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Nebenwerte : Mehr Dividende für mehr Risiko

Die Finanzierung von Taxilizenzen bringt hohe Dividenden Bild: AP

Hohe Dividendenrenditen sind derzeit gefragt. Einige niedrig kapitalisierte Unternehmen bieten dabei gelegentlich noch ein paar Stellen hinter dem Komma mehr. Ob sich das Risiko lohnt, muss wohl jeder Anleger für sich entscheiden.

          Dividenden spielen derzeit eine große Rolle bei Aktienkäufern. Die jüngsten Kursgewinne werden gern mitgenommen, doch so recht scheint keiner dem Frieden trauen zu wollen, nicht zuletzt da viele Werte und Märkte schon recht hohe Bewertungen erreicht haben (vgl. Sind Aktien zu teuer? ; Hohe Erwartungen an Berichtssaison der Wall Street).

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Da viele Anleger aber gleichzeitig die Strategie verfolgen, gerät so mancher Anleger in die Versuchung einmal in die unbekannteren Regionen der Börse einzutauchen, in der Hoffnung dort eine Perle für sich alleine zu finden und greift zu gering kapitalisierten und indexfernen Titeln.

          Buntes Feld

          Ob sich das lohnt, erscheint fraglich. Legt man auch für Werte mit einer Marktkapitalisierung von weniger als 500 Millionen Euro das Kriterium an, dass die Dividendenprognose eher auf länger Sicht gilt und dass das Unternehmen schon eine längere Zeit hohe Dividenden gezahlt hat, so dünnt sich das Feld rasch aus.

          Bild: F.A.Z.

          Am Ende wirft die Datenbank der Finanznachrichtenagentur Bloomberg noch 14 Aktien von Unternehmen aus, deren in den vergangenen und kommenden Jahren Dividendenrenditen mehr als 6 Prozent betrugen bzw. betragen sollen.

          Das Feld ist bunt gemischt: Jeweils drei Unternehmen kommen aus Großbritannien, Australien und den Vereinigten Staaten, der Eurozone und je eines aus Neuseeland und sogar Thailand. Am interessantesten dürfte für deutsche Anleger dabei der Online-Broker Sino sein, der seine Dienstleistungen vor allem besonders aktiven Anlegern anbietet.

          Viel Vertrauen in den Online-Broker Sino

          Das ist ein recht stabiles Geschäft, da die Profis und Halb-Profis das Handeln als Beruf oder zumindest als Berufung betrachten und sich auch in schlechten Zeiten nicht ohne weiteres verscheuchen lassen. Im Geschäftsjahr 2008/2009 führte Sino gerade einmal rund 1 Prozent Orders aus weniger als im vorangegangenen - und auch die Zahl der Depots verringerte sich lediglich um eines.

          Indes verlief das Geschäft zuletzt doch erheblich weniger zufriedenstellend. „Auch bedingt durch die Osterfeiertage blieben die für unser Geschäftsergebnis maßgeblichen Wertpapierumsätze auch im letzten Monat auf einem wenig befriedigenden Niveau“, sagte laut Pressemitteilung Gründer und Vorstand Ingo Hillen mit Blick auf den Geschäftsverlauf im März.

          Tatsächlich prophezeien Analysten im Durchschnitt, dass die nächste Dividendenausschüttung mit 69 Cents erst einmal niedriger ausfallen wird als die zuletzt gezahlten 80 Cents. Das bringt die Dividendenrendite auf immerhin 8,4 Prozent, mehr als etwa der Deutschen Telekom, dem Dividendenstar des Dax-Index' mit geschätzten 7 Prozent. Allerdings müssen Anleger vor allem kurzfristig mit einer deutlich höheren Schwankungsfreudigkeit des Kurses leben: Die Volatilität der Sino-Aktie lag in den vergangenen drei Monaten nahezu dreimal so hoch wie die der T-Aktie.

          Verordnete 90 Prozent Ausschüttungsquote

          Und dabei ist der Sino-Kurs noch vergleichsweise stabil. Auf eine Schwankungsbreite von mehr als 100 Prozent brachte es etwa der Anteilsschein des thailändischen Immobilienprojektentwicklers Sansiri, dem stetig steigende Dividendenzahlungen und Renditen von 8 bis 10 Prozent prognostiziert werden - allerdings in thailändischen Baht. Wie viel da beim deutschen Anleger hängen bleibt, entscheidet sich letztlich am Devisenmarkt.

          Das gilt letztlich auch für den König der Rangliste, für die amerikanische Beteiligungsfirma NGP, die vornehmlich Kredite an kleine Energiefirmen vergibt. Obendrein verlief die Dividendengeschichte des Unternehmens schon in Dollar immer recht schwankend, obgleich die Renditen auch in der Vergangenheit durchaus sehenswert waren.

          Die hohen Ausschüttungen erklären sich dadurch, dass NGP eine Beteiligungsfirma ist, die auf Basis des amerikanischen Investmentgesetzes von 1940 gegründet wurde. Diese Unternehmen sind verpflichtet wenigstens 90 Prozent des Gewinns auszuschütten. Das gilt auch für das Unternehmen mit dem wohl ungewöhnlichsten Geschäftsmodell, Medaillion Financial. Das Unternehmen, dessen Börsenticker „TAXI“ lautet agiert unter dem Motto „In Nischen finden sich Reichtümer“ und finanziert vornehmlich den Erwerb von Taxilizenzen. Das brachte und bringt zuletzt stabile Dividendenrenditen von mehr als 8 Prozent, wenngleich die Dividendenzahlungen derzeit eine leichte Delle haben.

          Risikoabschläge

          Sieht man von NGP ab, so bewegen sich die Prognosen für die Dividendenrenditen im allgemeinen bei 7 bis 9 Prozent, die zum Teil mit einer deutlich höheren Volatilität erkauft werden. Nicht zuletzt aber ist so manche Marktkapitalisierung extrem niedrig. Der britische Spezialist für Büroorganisation Office 2 Office bringt es gerade einmal auf 70 Millionen Euro, der australische Fakturierungspezialist Collection House auf 52 Millionen und Sino bringt gerade einmal 19 Millionen Euro auf die Waage.

          Das zeigt auch die Risiken - denn erfahrungsgemäß sind nicht nur die Aktienkurse, sondern auch die Gewinne niedrig kapitalisierter Unternehmen größeren Wertschwankungen ausgesetzt. Ob sich unter diesen Gesichtspunkten ein Investment lohnt, muss aber letztlich jeder Anleger für sich entscheiden.

          Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors wieder.

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