09.09.2010 · Die Suche nach günstig bewerteten Aktien ist derzeit mühsam. Immerhin drei spuckt die Datenbank aus. Der bekannteste unter ihnen dürfte wohl Hornbach sein.
Von Martin HockWer nach fundamentalen Kriterien investiert, ist stets auf der Suche nach günstig bewerteten Aktien. Solche zu finden ist nicht immer ganz leicht. Legt man beispielsweise ein prognostiziertes Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von weniger als 10 für das laufende und kommende Jahr an und soll das Unternehmen unter dem Buchwert bewertet sein, so bleiben an den deutschen Börsen noch 17 Aktien übrig.
Legt man auf ein Marktkapitalisierung von mehr als 100 Millionen Euro Wert, so sind es noch 11, von denen 10 eine Dividende zahlen. Nimmt man dann noch die Kursentwicklung der vergangenen 12 Monate und der vergangenen 30 Tage seit dem bislang letzten Dax-Hoch als Kriterium hinzu, so sind es drei Aktien, die zudem in den gewählten Zeiträumen eine positive Kursentwicklung verzeichnet haben.
Hornbach ist die größte
Die größte der drei Gesellschaften ist die Aktie der Baumarktkette Hornbach, nicht zu verwechseln mit der Vorzugsaktie der Hornbach Holding, die im SDax notiert. Der Unterschied ist insofern wesentlich als sich nur ein Achtel der Baumarkt-Aktien im Streubesitz befindet, der weitaus größte Teil, nämlich mehr als drei Viertel gehören der Hornbach Holding, zu der überdies die Hornbach Immobilien-AG und die Hornbach Baustoff-Union gehören.
Doch die Baumarkt AG bildet das Kerngeschäft und erwirtschaftet in dem im Februar abgelaufenen vergangenen Geschäftsjahr 94 Prozent der Umsätze der Holding und drei Viertel des Betriebsgewinns.
Das erste Quartal, das im Mai zu Ende ging, verlief auf den ersten Blick nicht spektakulär. Die Umsätze stiegen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 0,7 Prozent, das Betriebsergebnis stagnierte bei knapp 50 Millionen Euro. Grund sei die schlechte Frühjahrswitterung gewesen, allerdings habe man in fünf der neuen Länder mit Hornbach-Standorten deutliche Umsatzzuwächse auf vergleichbarer Fläche erzielt.
2011/12 soll alles besser werden
Im laufenden Geschäftsjahr rechnen Analysten im Durchschnitt mit einem Umsatzanstieg von mehr als 4 Prozent und einem weiteren, aber nur leichten Rückgang des Betriebsergebnisses. Erst im darauffolgenden Geschäftsjahr, das den Großteil des Jahres 2011 umfasst, trauen die Experten Hornbach ein Umsatzplus von immerhin 6 Prozent und ein um 12,5 Prozent höheres Betriebsergebnis zu. Dann soll auch das KGV von aktuell mehr als 9 auf weniger als 8 sinken.
Spektakuläres dürfte von der Hornbach-Aktie dennoch nicht zu erwarten sein: Das Kriterium eines Kursgewinns über 12 Monate erfüllt sie nur knapp. In den vergangenen 5 Jahren brachte sie im Jahresdurchschnitt einen Gesamtertrag von 8 Prozent. Damit aber übertraf sie den SDax deutlich, der nur 4,7 Prozent einbrachte. In den vergangenen drei Jahren aber ist die Aktie hinter dem Index zurückgeblieben. Die Dividende hatte Hornbach über fast zehn Jahre bei 87 Cent konstant gehalten. Erstmals schüttete das Unternehmen in diesem Jahr 1 Euro aus. Mit diesem Wert rechnen Analysten auch in den kommenden Jahren, so dass sich die Rendite mit 2,6 Prozent mäßig ausnimmt.
Augusta: alt bekannt, neu bewertet
Wesentlich kleiner sind die beiden anderen Aktien. Von alters her bekannter sein dürfte die Holding Augusta Technologie, die einst im Jahr 2000 zu den Höhenfliegern des Neuen Marktes gehörte und damals Kurse von umgerechnet knapp 500 Euro erreichte. Aktuell notiert diese nahe dem den höchsten Stand seit dem Schock der Lehman-Pleite bei rund 13 Euro.
Augusta ist auf Beteiligungen aus den Bereichen Sensorik, Mikrosystemtechnik und Industrielle Bildverarbeitung spezialisiert. Zu ihr gehört etwa die Allied Vision Technologies, die Kameras herstellt oder der Test- und Messinstrumentehersteller Dewetron. Zusammenbrachten es die derzeit sechs Beteiligungen im ersten Halbjahr auf einen Umsatz von 59 Millionen Euro. das war immerhin ein Plus gegenüber dem Vorjahreszeitraum von knapp 30 Prozent. Das operative Ergebnis stieg um knapp die Hälfte auf 9,6 Millionen Euro und die Auftragseingänge überstiegen mit rund 70 Millionen Euro den Vorjahreswert um mehr als drei Viertel. Daher erhöhte Augusta auch Anfang August die Prognosen.
Alte Geschichten vergessen
Analysten rechnen im Mittel im laufenden Jahr mit einem Umsatz von 117,5 Millionen Euro und einem Reingewinn von 10,3 Millionen. Damit beträgt das geschätzte KGV des laufenden Jahres rund 9,5, im kommenden Jahr soll es auf 8,3 sinken. Seit 2009 zahlt Augusta wieder Dividenden, nachdem das Unternehmen durch seine früheren Beteiligungen am Netzwerkausrüster Pandatel und dem Flachbildschirmhersteller Data Display in der ersten Hälfte des Jahrzehnts fast insolvent geworden wäre. Dabei beträgt die prognostizierte Rendite ganz ansprechende 3,25 Prozent.
Auf Zehn-Jahres-Sicht ist die Ertragsentwicklung der Augusta naturgemäß verheerend. Dafür hat sie den SDax über 5 Jahre mit einem Ertrag von mehr als 24 Prozent weit hinter sich gelassen und konnte seitdem auch weiter den Index übertreffen.
VIB Vermögen konsolidiert
Attraktiv sehen auch die Kennziffern der VIB Vermögen aus, eines vorwiegend in Süddeutschland aktiven Gewerbeimmobilienvermieters. Immerhin liegt das KGV derzeit nur wenig über 8. Allerdings soll es im kommenden Geschäftsjahr laut Analystenprognose stiegen, weil diese bei schwach steigenden Umsätzen mit Ertragsrückgängen rechnen.
Die Wachstumsaussichten sind indes derzeit offenbar nicht eben rosig. Zwar sei man gut durch die Krise gekommen und habe geringe Leerstände, sagte Prokurist Rainer Hettmer dem Deutschen Anlegerfernsehen.
Allerdings sei das Kapitalmarktumfeld schwierig. Derzeit sei eine Kapitalerhöhung nicht zu plazieren. Üblicherweise aber finanziert die VIB 30 Prozent der Käufe durch Eigenkapital, daher konsolidiert das Unternehmen derzeit und beschränkt sich auf die Vermietung.
Den Nettoinventarwert gab VIB Ende August mit 12,23 Euro an. Damit beträgt der Aktienkurs nur wenig mehr als der Hälfte des Inventarwerts, was die Aktie günstig bewertet erscheinen lässt. Mit einer prognostizierten Dividendenrendite von rund 3,9 Prozent zeigt sich die Aktie von dieser Seite als die attraktivste der drei.
In den vergangenen drei Jahren brachte die Aktie einen durchschnittlichen Verlust von 7 Prozent, hielt sich damit aber immer noch besser als der SDax. Auch auf Zwei-Jahres-Sicht konnte sie mit einem Ertrag von 12,5 Prozent diesen übertreffen, hinkte diesem aber in den vergangenen 12 Monaten hinterher.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3195 | −0,67% |
| Rohöl Brent Crude | 117,61 $ | −0,91% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |