17.09.2009 · Vor dem G-20-Gipfel in Pittsburgh ringen Aufseher und Zentralbanken um eine Sanierung des Finanzsystems. Europas Banken murren und beschweren sich: Unfaire Regeln begünstigten die amerikanische Konkurrenten.
Von Christian Schubert und Stefan RuhkampNach den japanischen Bankenvertretern murren nun auch die Europäer über die geplanten neuen Kapitalregeln. Der Vorstandsvorsitzende der französischen Großbank BNP Paribas, Baudouin Prot, zog in einer Anhörung vor dem französischen Senat vom Leder. Die geplanten Eigenkapitalvorschriften könnten die europäischen gegenüber den amerikanischen Banken benachteiligen.
Der Vorstoß der französischen Banken – Prot ist auch Vorsitzender des französischen Bankenverbands – liegt auf einer Linie mit den japanischen Banken. Die Japaner klagen darüber, dass Vorzugsaktien künftig nicht mehr als hartes Kernkapital gezählt werden sollen und fordern Übergangslösungen. Auch sie argwöhnen über eine Bevorzugung der amerikanischen Konkurrenz (Reformen werden nur halbherzig ausfallen). In die gleiche Richtung geht auch das Unbehagen der Bundesbank und eines Teils der deutschen Banken. Sie monieren, dass nach den Vorschlägen des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht, in dem Aufseher und Zentralbanken aus 27 Ländern vertreten sind, die vor allem für deutsche Landesbanken wichtigen stillen Einlagen nicht als hartes Kernkapital akzeptiert werden sollen.
Angelsächsische Vertreter ignorieren Vorstoß für höheres Eigenkapital
Dem Vernehmen nach soll Bundesbank-Vorstandsmitglied Franz-Christoph Zeitler wiederholt die hohe Eigenmittelqualität der stillen Einlagen erläutert haben. Die angelsächsischen Vertreter in dem Gremium hätten diese Ausführungen aber lange ignoriert. Gemessen an den vorsichtigen Umgangsformen in dem Gremium, scheint es also einen ernsten Konflikt gegeben zu haben. Das lassen zumindest die Schilderungen von Vertretern anderer Länder vermuten. Sie sprechen zwar nicht von einer amerikanischen Dominanz im Baseler Ausschuss der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), das Verhältnis sei grundsätzlich kollegial. Aber die Amerikaner könnten bei der Ausarbeitung von Vorschlägen auf wesentlich mehr Personal zurückgreifen. Das verbessere die Verhandlungsposition und führe zu einem amerikanischen Schwergewicht, erläutert ein Mitglied des Ausschusses.
Die Klage des französischen Bankenpräsidenten Prot bezieht sich vor allem auf die geplanten Vorgaben für den maximalen Kredithebel (leverage ratio) der Banken. Die Kapitalanforderungen der Banken richten sich vor allem nach den risikogewichteten Vermögenswerten. Je weniger riskant die Kredite sind, die sie vergeben, und je weniger riskant die Anleihen in ihrem Portfolio, desto weniger Eigenkapital müssen sie vorweisen.
Europa durch andere Bilanzierungsregeln im Nachteil
Zusätzlich soll künftig aber auch eine Rolle spielen, wie viel Eigenkapital sie in Relation zur gesamten Bilanzsumme haben. Damit soll verhindert werden, dass eine Bank mit relativ wenig Eigenkapital nur erstklassige Vermögenswerte hält, das aber in riesigem Umfang. Die risikogewichteten Kapitalanforderungen könnte sie erfüllen, hätte aber Schwierigkeiten mit dem Schuldenhebel. Vor allem französische und deutsche Banken hätten mit dieser zusätzlichen Kennzahl Schwierigkeiten. Ihre Bilanzsummen sind häufig größer als die der amerikanischen Konkurrenz. Das wird durch die unterschiedlichen Bilanzierungsregeln noch verstärkt.
Neue Regeln müssten deshalb mit einer Harmonisierung der Rechnungslegung einhergehen, forderte Prot. „Ansonsten wäre es so, als ob man sagen würde, die Temperatur ist 22, man sagt aber nicht, ob Celsius oder Fahrenheit gemeint ist.“ Eine Sprecherin der BNP Paribas wies ergänzend darauf hin, dass die Deutsche Bank unlängst gezeigt habe, wie unterschiedlich hoch die Bilanzsumme ausfällt, wenn sie nach den amerikanischen Vorschriften US-Gaap oder nach den IFRS-Regeln für europäische Finanzkonzerne berechnet werde. Nach US-Gaap war sie nur halb so hoch. Vor diesem Hintergrund könnten amerikanische Banken leichter Kredite vergeben als europäische, warnte Prot. „Das könnte man schnell bereuen, denn mit einer bestimmten Kapital-Kennziffer muss man unter Umständen fünf bis sechs Jahre leben.“
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |