezahlt hat. Dies wird sich in naher Zukunft ändern.“ Wenn die Zinsen wieder stiegen, werde es einige von Private Equity gekaufte Unternehmen geben, die „gegen die Wand gefahren werden“. Der Wettbewerb wird also auch in dieser Branche härter werden.

Im vergangenen Jahr setzte Lloyd Fonds mit 52,1 Millionen Euro 24,4 Prozent mehr um als im Vorjahr. Das Betriebsergebnis legte dabei um 40 Prozent auf 13,6 Millionen zu, der Jahresüberschuß um 54 Prozent auf 9,5 Millionen. Im ersten Halbjahr des laufenden Jahres wuchs der Umsatz auf 37 Millionen und Euro und damit um mehr als 80 Prozent über den Wert der Vorjahresvergleichsperiode. Das Betriebsergebnis belief sich auf neun Millionen Euro nach drei Millionen im Vorjahr.

... aber was bringt die Zukunft?

Die große Frage ist natürlich, wie sich das Geschäft in der Zukunft entwickeln wird. Mit Prognosen ist man bei Lloyd Fonds indes zurückhaltend. Grob überschlägig gerechnet ergibt sich bei der Bookbuilding-Spanne von 19 bis 21 Euro ein Kurs-Gewinn-Verhältnis für das laufende Jahr, das in der Gegend von 11 bis 15 angesiedelt ist. Das ist aber allenfalls eine Daumenpeilung. Das historische KGV liegt bei 25 bis 28 und damit deutlich höher als das von HCI Capital, deren Börsengang nicht sehr erfolgreich verlief.

Selbst wenn man also eine größere Wachstumsdynamik für Lloyd Fonds unterstellt, erscheint die Bewertung doch eher auf der optimistischen Seite, was die zukünftige Geschäftsentwicklung betrifft. Auch Heimsaat ist für den Börsengang nicht sehr zuversichtlich gestimmt: „Das Börsendebüt von Lloyd wird wohl auch nicht positiv verlaufen“, erwartet der Scope-Chefanalyst.

Auf der positiven Seite zu vermerken ist, daß ein größerer Anteil des Emissionserlöses als im Falle HCI dem Unternehmen selbst durch eine Kapitalerhöhung zugute kommt, nämlich immerhin 50 Prozent - bei HCI waren es nur rund 25 Prozent. Für Peter Kastell, Geschäftsführer des Analysehauses Fondsmedia, ist die Begründung des Börsengangs von Lloyd somit besser nachvollziehbar.

Insgesamt will Lloyd Fonds 6,4 Millionen Aktien ausgeben, wodurch sich das Emissionsvolumen auf bis zu 134,4 Millionen Euro beläuft. Die Zeichnungsfrist beginnt am Dienstag und soll am 27. Oktober enden, die Erstnotiz ist für den 28. Oktober vorgesehen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho mit Material von Dow Jones, Reuter, dpa.
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