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Nebenwerte Neosino unter Betrugsverdacht

10.03.2006 ·  Ein Fernsehbeitrag bringt die Neosino-Aktie ins Schleudern: Das Papier verliert erst 50 Prozent, um danach wieder 30 Prozent zu gewinnen. Sind die Nahrungsergänzungsmittel des Nanotech-Unternehmens wirkungslos?

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Der Neue Markt ist wieder da. Diesen Eindruck vermittelt Neosino. Das Nanotechnologieunternehmen aus dem hessischen Griesheim war das erste, das in diesem Jahr neu in den Freiverkehr der Frankfurter Börse ging und sich dem Ende Oktober geschaffenen Entry Standard unterwarf.

Jetzt steht ein Betrugsverdacht im Raum. Am Donnerstag verlor die Aktie fast 50 Prozent, am Freitag, als die Firma die Vorwürfe bestritten hatte, erholte sich der Kurs und kletterte um 30 Prozent.

Neosino will gegen „Panorama“ vorgehen

Auslöser für die Kursturbulenzen war ein Bericht der Fernsehsendung „Panorama“. Neosino bietet speziell für den Sportbereich optimierte und vom Deutschen Sportbund empfohlene Nahrungsergänzungsmittel an, wie es auf der Internet-Seite heißt. Kapseln mit Mineralien in Nanogröße - ein Nanometer ist ein Millionstel Millimeter - sollen vom Körper rasch aufgenommen und verwertet werden können. Im Fernsehen sagte nun der Nano-Forscher Markus Antonietti vom Max-Planck-Institut in Potsdam, die Neosino-Produkte seien wirkungslos. Man könne auch „auf einen ganz normalen Bolzplatz gehen und den Staub, der dort aufgewirbelt wird, schlucken.“ Das hätte genau die gleiche Wirkung. Die auf Neosino-Produkten angegebene Größe der Nanopartikel habe in keiner Probe nachgewiesen werden können.

Neosino kündigte gegen „Panorama“ rechtliche Schritte an. Nach Unternehmensangaben bestätigen Messungen des Zentrums für Werkstoffanalytik Lauf und der Firma Retsch Technology, daß die Produkte Mineralien in Nanogröße enthielten. Das Max-Planck-Institut habe nicht richtig gemessen, hieß es in einer Mitteilung von Neosino. Darin wurde auch die Wertpapierhandelsaufsicht (Bafin) wegen der „verstärkten Handelsaktivitäten in der Neosino-Aktie“ um Nachforschungen gebeten.

Rauschende Börsenpremiere

Neosino ist schillernd. Das Unternehmen sendet Fernsehwerbung mit Stürmerstar Roy Makay und ist offizieller Lieferant des Fußballvereins Bayern München, dessen Vereinsarzt Müller-Wohfahrt Kompetenz vermittelt. Im Dezember 2004 gegründet, machte Neosino nach Schätzungen von Unternehmenschef Edmund Krix im Jahr 2005 konsolidiert 0,75 Millionen Euro Umsatz. Nach der Börseneinführung im Januar verdreifachte sich der Kurs, der Unternehmenswert stieg auf mehr als 200 Millionen Euro. Mehrheitsaktionär Krix, Sohn eines Schnapsbrenners, der sich mit 23 Jahren selbständig machte, ist ein alter Bekannter an der Börse: Der gelernte Informationselektroniker brachte im Jahr 1998 das Unternehmen Teleplan an den Neuen Markt.

Mit seinem neuen Unternehmen Neosino hat Krix am 4. Januar eine rauschende Börsenpremiere gefeiert. Zuvor hatten Freunde und Familie von Krix sowie institutionelle Großanleger in einer Privatplazierung 50.000 neue Aktien zum Schnapspreis von 55,55 Euro gekauft. Der Börsengang erfolgte dann ohne neues Angebot an Aktien. Das Unternehmen ließ einfach seine insgesamt 1,35 Millionen Aktien zum Handel zu. Der erste Kurs war 91 Euro - immerhin ein Plus gegenüber der Privatplazierung von mehr als 60 Prozent. Der Anstieg ging weiter - bis Donnerstag.

Anlegeranwälte wittern das große Geschäft

Neosino erfüllt - unabhängig davon, welche Nano-Experten Recht haben - höhere Transparenzanforderungen als im Freiverkehr nötig. Obwohl das Unternehmen kein öffentliches Angebot zum Kauf von Aktien abgegeben hatte, existiert ein Börsenprospekt. „Wir haben nichts zu verbergen“, sagte Krix am Freitag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. „Am liebsten wäre ich in ein höheres Börsensegment gegangen. Noch aber fehlen Neosino wegen der kurzen Unternehmenshistorie die nötigen drei Jahresabschlüsse.“

Im Emissionsprospekt wird wie üblich auf Risiken hingewiesen und als Tatsache dargestellt, daß die Grundlage des Geschäftes die Herstellung von Nanopartikeln ist. In der Haftung stehen der Emittent, also Neosino, und die begleitende Bank VEM Aktienbank. Rechtsanwälte und Wirtschaftsprüfer wiederum haben zuvor die Angaben geprüft (Due Dilligence). Auf die Bescheinigungen der Anwälte und Prüfer können VEM und Neosino im Klagefall Rückgriff nehmen. Dies mag ein Grund dafür sein, warum Anlegeranwälte bereits das große Geschäft wittern.

Quelle: ham., F.A.Z., 11.03.2006, Nr. 60 / Seite 21
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