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Nachhaltige Geldanlagen : Von Anlegern kaum belohnt

  • -Aktualisiert am

Nachhaltigkeitsaktien Europa und Welt Bild: F.A.Z.

Viele deutsche Anleger haben offenbar kein Herz für Nachhaltigkeit. Die Kurse fallen meist kurz nach der Aufnahme der Aktien in den entsprechenden Auswahlindex.

          Viele deutsche Anleger haben offenbar kein Herz für Nachhaltigkeit. Dies lässt eine Studie der Universität Marburg vermuten, die untersucht, wie sich Aktien verhalten, nachdem sie in einem Nachhaltigkeitsindex notieren. „Unsere Untersuchung legt nahe, dass die Aktienmärkte die Aufnahme in einen Nachhaltigkeitsaktienindex unter Umständen bestrafen“, heißt es in der Studie. Allerdings weisen die Autoren darauf hin, dass ihre Einschätzung in erster Linie für den Dow Jones Sustainability Index (DJSI) Welt gelte und weniger für den DJSI Europa. Im Durchschnitt müsse eine Aktie in den ersten fünf Tagen nach einer Aufnahme in den DJSI Welt einen Kursverlust von mehr als 4 Prozent verkraften.

          Bei nachhaltigen Geldanlagen zielen die Anleger nicht allein auf eine hohe Rendite ab, sondern achten auch darauf, wie stark die Unternehmen die Schonung der Umwelt, ethische Standards und ihre gesellschaftliche Verantwortung berücksichtigen. Ein Standard, der sich herausgebildet hat, sind die ESG-Kriterien, wobei E für Umwelt (Environment), S für Soziales und G für Governance (Unternehmensführung) stehen.

          Härtere Kriterien für den Welt-Index

          Die Schweizer Vermögensverwaltung SAM beispielsweise, die zusammen mit Dow Jones die Indexfamilie DJSI betreut, schreibt jedes Jahr im April die nach Aktien im Streubesitz 2500 größten Unternehmen an. In einem langen Fragebogen sollen sie über Fortschritte auf dem Weg zu einer nachhaltigen Wirtschaftsweise berichten. Im September jedes Jahres veröffentlichen SAM und Dow Jones, wie sich der Index zusammensetzt.

          Um sich für den DJSI Welt zu qualifizieren, muss ein Unternehmen zu den besten 10 Prozent seiner Branche zählen. Für den DJSI Europa genügt es, unter den besten 20 Prozent zu sein. Gleichzeitig muss ein Unternehmen mindestens 50 Prozent der Bewertung des Branchenbesten erhalten. Die Aufnahme in den Europa-Index unterliegt somit weniger strengen Vorgaben als eine in den Welt-Index.

          15,5 Milliarden Euro betrug 2010 in Deutschland das in Publikumsfonds und Vermögensverwaltungsmandaten nachhaltig angelegte Vermögen laut Forum Nachhaltige Geldanlagen. In der Schweiz belief es sich auf 32,5 Milliarden Euro und somit auf mehr als das Doppelte, obwohl das Land mit 7,9 Millionen Einwohnern weniger als ein Zehntel der deutschen Bevölkerung zählt.

          Die Ergebnisse der Studie ließen darauf schließen, dass die Finanzmärkte eine höhere Anstrengung in Bezug auf Umwelt- und Sozialstandards nicht honorierten, stellen die Autoren fest. Dass Investoren eine Aufnahme in den DJSI Welt härter bestraften als eine Aufnahme in den Europa-Index, liege daran, dass eine Aufnahme in den DJSI Welt auch keine positive Auswirkung auf die Kursentwicklung habe. Die Investoren achteten vor allem auf den sichtbaren Index, und dies sei der Welt-Index, weil dieser größere Beachtung auf den Märkten finde.

          Generell sei die Rendite von Nachhaltigkeitsaktien höher als die von weniger nachhaltigen Aktien, lautet das Fazit einer Studie der Harvard Business School. Hier wurde eine Stichprobe von 180 Unternehmen untersucht, die nach anderen Kriterien als in der deutschen Studie ausgesucht wurden. Somit sind die beiden Studien nicht direkt vergleichbar. „Wir können nachweisen, dass Unternehmen, die vor vielen Jahren auf freiwilliger Basis eine Umwelt- und Sozialpolitik einführten, langfristig spürbar jene Unternehmen übertreffen, die auf einem niedrigen Nachhaltigkeitsniveau rangieren, sowohl was die Kursentwicklung der Aktie als auch was die Leistung in der Rechnungslegung betrifft“, heißt es dort.

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