25.11.2009 · Nanotechnik gilt als eines der großen Technik-Themen der Zukunft. Magforce, eine Beteiligung der Nanotechnik-Holding Nanostart will nun eine praktisch nebenwirkungsfreie Krebstherapie auf den Markt bringen. Viel Glück haben Anleger mit Nanotechnik-Investments bisher allerdings nicht gehabt.
Von Martin Hock„Die Nanotechnik wird die Schäden der Industriellen Revolution reparieren“, zitiert Marco Beckmann den Chemie-Nobelpreisträger Richard Smalley und nimmt ein Wasserglas zur Hand. „Sehen Sie“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Frankfurter Beteiligungsgesellschaft Nanostart, „Eine Herstellungstechnik, die sich seit Jahrzehnten nicht wesentlich weiter entwickelt hat führt zu einem Produkt, das auch eine Menge unerwünschter Eigenschaften hat“ - Abrieb, Bruch- und Infektionsgefahr, Verschmutzung.
Diese negativen Eigenschaften soll ein auf Basis von Nanotechnik hergestelltes Produkt nicht haben, weil es von der molekularen Ebene aufgebaut wird und nicht durch die Zusammenführung von Rohstoffen unter Entstehung von Abfall, Emissionen und hohem Energieverbrauch.
Chancen, Risken, Ängste
Eine schöne, neue Welt, die die Nanotechnik verspricht. Bei der Unternehmensberatung Frost & Sullivan steht sie auf der Liste der „Global Top 10 Hot Technologies to Invest“. In den kommenden zehn Jahren werde der Markt stark an Fahrt gewinnen.
Doch unlängst hat das Umweltbundesamt vor der Nanotechnik gewarnt. Der Einsatz führe zu einer vermehrten Belastung von Boden, Wasser und Luft, die Wirkungen und Risiken seien noch unzureichend erforscht. Die Verwendung von Produkten, die Nanomaterialien enthalten und frei setzen können, sei daher möglichst zu vermeiden.
„Die Angst vor irgendwelchen Partikeln, die nicht zu sehen sind, ist begreiflich“, sagt Beckmann. Aber Partikel in der Größe von 100 Nanometern oder weniger, die mehr als tausendmal kleiner sind als der Durchmesser eines Menschenhaares, befinden sich seit ehedem überall. Es komme viel mehr auf die Giftigkeit des Stoffes an, die von bestehenden Regulierungen durchaus erfasst würden.
Zudem werde seit Jahren an einer Risikoabschätzung gearbeitet. So stellt die Nanokommission des Bundes Kriterien für eine vorläufige Bewertung von Nutzen und Risiken zur Verfügung. Das europäische Projekt DaNa soll Forschungsergebnisse so aufbereiten, dass sie für interessierte Laien verständlich und zugänglich sind.
Aussicht auf Fortschritte in der Krebstherapie
Obendrein, betont Beckmann, gehe es um freie Nanopartikel - und die entstünden bei keinem Produkt, das von einer der Beteiligungsfirmen entwickelt werde. So entwickelt die mit Abstand größte und wichtigste Beteiligung, die Berliner Medizintechnik-Firma Magforce speziell umhüllte Eisenoxidpartikel, die gezielt in Tumore injiziert und durch ein magnetisches Feld erhitzt werden. Dadurch wird der Tumor geschädigt oder abgetötet. Die Patienten spürten nur eine leichte Erwärmung.
Anfang des Monats gab Magforce den erfolgreichen Abschluss der Wirksamkeitsstudie bekannt. Die 59 Teilnehmer der Studie hätten mit begleitender Bestrahlung eine mittlere Überlebenszeit von 13,4 Monaten erreicht. Bisher lag diese bei der betroffenen Patientengruppe bei 6,2 Monaten, Ziel war eine Verlängerung um drei Monate gewesen.
Obendrein sei die Therapie praktisch nebenwirkungsfrei. Nicht nur für Krebspatienten mag dies zu schön klingen, um wahr zu sein. Doch die Verringerung der Nebenwirkungen der Krebsbehandlung ist ein großes Forschungsgebiet. Jüngst wurde in Heidelberg eine Ionenstrahlanlage in Betrieb genommen, die durch gezieltere Abgabe der Strahlendosis die Belastung des gesunden Gewebes verringern soll. Die Behandlungskosten werden von den Krankenkassen übernommen.
Vor Hürden
So weit ist die nach Unternehmensangaben erheblich kostengünstigere Magforce-Therapie noch nicht. Die Erstattungsfähigkeit wird noch verhandelt. Aber, betont Beckmann, schon im Versuchsstadium habe eine große deutsche private Krankenversicherung ihren Versicherten die Kosten ersetzt. Noch muss die Therapie einige Hürden nehmen: Veröffentlichungen in Fachzeitschriften stehen an, die Zulassung soll im ersten Halbjahr 2010 erreicht werden. In Zukunft sollen weitere Anwendungsbereiche erschlossen werden. Derzeit ist Blutkrebs nicht behandelbar und auch Metastasen nicht.
Legt man die Marktkapitalisierung der Magforce gegenüber den Anschaffungskosten der meist nicht börsennotierten anderen Beteiligungen von Nanostart zugrunde, so entfällt auf sie rund 90 Prozent des Portfoliowertes. Damit kommt Magforce eine hohe Bedeutung zu. „Ich könnte nicht sagen, woran es scheitern sollte“, sagt Beckmann. „Höchstens an irgendetwas, was in 22 Jahren Forschung noch nie aufgetreten ist und sich niemand vorstellen kann.“
Doch sei Nanostart auch nicht vom Erfolg der Magforce abhängig. Nicht notierten Beteiligungen im Portfolio bärgen große Reserven. So etwa Namos, an dem Nanostart rund 16 Prozent hält und das einst eine Implantatbeschichtung zur Marktreife führte und an den Hersteller Biomet verkaufte; Derzeit arbeite das Unternehmen an einer Beschichtung für Katalysatoren, die das Eindringen der Platinpartikel in die Keramik verhindern und so zu einer Materialeinsparung von bis zu 50 Prozent führen soll.
Umstrittener Großaktionär
Doch nicht alles lief bei Nanostart nach Plan. „Wir haben eine wilde Zeit hinter uns“, sagt Beckmann. Zwei amerikanische Minderheitsbeteiligungen wurden von Großaktionären in die Insolvenz geschickt. Die börsennotierte ItN Nanovation geriet in Liquiditätsnöte, verlor die Hälfte des Grundkapitals und musste saniert werden.
Zudem stiegen im Zuge der Finanzkrise institutionelle Investoren komplett aus. In der Folge stürzte der Aktienkurs 2008 um 80 Prozent ab. „Wir sind froh, dass unser Großaktionär zu uns gestanden hat“, sagt Beckmann und bezieht sich damit auf Bernd Förtsch, den Gründer und Großaktionär der Börsenmedien AG, eine in der deutschen Börsenszene umstrittene Figur.
Nicht immer war Förtschs Investment für Nanostart positiv. Das bekam das Unternehmen besonders beim Börsengang zu spüren. Doch Beckmann bemüht sich klarzustellen: „Grundsätzlich werden in Medien von Bernd Förtsch keine Empfehlungen für Nanostart und ihre Beteiligungen abgegeben“. Fall dort Mitarbeiter zu Wort kämen, werde über die Verflechtungen aufgeklärt.
Seit dem Tief des vergangenen Dezembers hat sich der Kurs der Nanostart-Aktie fast schon wieder rund vervierfacht. Das zeigt eine deutlich erhöhte Volatilität. Das Portfolio der Beteiligungsgesellschaft könnte durchaus Chancen zu bieten. Da Nanostart seine Beteiligungen nicht konsolidiert und diese zumeist keine Publikumsgesellschaften sind, ist es schwer, sich vom Wert des Portfolios ein aussagekräftiges Bild zu machen.
So lässt sich nur allgemein konstatieren, dass problematische Beteiligungen immer wieder mittelständische Beteiligungsunternehmen unter Druck gebracht haben. Auch wenn Nanotechnik als zukunftsweisend gilt, haben viele Anleger in der Vergangenheit mit ihren Investments keine guten Erfahrungen gemacht. Mit Ausnahme des in Dollar denominierten Powershares-Indexfonds (Isin: US73935X6334) existiert keiner der einstigen Nanotech-Fonds heute mehr, auch nicht der DAC Nanotech-Fonds, für den Nanostart bis zum Oktober 2007 ein Beratungsmandat hatte.
Glücklose Fonds
Der Fonds lief schlecht, heißt es beim für die DAC-Fonds verantwortlichen Online-Broker Flatex. Nach sehr großen Mittelabflüssen aus dem Nanotech-Fonds, dessen Volumen laut der Verwaltungsgesellschaft Hauck & Aufhäuser auch in Spitzenzeiten nur 15 bis 20 Millionen Euro betrug, entschlossen sich die Verantwortlichen vor einigen Monaten zur endgültigen Liquidation.
Die Investmentvehikel standen vor dem verschärften Grundsatzproblem der Branchenfonds, nämlich, dass das Anlageuniversum nicht nur von vornherein schmal war, sondern zudem immer dünner wurde. Die meist kleinen börsennotierten Firmen wurden bei Erfolg übernommen oder dieser blieb eben aus, während nur wenig Neuemissionen nachkamen. Zudem brachten Vorwürfe gegen die Firma Neosino wegen angeblicher Wirkungslosigkeit ihrer Produkte die Branche in Verruf.
Hohe Kursschwankungen
Mittlerweile haben sich aber viele Kurse einstiger Fondswerte deutlich erholt. Der Kurs der Aktie von Bruker, einst eine große Position im DAC-Fonds stürzte im Herbst 2008 um 80 Prozent ab - seitdem hat er sich wieder verdreifacht. Veeco Instruments, eine Position des Activest-Fonds, verloren seinerzeit rund 75 Prozent und haben sich nun mehr als versechsfacht. Nanostart verloren damals 70 Prozent.
Auch das zeigt, dass Anleger bei Nano-Investments mit einer hohe Volatilität rechnen müssen. Das zeigt auch der im September erfolgte Börsengang der amerikanischen A123 Systems, deren Kurs zunächst um ein Viertel stieg, dann aber um fast die Hälfte abstürzte, am Dienstag aber um mehr als 17 Prozent zulegte.
Langer Atem oder kurze Sprints
Wenngleich die Magforce-Technik erfolgversprechend scheint, so wird sich wohl erst einige Zeit nach der (erwarteten) Zulassung herauskristallisieren, wie durchschlagend dieser sein kann. Insofern erscheint ein Investment in der Nanostart-Aktie vor allem für Anleger interessant, die vom Erfolg der Nanotechnik im allgemeinen und der Nanostart-Firmen im speziellen überzeugt sind und dabei auch sehr langen Atem mitbringen - oder auf kurzfristige Kurssprünge spekulieren, wie nach der Erfolgsmeldung von Magforce, die dem Aktienkurs ein Plus von mehr als 16 Prozent brachte. Mittlerweile aber scheint die Begeisterung verraucht, in den vergangenen fiel der Kurs wieder um knapp 9 Prozent.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |