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Nebenwerte Übernahme katapultiert A.I.S.-Kurs nach oben

01.02.2007 ·  Regelrecht explodiert ist der Kurs der Aktie von A.I.S., dem früheren Lösch-Konzern. Hintergrund ist die Übernahme der nicht mehr operativ tätigen Gesellschaft durch einen Erbauer von Biomasse-Anlagen. Doch der ist selbst noch ein unbeschriebenes Blatt.

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Deutschland ist in der Umwelttechnik führend, ob bei alternativen Energien oder in der Schadstoffbeseitigung und -prävention. Zumindest gibt es viele Unternehmen, die Techniken aus diesem Bereich anbieten. Wohl kaum in einem anderen Land wird die Branche auch an der Börse so sehr thematisiert wie hierzulande.

Ein gutes Klima also auch für Nebenwerte aus diesem Bereich, wie der Windenergieboom der älteren und der Solarenergieboom der jüngeren Vergangenheit deutlich belegen. Im breiten Markt schien der Januar jedenfalls den kleinen Umweltaktien zu gehören. Eine Kurssteigerung von 237 Prozent verzeichnete etwa die Aktie der A.I.S. AG.

Der Lösch-Sero-Skandal

Das Unternehmen ist Anlegern durchaus bekannt, allerdings vorwiegend unter seinem früheren Namen Lösch. Lösch und sein Schwesterunternehmen Sero waren in den neunziger Jahren als Entsorgungsfirmen besonders in den neuen Bundesländern aktiv und gehörten zur Entsorgungsgruppe der Brüder Johannes und Dieter Löbbert.

Im Jahr 1998 sollten sie mit weiteren drei Gesellschaften aus dem Beteiligungskreis der Gruppe zu einem „führenden Wertstoffkonzern mit einem Umsatz von 1,6 Milliarden DM“ verschmelzen, der 1999 neu an der Börse eingeführt werden sollte.

Doch daraus wurde nichts. Ende des Jahres 1998 wurden die Löbbert-Brüder und weitere Vorstandsmitglieder unter dem Verdacht der Steuerhinterziehung, des Kreditbetrugs, unrichtiger Darstellung der Konzernverhältnisse sowie des Verstoßes gegen das Börsengesetz wegen Verdunkelungsgefahr verhaftet.

Zwischen Sero, Lösch und weiteren Unternehmen der Löbbert-Gruppe sollen zwischen 1991 und 1997 Scheinrechnungen in Höhe von insgesamt 262 Millionen DM hin- und hergeschoben worden sein. Daraus entwickelte sich einer der größten Wirtschaftsprozesse überhaupt, der noch immer andauert.

Missglückter Neuanfang

In der Zwischenzeit machte Lösch nach einem Management-Buy-Out unter dem Namen A.I.S. im Jahr 2002 einen neuen Anfang. Indes war ihr kein Glück beschieden. Die Umstrukturierung durch Teilverkäufe verfing nicht, weil die Umsatzrückgänge höhere Verluste bewirkten. 2003 folgte ein Insolvenzantrag.

Das Verfahren endet 2005, indes geriet das Unternehmen wieder in die roten Zahlen, weil das Ergebnis der einzigen operativen Tochter, der AIS Aufbereitung industrieller Sekundärstoffe GmbH, nicht stabilisiert werden konnte. Diese verkaufte ihren Geschäftsbetrieb an den Standorten Borken und Stetten am kalten Markt auf zu diesem Zweck von der Gesellschaft erworbene Gesellschaften.

Der verbleibende Geschäftsbetrieb wurde Anfang 2006 verkauft, wobei es hieß, dass „die Gesellschaft voraussichtlich keinen nennenswerten Erlös aus der Veräußerung erzielen“ werde, die anderen Töchter Ende des Jahres in die Insolvenz geschickt.

Erste Anlage noch nicht fertig gestellt

Vor wenigen Tagen hat dann mit der BPRe Biopower Renewable Energies ein neuer Großaktionär das Unternehmen übernommen. BPRe wurde nach eigenen Angaben im Jahr 2005 gegründet, hat seinen Sitz in den Vereinigten Staaten, den europäischen Sitz in der Schweiz und konzentriert seine geschäftlichen Aktivitäten, die in der Produktion von Strom aus Biomasse bestehen, insbesondere auf die neuen Bundesländer Deutschlands.

Im Juli 2006 wurde mit den Bauarbeiten für die ersten beiden Biomassekraftwerke im brandenburgischen Damsdorf begonnen. Die Fertigstellung ist für das erste Quartal 2007 geplant.

BPRe ist also kurzum ein unbeschriebenes Blatt, das an der Börse derzeit mit acht Millionen Euro bewertet wird. Ob es dies wert ist, muss sich im Lauf der Zeit herausstellen, wenn das neue Unternehmen erstmals Zahlen präsentiert.

Seit dem Kurssprung am Tag der Meldung und dem darauf folgenden hat der Kurs nachgegeben und sich erst am Donnerstag mit einem Plus von zehn Prozent wieder erholt. Das dürfte nicht zuletzt daran liegen, dass sich das Handelsvolumen wieder deutlich ausgedünnt hat. Wer also in den Wert investiert, geht ein erhebliches Risiko ein.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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