21.08.2007 · Die Bierbranche macht seit Jahren einen Schrumpfungsprozess sondergleichen durch. Doch es gibt auch Brauereien, denen es gut geht. Nur befinden die sich meistens nicht im Land des Reinheitsgebots.
Gegessen und getrunken wird immer - an dieser Binsenweisheit ist etwas dran. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass es den Nahrungsmittel- und Getränkefirmen stets glänzend geht. Die Bierbranche macht seit Jahren einen Schrumpfungsprozess sondergleichen durch. Im Jahr 2006 erzeugten etwa die hessischen Brauereien 326 Millionen Liter Bier. Vor zehn Jahren war die produzierte Menge noch doppelt so hoch.
Trotzdem: Es gibt Brauereien, denen es gut geht. Nur befinden die sich meistens nicht im Land des Reinheitsgebots. Und es sind keine Brauer, die ihren Ausstoß in Tausenden von Hektolitern beziffern, sondern in Millionen. Solche Braukonzerne werden dann an der Börse gehandelt, und sie heißen Inbev oder Heineken.
Kräftig steigende Gewinne
Zuletzt hat die niederländische Heineken-Brauerei auf sich aufmerksam gemacht - nicht mit der Qualität ihres Biers, sondern mit guten Geschäftszahlen. Der drittgrößte Bier-Anbieter weltweit (nach der belgischen Inbev und der amerikanischen Anheuser-Busch) hatte zu Jahresbeginn noch ein Gewinnplus von zehn bis 13 Prozent in Aussicht gestellt. Mitte Juli dann die Überraschung: Der Nettogewinn aus dem organischen Geschäft soll in diesem Jahr um 20 bis 25 Prozent steigen.
Die erhöhte Gewinnschätzung überrascht, schließlich klagen die Brauereien über stark verteuerte Rohstoffe. Weil die Ernte 2007 wetterbedingt dürftig ausfällt, steigt der Preis für Gerste deutlich. Heineken meldete zuletzt einen Anstieg der Rohstoffkosten von sieben bis acht Prozent.
Doch werden diese Belastungen durch den höheren Bierdurst der Konsumenten mehr als ausgeglichen. Im ersten Halbjahr stieg der Bierabsatz um 9,3 Prozent auf 58,2 Millionen Hektoliter. 8,3 Prozent waren dabei organisches Wachstum, nur ein Prozent hatten mit Brauereizukäufen zu tun, vor allem in Vietnam.
Der Durst der Asiaten und Afrikaner
Es ist häufig so: Wenn Unternehmen auf ihrem Heimatmarkt schwächeln, gehen sie ins Ausland. Die mehr als 140 Jahre alte Heineken-Brauerei zog es schon früh über die niederländischen Grenzen hinaus. Heute gehören mehr als 115 Brauereien in mehr als 65 Ländern zu dem Bierimperium mit seinen rund 57.500 Beschäftigten und 170 Marken (inklusive Heineken und Amstel). Ob Al Ahram Beverages Company in Kairo, Namibia Breweries in Windhoek, Cambodia Brewery in Phnom Penh oder Brasserie Lorraine auf Martinique - alles Heineken.
Damit können die Holländer zumindest international punkten, wenn das Geschäft auf dem Kontinent stockt. Und das tut es. In Westeuropa legte der Bierabsatz gerade mal um ein Prozent zu. In Afrika ging der Ausstoß dagegen um 16,5 Prozent nach oben, in der Region Asien-Pazifik gar um mehr als 30 Prozent. Und auch in der wichtigsten Region, Zentral- und Osteuropa, war das Plus mit zwölf Prozent auf 24,5 Millionen Hektoliter beeindruckend.
Analysten heben Kursziel an
Analysten finden die Entwicklung gut. Morgan Stanley hebt das Kursziel für die Heineken-Aktie von 44,50 Euro auf 46,75 Euro und bestätigt die Einschätzung „overweight“ (übergewichten). Analyst Jonathan Cook verwies am Dienstag auf die sich fortsetzende starke Umsatzentwicklung. Auch Jonathan Fell von der Deutschen Bank verweist auf die anhaltend starke Wachstumsdynamik des Titels und bestätigt seine Einschätzung „buy“ (kaufen). Das Kursziel hob er von 42 auf 50 Euro an. Am Dienstagabend notierte die Heineken-Aktie mit 44,67 Euro ein halbes Prozent fester.
So gut die Aussichten für Heineken aussehen, eines sollten Anleger freilich beachten: Billig ist die Aktie nicht mehr, das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist mit 19,3 (2007) schon relativ weit oben angesiedelt. Freilich sieht die Situation auch beim Konkurrenten Inbev ähnlich aus (KGV 18,5).
Trotzdem: Wer Umsatz und Gewinn so konsequent steigert, hat einen Aufschlag verdient. Schließlich wächst Heineken - und das ist stets ein gutes Zeichen - mit den Erträgen schneller als mit dem Umsatz. Im vergangenen Jahr steigerte der Konzern den um Sondereinflüsse bereinigten Gewinn nach Steuern um 12,6 Prozent auf 930 Millionen Euro. Der Umsatz legte um sieben Prozent auf 11,8 Milliarden Euro zu.
Heineken wird seine ausführlichen Halbjahreszahlen am Mittwoch in einer Woche (29. August) veröffentlichen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |