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Nach dem Massaker Waffenhersteller fallen in Ungnade

Die Debatte um schärfere Waffengesetze nach dem Massaker von Newtown drückt die Aktienkurse. Die Beteiligungsgesellschaft Cerberus will ihr Konglomerat Freedom Group verkaufen.

Börsianer an der Wall Street wenden sich nach dem Massaker an einer Grundschule der amerikanischen Kleinstadt Newtown am vergangenen Freitag von Waffenherstellern ab. Der Aktienkurs des Herstellers Smith & Wesson Holding fiel am Montag um 5,2 Prozent und sackte am Dienstag um weitere 10 Prozent ab. Der Kurs des Konkurrenten Sturm, Ruger & Co. verlor am Montag 3,5 Prozent und ermäßigte sich am Dienstag um weitere fast 8 Prozent. Stark unter Druck geriet auch der Aktienkurs des Einzelhändlers Cabela’s, der auf Outdoor-Aktivitäten spezialisiert ist und Waffen im Sortiment hat.

Norbert Kuls Folgen:  

Der Grund für diese Entwicklung ist die Debatte um schärfere Waffengesetze, die in den Vereinigten Staaten nach dem Amoklauf an Fahrt aufnimmt. Am Dienstag gab zudem die Beteiligungsgesellschaft Cerberus den geplanten Verkauf ihres nicht börsennotierten Waffenherstellers Freedom Group bekannt. Der Amokschütze hatte ein Sturmgewehr des Herstellers Bushmaster benutzt, um 20 Erstklässler und sechs Angestellte der Schule zu erschießen. Bushmaster ist einer von mehreren Waffen- und Munitionsproduzenten, die Cerberus 2007 unter dem Dach der Freedom Group zusammengefügt hatte. „Es ist nicht unsere Aufgabe, eine Position in der Debatte um Waffengesetze einzunehmen, oder einen Versuch zu unternehmen, sie zu formen oder zu beeinflussen. Das ist die Aufgabe des Gesetzgebers“, teilte Cerberus mit. Es gebe aber Maßnahmen die „wir als Unternehmen“ ergreifen könnten.

Blutbad mit Waffen aus Europa

Der zwanzigjährige Schütze, der nach dem Blutbad Selbstmord begann, verfügte zudem über ein Sturmgewehr des deutsch-schweizerischen Herstellers Sig Sauer und eine Pistole des österreichischen Herstellers Glock. Die Waffen aus der Produktion der nicht börsennotierten Unternehmen waren auf die Mutter des Schützen zugelassen, die ebenfalls erschossen aufgefunden worden war.

Infografik / Aktien von Waffenherstellern unter Druck © F.A.Z. Bilderstrecke 

Cerberus reagierte mit dem Verkauf offenbar auch auf den Druck großer Investoren. Der kalifornische Finanzminister Bill Lockyer hat zwei große Pensionsfonds des Bundesstaates aufgefordert, Rechenschaft über ihre Beteiligungen an Waffenherstellern abzulegen. Lockyer sorgt sich besonders wegen der Produzenten von halbautomatischen Sturmgewehren, deren Besitz in Kalifornien verboten ist. „Die beiden Pensionsfonds sollten keine Beteiligungen an Herstellern von Waffen halten, die in Kalifornien illegal sind, besonders, wenn diese Gewehre genutzt wurden, um 20 unschuldige Kinder und sechs Erwachsene zu töten“, sagte Lockyer. Der Pensionsfonds für kalifornische Lehrer hatte zuletzt mehr als 750 Millionen Dollar bei Cerberus angelegt. Zu den Tochtergesellschaften der Freedom Group gehört auch Remington Arms, der größte und älteste amerikanische Gewehrproduzent. Cerberus wollte die Gesellschaft 2009 an die Börse bringen, gab diese Pläne zwei Jahre später aber wieder auf.

Sturmgewehre als Wachstumsmarkt

Zu den Großaktionären von Smith & Wesson, der als größter amerikanischer Hersteller von Handfeuerwaffen gilt, und Sturm Ruger gehören große Publikumsfondsgesellschaften. Die Gesellschaft Vanguard ist mit einem Anteil von 6 Prozent der größte Einzelaktionäre von Smith & Wesson. Konkurrent Blackrock spielt mit einem Aktienanteil von knapp 8 Prozent die gleiche Rolle bei Sturm Ruger. Investoren sorgen sich nach Einschätzung des Analysten Rommel Dionisio vom Wertpapierhaus Wedbush Securities, dass schärfere Waffengesetze den Besitz von Sturmgewehren einschränken könnten. Sturmgewehre gelten als Wachstumsmarkt. Nach dem Amoklauf haben auch bisher als Befürworter von weitgehend unbeschränktem Waffenbesitz geltende Politiker ein Umdenken signalisiert. Der demokratische Mehrheitsführer im Senat, Harry Reid, kündigte den Beginn einer Debatte zur Änderung von „Gesetzen und Kultur“ an. Knapp 158.000 Amerikaner haben bereits eine Petition für ein schärferes Waffenrecht unterzeichnet.

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Die demokratische Senatorin Dianne Feinstein will zu Beginn der neuen Legislaturperiode ein neues Waffengesetz in den Kongress einzubringen. Die Initiative werde ein Verbot von Sturmgewehren und von Magazinen mit mehr als zehn Schuss Munition vorsehen. Sie äußerte sich zuversichtlich, dass Präsident Barack Obama diesen Vorstoß unterstützen werde. Auch der demokratische Senator Joe Manchin, der für einen Werbespot einst mit einer Waffe auf eine Vorlage für ein Gesetz gegen die Erderwärmung schoss, schlug eine Erneuerung des Verbots von Sturmgewehren vor, das von 1994 bis 2004 in Kraft war. „Nie zuvor haben wir erlebt, dass unsere Kinder abgeschlachtet werden“, sagte Manchin.

Der Einzelhändler Dick’s Sporting Goods, einer der größen Vertreiber von Schusswaffen in Amerika, hat jetzt aus „Respekt vor den Opfern“ alle Waffen aus seiner Filiale in der Nähe von Newtown entfernt. Der Verkauf von halbautomatischen Sturmgewehren, die unter der Bezeichnung „modernes Sportgewehr“ geführt werden, sei in allen Geschäftsstellen ausgesetzt. Der Handelsriese Wal-Mart Stores, die Nummer eins im amerikanischen Waffen- und Munitionseinzelhandel, hat am Montag ein Angebot für ein Bushmaster-Sturmgewehr von seiner Internetseite heruntergenommen.

Quelle: F.A.Z.

 
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