Das Überleben des großen amerikanischen Börsenmaklers Knight Capital scheint gesichert. Knight hat sich mit einer Gruppe von Investoren, darunter der Investmentbank Jefferies und dem Online-Wertpapierhaus TD Ameritrade, auf eine Finanzspritze von 400 Millionen Dollar verständigt. Knight hatte in der vergangenen Woche aufgrund eines Softwarefehlers in einem neuen Handelsprogramm innerhalb von nur einer dreiviertel Stunde 440 Millionen Dollar Verlust gemacht.
Diese Summe übertraf sowohl die gesamten Einkünfte von Knight im zweiten Quartal als auch die Summe der Barmittel, über die der Makler verfügte. Angesichts einer drohenden Insolvenz war der Aktienkurs von Knight am Mittwoch und Donnerstag um rund 75 Prozent abgestürzt. Meldungen über einen neuen kurzfristigen Kredit sowie über Verhandlungen mit potentiellen Käufern hatten am Freitag für eine gewisse Kurserholung gesorgt. Wertpapierhäuser wie Knight brauchen Kapital, um das Risiko ihrer Transaktionen abzusichern.
Starke Kursturbulenzen
Die Investorengruppe, zu der auch die große, auf schnellen Computerhandel spezialisierte, Gesellschaft Getco und die Beteilungsgesellschaft Blackstone gehören, wird nun für 400 Millionen Dollar stimmrechtslose Vorzugsaktien von Knight erwerben, die später in Stammaktien umgewandelt werden können. Nach der Umwandlung wird das Konsortium rund drei Viertel der Anteile an Knight halten. Der Aktienkurs von Knight reagierte am Montag darauf mit erneuten Verlusten von mehr als 20 Prozent.
Die Computerprobleme von Knight hatten am Mittwoch an der New Yorker Börse Nyse in den ersten 45 Minuten des Handels zu starken Kursturbulenzen und ungewöhnlich hohen Umsätzen geführt. Betroffen waren fast 150 Aktien, darunter Börsengiganten wie der Autokonzern General Motors oder der Chemiekonzern Du Pont. Die NYSE hat nach einer Prüfung des Handels Transaktionen in sechs Aktien annulliert, deren Kurse um mehr als 30 Prozent geschwankt waren.
Das Handelsprogramm von Knight hatte Millionen von Aktien zu hohen Kursen gekauft, die der Makler danach mit Verlust an die Bank Goldman Sachs veräußerte. Zuvor hatte die Vorsitzende der Börsenaufsicht SEC, Mary Schapiro, offenbar den Wunsch des Knight-Vorstandsvorsitzenden Thomas Joyce abgelehnt, die fehlerhaften Transaktionen zu annullieren.
Nach dem Blitzcrash vom Mai 2010, als der Dow-Jones-Index innerhalb von Minuten um 1.000 Punkte geschwankt war, hatte die SEC neue Regularien verabschiedet, um den Aktienhandel bei starken Ausschlägen zu unterbrechen. Diese Maßnahmen hatten am Mittwoch gegriffen.
Schlechtes Licht auf Hochfrequenzhandel
Der Druck auf Knight war vor dem Wochenende auch gestiegen, weil einige große Kunden angesichts der wackeligen Lage keine Geschäfte mehr mit der Firma machten. Dazu gehörten die größte amerikanische Fondsgesellschaft Vanguard und der große Online-Broker E-Trade. Der Konkurrent TD Ameritrade, der jetzt zu den Investoren bei Knight gehört, hatte am Freitag aber bereits wieder damit begonnen, Aufträge an Knight zu geben.
Knight nutzt komplexe Computerprogramme, um Käufer und Verkäufer zusammenzuführen und baut eigene Positionen auf, um einen reibungslosen Handel an der Börse zu gewährleisten. Die 17 Jahre alte Gesellschaft gehört auch zu den größten Maklern im stark gewachsenen Markt für börsennotierte Fonds.
Nach eigenen Angaben hatte Knight im vergangenen Jahr einen Anteil von knapp einem Fünftel am Handel mit amerikanischen Aktien und börsennotierten Fonds. Der Fehltritt von Knight warf abermals ein schlechtes Licht auf den millisekundenschnellen Computerhandel, der die amerikanischen Aktienmärkte mittlerweile dominiert.