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Nachhaltige Geldanlagen : Grün bringt Geld

Oh, du schöner deutscher Wald Bild: Frank Röth

Politisch korrekte Geldanlagen erleben einen Boom: Den Anlegern geht es dabei nicht um Ethik und Moral. Sondern um ordentliche Renditen. Einige Grundregeln sind dennoch zu beachten.

          Man wird nicht behaupten können, dass es die Welt jemals groß interessiert hätte, was im Finanzausschuss des norwegischen Parlamentes so vor sich geht. Auch als die Abgeordneten am vergangenen Mittwoch zusammenkamen, sah es nicht danach aus, als ob sich dies nun plötzlich ändern könnte. Doch nachdem die Parlamentarier am Abend auseinandergegangen waren, fielen am nächsten Morgen pünktlich zur Eröffnung der Börsen mit einem Mal die Aktienkurse vieler Energieversorger in aller Welt, auch in Deutschland.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Was war geschehen? Der Ausschuss hatte eine neue Richtlinie für Norwegens Staatsfonds beschlossen, mit einem Anlagevolumen von 835 Milliarden Euro der größte der Welt: In Zukunft, so die Vorgabe, soll der Fonds nicht mehr in Energieunternehmen investieren, die mehr als 30 Prozent ihres Umsatzes mit klimaschädlicher Kohle erzielen. Auch wenn das Parlament noch zustimmen muss, ist dies für deutsche Konzerne wie RWE und Eon keine gute Nachricht. Denn Norwegens mächtiger Staatsfonds ist zurzeit noch mit einigen Millionen Euro bei ihnen investiert. Für alle Anleger dagegen bedeutet die Entscheidung vom Mittwoch: Das, was einst unter dem Modewort „Nachhaltigkeit“ als kleine Investmentidee begann, kann nun niemand in der Finanzwelt mehr ignorieren.

          Es sind längst nicht mehr nur Investoren wie Kirchen oder christliche Stiftungen, die ihr Geld ökologisch und ethisch korrekt angelegt sehen wollen. Mittlerweile suchen auch Versicherungen und Versorgungswerke vermehrt nach grünen Anlagechancen. Die Geldmanager von Axa Investment beispielsweise verwalten vorwiegend für deutsche und französische Pensionsfonds sechs Milliarden Euro gemäß nachhaltigen Kriterien, das ist ein Viertel mehr als noch vor einem Jahr. Auch die Fondsgesellschaft Union Investment weiß von ähnlichen Zuwächsen zu berichten.

          Für die neuen Investoren spielt dabei das ganze Gerede vom Anlegen im Einklang mit Natur und gutem Gewissen, dem man als skeptischer Beobachter ohnehin nie richtig Glauben schenken mochte, erfreulicherweise kaum eine Rolle (auch wenn die Anleger dies natürlich öffentlich nie sagen würden). Nein, ihnen geht es nicht um Gutmenschentum, sondern ums Geld. Denn wer sich heute gar nicht mit den Prinzipien nachhaltigen Investierens beschäftigt, geht ein hohes Risiko ein - die Gefahr großer Verluste. Darum ist es auch für Privatanleger sinnvoll, sich mit dem Thema zu befassen. Zumal nachhaltige Anlagen richtig ordentliche Renditen einbringen können.

          Worin aber soll nun das Risiko bestehen, könnte sich manch zweifelnder Investor fragen. Schließlich konnten sich selbst die glühendsten Verfechter der Idee bislang nicht auf eine klare Definition nachhaltiger Geldanlage einigen: Investitionen in klassische Wasserversorger wie Veolia zählen je nach Gusto genauso dazu wie Investitionen in Wälder, die Aktien von Pharmaunternehmen genauso wie die Aktien von Solarfirmen. Wie soll man sich auf etwas einstellen, das derart beliebig daherkommt?

          Nachhaltigkeitskriterien sind Bestandteil des Risikomanagements

          Doch auch wenn mancher Fondsanbieter die unklare Begriffslage ausnutzt, um sich mit dem werbewirksamen Siegel der Nachhaltigkeit zu schmücken, hat sich doch etwas verändert. Es gibt unter Investoren mittlerweile eine Art Minimalkonsens, was auf keinen Fall als ethisch-korrektes Investieren gelten kann: Kinderarbeit, Waffenherstellung und jede Art von Produktion, die stark der Umwelt schadet. Verletzt ein börsennotiertes Unternehmen diese Mindeststandards, schlägt das direkt auf den Aktienkurs durch - und damit auf die Portfolios seiner Aktionäre.

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