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Veröffentlicht: 29.03.2012, 19:18 Uhr

Nach gescheitertem Börsengang Spekulationen über gezielten Computerangriff auf Bats

Der Datendienstleister Nanex vermutet eine Verschwörung hinter dem gescheiterten Börsengang der Plattform Bats Global Markets: Bei dem raschen Kurssturz der Aktie habe es sich um einen gezielten Angriff eines Computerhandelsprogramms gehandelt.

von , New York
© The New York Times/Redux/Laif Hat den Vorsitz im Verwaltungsrat verloren: Joe Ratterman, der Vorstandsvorsitzende von Bats

Der geplatzte Börsengang der elektronischen Handelsplattform Bats Global Markets am vergangenen Freitag führt an der Wall Street zu Verschwörungstheorien. Nach einer Analyse des Datendienstleisters Nanex hat es sich bei dem raschen Kurssturz der Bats-Aktie zur Handelseröffnung um einen gezielten Angriff eines Computerhandelsprogramms gehandelt.

Norbert Kuls Folgen:

Bats, der drittgrößte amerikanische Aktienbörsenbetreiber nach Nyse Euronext und Nasdaq OMX, hatte am Freitag seinen Börsengang nach Computerproblemen am ersten Handelstag zurückgezogen. Nach Angaben von Bats war ein Fehler in einer neuen Software für Börsengänge die Ursache für die Schwierigkeiten bei der Handelsabwicklung. Der Aktienkurs von Bats war nach Eröffnung innerhalb von nur 1,5 Sekunden von 15,25 Dollar auf fast 0 Dollar abgestürzt, bevor der Handel ausgesetzt wurde.

„Den Kurs von Bats auf null zu bringen“

Der Datenspezialist Nanex sprach in der Analyse des Kursverlaufs von „hochgenauen und präzise erneuerten Angebotskursen eines hochentwickelten Algorithmus, der programmiert war, den Kurs von Bats auf null zu bringen.“ Hinter der Attacke müsse jemand stehen, dessen Computer direkt mit der elektronischen Börse Nasdaq verbunden sind, da es sich um eine besondere Auftragsvariante, sogenannte Intermarket Sweep Orders, handelte.

Der an der Wall Street vielbeachtete Finanzblog Zero Hedge hat die Nanex-Analyse aufgegriffen und mutmaßt nun, dass Konkurrenten wie die Nasdaq OMX oder die Nyse Euronext, der Betreiber der New Yorker Aktienbörse, hinter der Attacke stehen könnten. Die beiden größten amerikanischen Aktienbörsen „balgten“ sich um Einnahmen, und nach der gescheiterten Fusion von Nyse Euronext mit der Deutschen Börse sei nun jeder „dreckige Trick“ erlaubt, schreibt Zero Hedge. Der Blog, dessen Einträge von anonymen Verfassern unter einem Pseudonym verfasst werden, sprach von einem „Skynet-Krieg“ der Börsen, eine Referenz an das bösartige Computernetzwerk aus den „Terminator“-Filmen mit Arnold Schwarzenegger.

Geschäft hat sich wieder normalisiert

Der geplante Zusammenschluss von Nyse Euronext und Deutscher Börse war kürzlich am Widerstand der europäischen Kartellbehörden gescheitert. Zwischenzeitlich hatte die Nasdaq ein Angebot für die Nyse Euronext abgegeben, um im globalen Wettbewerb nicht ins Hintertreffen zu geraten. Die Offerte war allerdings bei den amerikanischen Kartellwächtern auf Ablehnung gestoßen.

Bats war im Jahr 2005 gegründet worden, um mit Nyse und Nasdaq zu konkurrieren. Zuletzt entfielen schätzungsweise durchschnittlich 11 Prozent der täglichen Aktienumsätze an amerikanischen Börsen auf Bats. Am Freitag war der Anteil am Handelsvolumen wegen des Börsendebakels auf rund 9 Prozent gefallen. In den vergangenen Tagen hat sich das Geschäft allerdings wieder normalisiert.

Fondsgesellschaften drängen auf Rückzug

Bats hatte die Computerprobleme am vergangenen Freitag nach eigenen Angaben rasch wieder im Griff. Große Fondsgesellschaften und Hedgefonds, die an Bats beteiligt sind, drängten allerdings auf einen Rückzug von der Börse, um keine weiteren Kursverluste und mögliche Anlegerklagen zu riskieren. Der Verwaltungsrat von Bats will in den kommenden Wochen eine Entscheidung treffen, ob und wann es einen neuen Börsengang geben wird. „Wir sind nicht in der Situation, sofort zurückzugehen“, sagte der Vorstandsvorsitzende von Bats, Joe Ratterman. Einer der Gründer von Bats, Dave Cummings, der über einen Fonds an dem Börsenbetreiber beteiligt ist, drängte auf einen abermaligen Versuch im zweiten Quartal.

Bats entzog Ratterman unterdessen den Verwaltungsratsvorsitz. Er bleibt allerdings Vorstandsvorsitzender. Von einer Trennung dieser Posten verspricht sich Bats eine bessere Unternehmensführung, da der Verwaltungsrat die Geschäftsführung kontrolliert. Larry Tabb, Gründer der Beratungsgesellschaft Tabb Group bezeichnete die Maßnahme als Strafe für Ratterman. „Die hätten den Kerl absolut feuern können, aber ich glaube, dass der Verwaltungsrat ihm vertraut“, sagte Tabb.

Mehr zum Thema

Die Handelssysteme von Bats galten bisher als äußerst verlässlich und werden von schnellen Computerhändlern bevorzugt. Bats steht deswegen im Visier der Börsenaufsicht SEC, die den großen Einfluss des sogenannten Hochfrequenzhandels auf die Aktienmärkte möglicherweise beschränken will. Die SEC prüft diesen Marktbereich und hat von Bats Informationen über Verbindungen zu Hochfrequenz-Handelshäusern angefordert.

Quelle: F.A.Z.

 

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