Manche Nebenwerte scheinen Marktkorrekturen völlig kalt zu lassen. Dazu zählt etwa die Aktie der Simona AG, einem Kunststoffhersteller mit Sitz im rheinland-pfälzischen Kirn (Isin DE0007239402). Von der Korrektur im Mai und Juni ist im Chart nichts zu sehen. Während der Baisse der Jahre 2000 bis 2003 gewannen die Titel sogar noch an Wert.
Am Dienstag lief die Aktie auf ein neues Rekordhoch: In Frankfurt waren für eine Aktie 280 Euro zu bezahlen. Am Mittwoch könnte es weiter bergauf gehen. Der Konzern gab vorbörslich bekannt, das Kunststoffgeschäft der Deutschen Holzveredelung Alfons und Ewald Schmeing oHG zum Oktober zu übernehmen. Das Geschäft verspricht 18 Millionen Euro mehr Umsatz im Jahr.
Umsatz und Gewinn steigen kräftig
Einen Kurssprung gab es schon Mitte August, was mit der Vorlage des Geschäftsberichtes zum Halbjahr zusammenhängen dürfte. Der Umsatz in den ersten sechs Monaten betrug knapp 125 Millionen Euro. Im gesamten Vorjahr waren es 230 Millionen Euro gewesen, so viel wie nie in der Firmengeschichte. Fast zwei Drittel der Umsätze erwirtschaftet die Simona AG im Ausland. Unter dem Strich blieben nach dem ersten Halbjahr 6,6 Millionen Euro Gewinn, im Gesamtjahr 2005 waren es 7,8 Millionen Euro gewesen. Die Umsatzrendite stieg damit auf mehr als acht Prozent, nach 3,4 Prozent im Vorjahr. Die Eigenkapitalquote beträgt weiterhin solide 60 Prozent.
Das Unternehmen wurde 1857 als Lederfabrik gegründet, ab 1960 wurde die Produktion sukzessive auf Kunststoffe umgestellt. Heute beschreibt sich die Simona AG als „einen der führenden europäischen Hersteller und Vertreiber von thermoplastischen Kunststoffhalbzeugen mit weltweit über 1.000 Mitarbeitern“. Zu den Standardartikeln „zählen neben extrudierten und gepreßten Platten, Voll- und Hohlstäben, Profilen und Schweißdrähten auch Rohre und Rohrformteile, Elektroschweißmuffen und Armaturen“, heißt es weiter.
Management gibt sich optimistisch
Anleger müssen wissen, daß sich nur 12,16 Prozent der Aktien in Streubesitz befinden. Einer der größten Anteilseigener ist neben Angehörigen von Vorstand und Aufsichtsrat die Georg Fischer AG aus der Schweiz, die gemeinsam mit Simona auch ein Joint Venture für Rohrleitungskomponenten betreibt.
Das Simona-Management rechnet für das Gesamtjahr mit einem Umsatzwachstum auf 240 Millionen Euro. Die jüngste Übernahme ist darin allerdings noch nicht berücksichtigt. „Das operative Konzernergebnis (Ebit) wird das Ergebnis 2005 übertreffen und in dem uns selbst gesetzten Zielbereich einer Ebit-Marge von sieben bis zehn Prozent liegen“, schreibt der Vorstand. „Dabei gehen wir zurzeit davon aus, daß wir unser Ziel eines operativen Konzernergebnisses von 15 Millionen Euro erreichen werden.“
Aktie scheint noch Potential zu haben
Der Chart zeigt seit Jahren nach oben, wenn auch eher gemächlich. In den Jahren 2001 bis 2004 kostete die Aktie etwa 200 Euro, seit Mitte vergangenen Jahres pendelt die Aktie um die Marke von 250 Euro. Jetzt ist abzuwarten, ob sich der Kurs abermals auf einem höheren Niveau etablieren kann.
Analystenstimmen zu der Aktie gibt es nicht, dafür ist die Marktkapitalisierung des Streubesitzes wohl zu klein. Als Überschlagsrechnung mag vielleicht helfen, den Gewinn des ersten Halbjahres auf das Gesamtjahr hochzurechnen. Dann würde sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12,8 ergeben, was durchaus attraktiv erscheint. Allerdings sollten Anleger beachten, daß sich Umsatz und Ertrag in den vergangenen Jahren weniger stetig nach oben entwickelten, als es der Kursverlauf vermuten läßt. Auch die Dividende ist nicht zu vernachlässigen: Im vergangenen Jahr flossen 7,50 Euro je Aktie, das entsprach einer Rendite von 3,1 Prozent.
Kann das Management Kurs halt, scheint die Simona-Aktie noch Potential zu haben. Zudem spricht der Chart für ein Investment. Weil nur wenige Aktien gehandelt werden, müssen Anleger ihre Order aber auf jeden Fall limitieren. Außerdem versteht sich von selbst, daß ein ausgemachter Nebenwert wie die Simona-Aktie nur eine kleine Beimischung im Depot sein sollte.