02.09.2011 · Sparkassen und Volksbanken empfehlen ihren Kunden in immer mehr Fällen den Aktienhandel über die Tradegate Börse in Berlin. Im Aktienhandel von deutschen Privatanlegern ist sie mittlerweile auf Augenhöhe mit Frankfurt.
Von Daniel Mohr, BerlinWenn ein Anleger in Deutschland Aktien kaufen möchte, bietet ihm seine Bank schon immer eine Vielzahl möglicher Börsenplätze zur Auswahl an. Seit dem Jahr 2007 muss die Bank jedoch einen aus ihrer Sicht für den Kunden besonders attraktiven Handelsplatz hervorheben. In immer mehr Fällen ist dies nun die Berliner Börse Tradegate. Seit März empfehlen die meisten Sparkassen ihren Kunden den Aktienhandel über Tradegate, seit Anfang September auch die meisten Volks- und Raiffeisenbanken. Wer als Kunde nicht eigenständig einen Börsenplatz auswählt, handelt damit automatisch über Tradegate.
Neben den traditionsreichen Börsen in Frankfurt, Stuttgart, Düsseldorf, München, Berlin, Hamburg und Hannover hat sich damit eine neue Börse in Deutschland etabliert. Im Aktienhandel von deutschen Privatanlegern ist sie mittlerweile auf Augenhöhe mit Frankfurt an der Spitze. Der Anschluss an das System der Volks- und Raiffeisenbanken und der Sparkassen sorgte für einen deutlichen Anstieg des Handelsvolumens an der Tradegate Exchange. Der Durchbruch war der 2001 in Berlin als außerbörsliche Handelsplattform gegründeten Börse jedoch schon vorher gelungen. „Die Eintrittsbarrieren in die gut bestückte deutsche Börsenlandschaft sind hoch, und die Anfangsjahre waren schwer“, sagt Thorsten Commichau, Mitgründer und Geschäftsführer der Tradegate Exchange GmbH. Seit 2007 hatte das Handelsvolumen dann jedoch eine kritische Masse überwunden und stieg auch während der Finanzkrise immer weiter (siehe Grafik).
Der bevorzugte Weg
Die Idee der Gründer um den heutigen Miteigentümer Holger Timm war es, einen speziell auf Privatanleger zugeschnittenen Handelsplatz zu schaffen. „Es sollte ein Handelsplatz von Marktteilnehmern für Marktteilnehmer werden, bei dem die Bedürfnisse der Privatanleger im Vordergrund stehen“, sagt Commichau. So war etwa von Anfang an Handel zwischen 8 und 22 Uhr möglich, Börsengebühren gab es keine. Drei Handelsbanken führen den Handel an der Tradegate durch. Diese zahlen eine Gebühr an die Börse und müssen deren Anforderungen an die Zahl und Qualität der gestellten Kurse und die Liquidität erfüllen.
Wenn andere Tradegate als Innovationsführer bei neuen Ordertypen oder als Marktführer im Privatanlegerhandel in Deutschland bezeichnen, ist das Geschäftsführer Commichau eher unangenehm, als dass er in lauten Jubel ausbrechen würde. „Wir liefern messbare Qualität, verzichten aber bewusst auf marktschreierische Versprechungen. Die Privatanleger schätzen die guten Preise, was sich in überdurchschnittlich wachsenden Umsatzzahlen widerspiegelt“, sagt der 46 Jahre alte gelernte Informatiker. „Dass einige unserer Ordertypen oder die langen Handelszeiten immer häufiger von anderen kopiert werden, zeigt, dass wir vieles richtig machen.“
Der Anleger bekommt bei Tradegate die Zahl der handelbaren Aktien samt zugehörigem Preis zur sofortigen Ausführung angezeigt. Das gilt vielen als großer Vorteil neben dem Wegfall der Börsengebühren. Der Blick auf die Handelsumsätze bestätigt den Erfolg von Tradegate: 4,2 Milliarden Euro wurden im August auf Tradegate in rund 750.000 Aktiengeschäften umgesetzt, mehr als dreimal so viel wie im August 2010. Auf dem Frankfurter Parkett wurden im Aktienhandel 4 Milliarden Euro umgesetzt, an der Börse Stuttgart 1,7 Milliarden Euro. „Unser Ziel ist es, das Wachstum fortzusetzen“, sagt Commichau. „Das wird von einem höheren Niveau aus natürlich schwieriger, aber gerade im Filialgeschäft sehen wir noch viel Potential.“ Groß geworden ist Tradegate vor allem mit den Kunden von Direktbanken, die ihre Bankgeschäfte im Internet oder per Telefon abwickeln. So berichtet die ING-Diba als größte Direktbank in Deutschland, dass der Aktienhandel über Tradegate der bevorzugte Weg ihrer Kunden sei.
Kein Zertifikatehandel
Die Anbindung der Volks- und Raiffeisenbanken und der Sparkassen an Tradegate entsprach dem Wunsch vieler Kunden. „Der Börsenplatz Tradegate hatte für Privatanleger derart an Bedeutung gewonnen, dass wir ihn selbstverständlich in unser Angebot aufgenommen haben“, sagt Karl-Martin im Brahm, Vertriebsvorstand der DWP-Bank, die als größter Wertpapierservice-Dienstleister für Banken in Deutschland tätig ist. Die Best-Execution-Empfehlung für den Handel über Tradegate erfolgte aufgrund eines Vergleichs der Börsenplätze nach Kriterien wie günstigen Gebühren, schnellem Handel, hoher Liquidität und möglichst kleinem Unterschied zwischen Kauf- und Verkaufspreisen (Spread). „Das ist ein komplexes und transparentes Messverfahren, was von der Bafin anerkannt ist“, sagt im Brahm. Im Juni wurden die bereits seit März geltenden Empfehlungen der DWP-Bank für verschiedene typische Börsengeschäfte bestätigt. Zahlreiche Sparkassen nutzen die Berechnungen des Dienstleisters als Basis für ihr Orderrouting, wenn der Anleger keinen Handelsplatz vorgegeben hat.
Den Fokus auf Privatanleger will Tradegate beibehalten. „In den Markt mit institutionellen Großanlegern einsteigen zu wollen wäre illusorisch“, sagt Commichau. „Wir machen nur das, was wir besser können als andere.“ Aus demselben Grund will Tradegate auch nicht in den Zertifikatehandel einsteigen. „Hier gibt es mit Scoach in Frankfurt und Euwax in Stuttgart zwei sehr gut aufgestellte Börsenplätze.“ Chancen rechnet sich Commichau aber bei Privatanlegern im europäischen Ausland aus. „Hier wollen wir die gute Vernetzung der Deutschen Börse nutzen.“ Seit Anfang 2010 gehört die Tradegate Exchange GmbH nämlich mehrheitlich dem Frankfurter Börsenbetreiber. Gleichzeitig wurde aus der außerbörslichen Handelsplattform ein regulierter Marktplatz.
Das Messverfahren ist immer am Preis beteiligt
Hans-J. Sauer (Wertpapierportfolio)
- 03.09.2011, 23:25 Uhr
unsägliche Werbeorgie
Wilhelm Wacker (W.Wacker)
- 03.09.2011, 10:16 Uhr
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