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Nahrungsmittelbranche Kraft-Angebot für Cadbury bringt Schwung

07.09.2009 ·  Mit satten Kursgewinnen reagiert die Aktie des britischen Nahrungsmittelunternehmens Cadbury auf ein von Kraft unterbreitetes Übernahmeangebot. Kraft bietet einen guten Preis und bringt die Phantasie in Bezug auf die Branche in Bewegung

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Mit Kursgewinnen von bis zu 42 Prozent auf bis zu 808 Pence je Aktie reagiert am Montag die Aktie des britischen Nahrungsmittelunternehmens Cadbury auf ein von Kraft unterbreitetes Übernahmeangebot.

Mit seinem 16,7 Milliarden Dollar schweren Übernahmeangebot biss der amerikanische Lebensmittelgigant jedoch zunächst auf Granit: Cadbury hält sich für wertvoller und lehnte ab. Jetzt gilt eine Aufstockung des Angebotes als wahrscheinlich - Branchenexperten halten aber auch ein Alternativangebot des Schweizer Weltmarktführers Nestle für möglich.

Kraft bietet einen guten Preis für Cadbury

Kraft will mit der Fusion nach eigenen Angaben einen weltweit mächtigen Anbieter von Snacks, Süßwaren und Fertiggerichten mit einem Umsatz von rund 50 Milliarden Dollar schaffen. Deshalb will der Hersteller von Markenprodukten wie Philadelphia-Käse und oder Jacobs-Kaffee nicht lockerlassen und Cadbury umstimmen, vermutet man.

Die britische Traditionsfirma mit über 46.000 Beschäftigten schmetterte das Angebot als viel zu niedrig ab und erklärte, auch alleine hervorragende Geschäftsaussichten zu haben. Cadbury vertreibt unter anderem den in Großbritannien beliebten Schokoriegel „Dairy Milk“ und „Maynard“ Weingummis. Das Unternehmen hatte den Status als weltgrößter Süßwarenhersteller an den amerikanischen Rivalen Mars verloren, als dieser 2007 für 23 Milliarden Dollar den Kaugummiproduzenten Wrigley's schluckte. Zwischenzeitlich gehörte auch der Softdrink-Hersteller Schweppes zum Imperium der Briten, wurde jedoch wieder abgespalten.

Gemessen an den aktuellen Börsenkursen bot Kraft in seiner Offerte aus Bargeld und eigenen Aktien 745 Pence pro Cadbury-Aktie, was einem Aufschlag von gut 30 Prozent auf den Schlusskurs vom Freitag entsprach. Börsianer spekulieren nun angesichts der Kursgewinne offenbar darauf, dass Cadbury teurer verkauft werden wird. Dabei ist die Aktie des Unternehmens mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von knapp 23 und 21 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr schon vergleichsweise teuer geworden.

Potentielle Interessenten scheinen jedoch davon auszugehen, dass Cadbury in den kommenden Jahren wieder an die Gewinnentwicklung der vergangenen Jahre wird anknüpfen können. Tatsächlich erzielte es im bisherigen Spitzenjahr einen Gewinn je Aktie von 58 Pence, während die Gewinnschätzungen für das laufende Jahr bei 35 und für das kommende bei 39 Pence liegen.

... und bringt die Phantasie in Bezug auf die Branche in Bewegung

Die Kraft-Offerte regte die Fusionsphantasie in der gesamten Lebensmittelbranche an. Die Aktien von Nestle verteuern sich um etwas mehr als ein Prozent, die Papiere von Unilever klettern um zwei Prozent, während die Anteilsscheine von Danone in Paris sogar um 3,7 Prozent zulegen. Auch die Anteilsscheine der Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli verzeichnen deutliche Kursgewinne. Dagegen bewegten sich die Aktien von Barry Callebaut kaum.

Branchenexperten sagen übereinstimmend, Kraft müsse sein Angebot auf mindestens 800 Pence aufstocken, um zum Zuge zu kommen. „Eine Schlüsselfrage ist, ob es ein Gegenangebot geben wird - am ehesten von einem Konsortium unter Nestle-Führung“, erklärt Graham Jones von Panmure Gordon in London der Nachrichtenagentur Reuters. Nestle wollte nicht verraten, ob ein Gegenangebot in Planung ist. „Wir sind immer offen für gute Gelegenheiten, haben aber 2009 und 2010 keine Pläne für größere Übernahmen“, erklärte Nestle-Chef Paul Bulcke.

Branchenexperten halten es jedoch für möglich, dass sich Nestle mit einer anderen Firma - etwa dem amerikanische Schokoladenhersteller Hershey - zusammentut, um Cadbury zu kaufen und danach aufzuteilen. Dies wäre wohl nötig, da die Kartellbehörden eine alleinigen Übernahme durch Nestle nicht genehmigen dürften. Beide Unternehmen seien unter anderem stark auf dem Schokoladen-Markt in Großbritannien vertreten, heißt es.

Tatsächlich zeigt das Übernahmeangebot, wie professionelle Anleger und längerfristig orientierte Investoren auf die Wirtschafts- und Finanzkrise und vor allem auch auf die möglichen Folgen der gewählten wirtschafts- und finanzpolitischen Gegenmittel reagieren. Sie setzen auf die Hersteller von Marken, die in einem Bereich mit relativ geringer Nachfrageelastizität eine gewisse Preissetzungsmacht haben. Gerade in den vergangenen Jahren ist es ihnen gelungen, Preise zu erhöhen und auf diesem Niveau zu halten, während auf der anderen Seite die Rohstoffpreise gerade im Agrarbereich wieder deutlich unter Druck stehen. Diese Kombination deutet auf gute Margen hin.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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